Eingeschränkt

LTE im Berliner S-Bahn-Tunnel nicht für alle

Seit der Sanierung des Berliner Nord-Süd-Tunnels der S-Bahn sollte dieser schnelles Internet per LTE bieten. Doch bei einer Testmessung hatten wir mit einem China-Smartphone kein LTE. Wir haben nachgefragt.
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LTE im Berliner S-Bahn-Tunnel nicht für alleLTE im Berliner S-Bahn-Tunnel nicht für alle Der in den 1930er-Jahren erbaute Nord-Süd-Tunnel der Berliner S-Bahn war für Pendler und Touristen bislang kein mobiles Surfparadies: Bis zu diesem Frühjahr war mobiles Surfen zwischen den Stationen Humboldthain und Anhalter Bahnhof nur sehr langsam möglich. Dies betraf auch so wichtige unterirdische Bahnhöfe wie Friedrichstraße, Brandenburger Tor und Potsdamer Platz.

Bei der in diesem Frühjahr während einer mehrwöchigen Sperrung durchgeführten Tunnel-Sanierung schien dann die Erlösung greifbar nahe: Im S-Bahn-Tunnel sollte LTE für alle Netze ausgebaut werden mit Vodafone als Projektführer. Doch einige Wochen nach der Wiederinbetriebnahme sieht die Realität etwas anders aus.

Testfahrt: Warum kein LTE im S-Bahn-Tunnel?

Vor einigen Tagen fuhren wir mit unserem Smartphone Oneplus One und Surftarif Telekom Data Comfort L Premium (5 GB mit LTE Maximalspeed) durch den Nord-Süd-Tunnel und hatten während dieser Fahrt kein einziges Mal LTE, sondern immer nur 3G, HSPA oder HSPA+. Bei Testmessungen konnten wir immerhin bis zu 19 MBit/s im Downstream und 2 MBit/s im Upstream messen, was zum regulären Surfen durchaus genügt. Trotzdem wunderten wir uns - was konnte die Ursache sein?

Eigentlich gab es für das nicht für uns "sichtbare" LTE nur zwei Ursachen: Entweder hatte die Telekom es noch nicht freigeschaltet oder sie verwendet im Berliner Untergrund die überwiegend in Europa anzutreffende 800-MHz-Frequenz, die das aus China stammende Oneplus One nicht unterstützt. Dies ist ein Phänomen bei einigen aktuellen Smartphones, vor allem auch wenn sie die Dual-SIM-Funktionalität gleichzeitig mit LTE unterstützen: Viele ursprünglich für asiatische Märkte konzipierte Smartphones mit zum Teil sehr gutem Preis-Leistungsverhältnis streichen die Unterstützung für die 800-MHz-Frequenz.

Nachfrage bei allen Netzbetreibern bringt Klarheit

Um der Sache auf den Grund zu gehen, fragten wir bei allen Netzbetreibern nach. Vodafone als Projektführer versicherte uns, dass im Tunnel alle in Deutschland gebräuchlichen Frequenzbereiche um 800, 1800 und 2600 MHz ausgebaut werden und auch für die Vodafone-Kunden mit LTE-fähigem Tarif nutzbar sind.

Die Telekom bestätigte allerdings eine unsere Vermutungen: Telekom-Kunden können sich im Tunnel bereits ins LTE-Netz einbuchen, die Telekom nutzt dort aber ausschließlich die 800-MHz-Frequenz. Telekom-Nutzer haben im Tunnel also nur LTE, wenn sie ein Gerät besitzen, dass diese Frequenz unterstützt. Alle anderen müssen mit 3G oder HSPA+ vorliebnehmen.

Ein Sprecher von Telefónica schrieb uns zum E-Plus- und o2-Netz: "Der S-/U-Bahn-Tunnel ist seitens Telefónica und E-Plus mit UMTS (HSPA+) versorgt. Vodafone baut aktuell als Projektführer LTE auch für Telefónica. Wir gehen davon aus, dass wir LTE im Tunnel etwa in Q3 anbieten können." Dies würde bedeuten, dass Telefónica-Kunden erst zwischen Juli und September mit einer LTE-Versorgung im Tunnel rechnen können. Ob es sich dabei dann um das o2- oder das E-Plus-Netz oder beide handeln wird, teilte Telefónica nicht mit.

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