Überlast

Homeoffice: Viele Rufumleitungen überlasten Telefonanlagen

Wenn eine Firma oder Behörde viele Tele­fone hat, gibts eine Neben­stel­len­anlage mit Durch­wahl. Werden zu viele Anschlüsse nach draußen umge­leitet, droht die Über­las­tung, weil die Anlagen dafür unter­dimen­sio­niert sind.

Behördenmitarbeiter können im Homeoffice nicht unter ihrer Behördendurchwahl erreicht werden, weil die Anlagen überlastet sind Behördenmitarbeiter können im Homeoffice nicht unter ihrer Behördendurchwahl erreicht werden, weil die Anlagen überlastet sind
Foto: Picture Alliance / dpa
Dass möglichst alle Mitar­beiter und Mitar­bei­terinnen von zu Hause aus arbeiten sollen, ist poli­tisches Gebot und durchaus sinn­voll - sofern die tech­nischen Möglich­keiten gegeben sind. Und da hakt es, wie das Magazin DER SPIEGEL (Ausgabe 10/2021, Seite 22) berichtet.

Home­office über­lastet Anlagen

Der Wunsch nach mehr Home­office schei­terte bei mehreren Bundes­behörden an über­las­teten Tele­fon­anlagen. In einem Rund­schreiben des Bundes­innen­minis­teriums von Anfang Februar heißt es, die tele­foni­sche Weiter­lei­tung aus den Büros nach Hause führe "zu einer zeit­weisen Über­las­tung der Netze des Bundes".

Deshalb empfehle die dafür zustän­dige Bundes­anstalt für den Digi­tal­funk (sic!), "Rufum­lei­tungen an den Büro­tele­fonen möglichst nicht zu akti­vieren". Mitar­beiter und Mitar­bei­terinnen mit Dienst­handy sollen statt­dessen die Handy­nummer weiter­geben – oder frei­willig ihre Privat­nummer, um zu Hause erreichbar zu bleiben.

Anlage auch bei der Bundes­polizei über­lastet

Behördenmitarbeiter können im Homeoffice nicht unter ihrer Behördendurchwahl erreicht werden, weil die Anlagen überlastet sind Behördenmitarbeiter können im Homeoffice nicht unter ihrer Behördendurchwahl erreicht werden, weil die Anlagen überlastet sind
Foto: Picture Alliance / dpa
Auch das Bundes­poli­zei­prä­sidium in Potsdam kämpft mit einer schwäch­lichen Tele­fon­anlage. Zwar lobte sich die Abtei­lung für Kommu­nika­tions­technik im Dezember dafür, dass man in der Coro­nakrise die Zahl der Räume für Tele­fon­schalten "erheb­lich ausge­baut" habe. Aller­dings komme es wegen der rund 200 geschal­teten Rufum­lei­tungen aus den Büros "immer wieder zu Leitungs­eng­pässen", was dazu führe, dass "die Räume zuneh­mend nicht oder nur einge­schränkt genutzt werden".

Konse­quenz auch hier: "Je Abtei­lung" dürften "maximal 10 externe Rufum­lei­tungen geschaltet werden". Außerdem raten die Kommu­nika­tions­experten und -exper­tinnen dazu, vermehrt das Dienst­handy zu nutzen – aller­dings ohne vom Büro aufs Handy umzu­leiten. Mit tech­nischer Aufrüs­tung bei der Bundes­polizei sei frühes­tens "ab dem 2. Quartal 2021" zu rechnen.

Tech­nische Hinter­gründe

Der tech­nische Hinter­grund dieser Anlagen ist folgender: Große Behörden oder große Firmen haben in der Regel eine "Neben­stel­len­anlage mit Durch­wahl". Die hat eine "Kopf­nummer" und eine Durch­wahl (meist drei oder vier­stellig, bei größeren Anlagen sogar fünf­stellig). Bei vier­stel­ligen Durch­wahlen wären tech­nisch gesehen 8999 Durch­wahlen (die "0" ist übli­cher­weise die Zentrale) möglich.

Da aber nicht alle 8999 Neben­stellen gleich­zeitig Amts­gespräche führen, gibt es nur einen Bruch­teil an Amts­lei­tungen. Das reicht im Normal­fall auch aus. Wenn nun aber 8999 Neben­stellen eine Umlei­tung nach draußen geschaltet haben, wird die Zahl der "belegten Sprach­kanäle" verdop­pelt, d.h. das System geht schneller in die Knie.

Die Lösung sind Tele­fon­anlagen, die in einer Cloud laufen und rein auf Soft­ware basieren. Sie können bei Bedarf kurz­fristig per Soft­ware "erwei­tert" werden. Da Cloud-Anlagen nicht in der Firma oder der Behörde, sondern "außer Haus" auf einem externen Server laufen, sind hier beson­dere Sicher­heits­vor­schriften zu beachten, schließ­lich soll ja "niemand unbe­fugtes" diese Gespräche mitver­folgen können.

Tipps für Arbeit­nehmer

Wenn Ihr Arbeit­geber von Ihnen verlangt, die private Tele­fon­nummer bekannt zu geben, um seine Anlage zu entlasten, gibt es eine einfache Möglich­keit: Moderne Tele­fon­anschlüsse (auf VoIP-Basis) haben heute "ab Werk" mindes­tens drei Rufnum­mern inklu­sive, diese Zahl kann auf insge­samt 10 erwei­tert werden. Mögli­cher­weise haben sie diese Nummern noch nie genutzt. Jetzt ist die Gele­gen­heit dazu, sie bekannt zu machen und zu nutzen.

In der heimi­schen Tele­fon­anlage oder im Router kann dann fest­gelegt werden, welche Nummer wann an welchem Apparat klin­gelt. Somit ist gewähr­leistet, dass dienst­liche Anrufe nur während der Arbeits­zeit ankommen. Weitere Nummern können auch Lebens­part­nern, Kindern oder verschie­denen Projekten (z.B. bei Selbst­stän­digen) zuge­wiesen werden.

Die zusätz­lichen Nummern können bei einem reinen SIP-Anbieter oder dem Anbieter des eigenen Anschlusses (z.B. Telekom, Voda­fone, 1&1, etc.) bestellt werden. Der jewei­lige Anbieter teilt dann per Brief­post oder E-Mail die zusätz­liche(n) Rufnummer(n) mit und nennt die Anmel­dein­for­mationen zum Einrichten.

Bevor man die Nummern schließ­lich bekannt gibt, sollte sie mit einem Handy und mit Freunden erst einmal getestet werden, ob die rich­tige Nummer am rich­tigen Telefon klin­gelt und auch abge­hend die "gewünschte" Rufnummer signa­lisiert.

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