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Samsung Bixby Voice im Alltags-Check

Samsung kündigte im März zusammen mit dem Galaxy S8 den Sprachassistenten Bixby Voice an, seit August kann jener auch in Deutschland verwendet werden. Wie sich die Software schlägt, lesen Sie in diesem Artikel.
Von Andre Reinhardt
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Seit dem 23. August kann die Spracheingabe des virtuellen Assistenten Samsung Bixby auch hierzulande genutzt werden. Allerdings ist die Software bislang des Deutschen nicht mächtig, die Kommunikation erfolgt ausschließlich in Englisch und Koreanisch. Auch wenn die Einführung des Services nicht reibungslos verläuft, ist Samsung von seinem Produkt überzeugt. Zu Recht? Wir haben Bixby Voice ausführlich im Alltag ausprobiert und verraten Ihnen, in welchen Disziplinen das Programm bereits überzeugt und in welchen der Entwickler noch nachbessern muss.

Samsung Bixby im Alltags-Check
Samsung Bixby im Alltags-Check

Samsung Bixby - holpriger Start

Als das Galaxy S8 am 29. März vorgestellt wurde, wollte Samsung vornehmlich mit zwei großen Neuerungen punkten: Das fast randlose Design (Infinity Display) und der Sprachassistent Bixby standen im Rampenlicht der Präsentation. Sogar eine eigene Taste am Galaxy S8 / Galaxy S8 Plus hat Samsung seiner schlauen Software gewidmet. Doch Ernüchterung trat schnell ein, denn zunächst operierte Bixby lediglich in koreanischer und chinesischer Sprache. Nutzer eines Galaxy S8 außerhalb des asiatischen Raums mussten sich mit den App-Bestandteilen Bixby Home und Bixby Vision zufrieden geben und auf Bixby Voice warten.

Das Warten hat seit dem 23. August ein Ende, denn die Spracheingabe wurde global ausgerollt. Einen Wermutstropfen gibt es jedoch: Aktuell können deutsche Anwender nur in englischer Sprache mit dem Assistenten in Verbindung treten. Immerhin wurden die Menüpunkte des Programms bereits eingedeutscht.

Samsung Bixby Voice - Einstellungsmöglichkeiten

Die Einstellungen bei Bixby Voice
Die Einstellungen bei Bixby Voice
In den Optionen des virtuellen Gehilfen findet sich der Bereich "Sprache". Im Unterpunkt "Sprache und Sprechstil" kann zwischen englischer und koreanischer Sprachausgabe gewählt werden, außerdem stehen drei Sprechweisen zur Verfügung. Die Stimme namens "Stephanie" hat einen angenehmen Klang und auch das männliche Pendant "John" klingt sympathisch. Kürzlich hinzugekommen ist die fiktive Dame namens "Julia", die eine etwas tiefere Aussprache hat. Alle drei Methoden überzeugen durch eine klare und deutliche Kommunikation.

Die Option "Sprachfeedback" lässt den Nutzer wählen, ob die Reaktion von Bixby akustisch und schriftlich oder ausschließlich per Text erfolgen soll. Des Weiteren ist es möglich, die Länge des Feedbacks zu bestimmen (kurz oder vollständig). Ein Entsperren des Bildschirms mit Bixby und das Diktieren auf der Software-Tastatur sind weitere nützliche Features. Damit der User hinsichtlich der möglichen Sprachbefehle der Anwendung nicht im Dunkeln herumirrt, hat Samsung eine Info-Übersicht zu kompatiblen Services und Diensten im Reiter "Sprach-Apps und Dienste" zusammengefasst. Die Spracheingabe an sich ist in drei Empfindlichkeitsstufen regelbar.

Praxischeck - mit Bixby Voice durch den Alltag

Anwendungsbeispiele von Bixby Voice
Anwendungsbeispiele von Bixby Voice
Zunächst ist es selbstredend ungewohnt, mit dem Smartphone in Englisch zu kommunizieren. Des Weiteren zeigt sich Samsungs Assistent als recht ungnädig, wenn die jeweiligen Worte nicht ganz frei von Dialekt diktiert werden. Doch Bixby ist nicht dumm, die App lernt die Stimme des Nutzers mit der Zeit besser kennen und ein manuelles Sprachtraining ist ebenfalls möglich. Anrufe können mit dem virtuellen Assistenten recht gut durchgeführt werden, sofern die Namen auch im Englischen vorkommen. So hatten wir beispielsweise keine Probleme, Tim, Anna oder Christian aus unserem Adressbuch per Sprachbefehl über Bixby Voice anzurufen, zu Werner und Ulf konnten wir allerdings nicht weitergeleitet werden.

Das Stellen des Weckers, das Abfragen des Wetters und das Wiedergeben eines Songs auf YouTube funktionieren indes problemlos. In manchen Bereichen ist Bixby dem Konkurrenten Google Assistent sogar einen Schritt voraus. Der Sprachbefehl "Take a Photo" startet nicht nur die Kamera-App, sondern nimmt auch tatsächlich umgehend ein Foto auf. Diktiert man Google Assistent "Mache ein Foto", dann öffnet sich nur die passende Anwendung, das Bild muss der Anwender selbst einfangen. Die Spracheingabe in Messengern wie WhatsApp konnte ebenfalls überzeugen.

Was uns an Bixby Voice gefallen hat

Spracheingabe mit Bixby Voice
Spracheingabe mit Bixby Voice
Nach einem zweiwöchigen Praxistext können wir sagen, dass der Samsung-Gehilfe durchaus seine Vorzüge hat. Die Sprachausgabe ist stets gut verständlich und Aufgaben, die täglich gebraucht werden, wie etwa die Weckfunktion, das Anfertigen von Notizen und die Wettervorhersage, können mühelos erledigt werden. Die Benutzerführung des Sprachassistenten gefällt uns ebenfalls gut, die Einblendungen von Bixby sind auf den Punkt, informativ und visuell ansprechend.

In Verbindung mit dem Galaxy S8 gibt es ergänzend den Vorteil der dedizierten Taste. Ein kurzer Druck und schon hört Bixby zu. In den letzten Wochen konnten wir zudem beobachten, dass uns der Sprachassistent zunehmend besser zu verstehen gelernt hat. Das System sammelt sogar ähnlich wie in einem Computer-Rollenspiel Erfahrungspunkte, wenn eine neue Funktion erfolgreich verwendet wurde. Eine tolle Idee ist zudem die Möglichkeit, sich News-Feeds beim Ertönen des Weckers vorlesen zu lassen.

Was uns an Bixby Voice nicht gefallen hat

Auch wenn man im Alltag viel in englischer Sprache kommuniziert, so fällt die Kommunikation nicht ganz so flüssig wie in der Muttersprache aus. Bixby zeigt sich teils als recht penibel, wenn es um die korrekte Aussprache geht. Außerdem reagiert die App selbst auf höchster Empfindlichkeitsstufe nicht so gut, wie der Google Assistent. Das Schlüsselwort "Hi Bixby" muss im Vergleich zu "Ok, Google" oftmals lauter ausgesprochen werden. Bis Bixby schließlich einen Befehl verarbeitet hat, vergeht auch mehr Zeit als bei der Konkurrenz.

Einen Absturz haben wir ebenfalls verzeichnet. Dieser war so gravierend, dass Bixby keinen Zugriff mehr auf den Internetbrowser hatte und Suchanfragen nicht mehr verarbeiten konnte. Eine Navigationsfunktion vermissen wir beim Samsung-Assistenten ebenfalls noch.

Unser bisheriger Eindruck von Samsung Bixby Voice

Fotofunktion von Bixby Voice
Fotofunktion von Bixby Voice
Man merkt das Herzblut, das in der Entwicklung dieses Programms steckt. Die Umsetzung wurde mit viel Liebe zum Detail vollzogen, sei es im aufgeräumten Menü, bei den gut verständlichen Stimmen oder bei dem ansprechenden und informativen Feedback. Die teils träge Reaktion, die fehlende Navigation, Abstürze und die recht penible Spracherkennung sind allerdings noch ein paar Baustellen, an denen Samsung zu arbeiten hat. Fairerweise muss man jedoch sagen, dass letztgenannter Kritikpunkt teils auch an der englischen Aussprache des Autors dieser Zeilen liegen kann. Potential ist bei Bixby jedenfalls vorhanden und wir sind optimistisch, dass das Programm zu einer ernstzunehmenden Alternative des Google Assistent werden kann.
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