Videostreaming

RTL sieht kein Massenpublikum für kostenpflichtige Videoanbieter

Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass es in Deutschland kein Massenpublikum für kostenpflichtige Videoanbieter wie Netflix gäbe. Der Auftraggeber heißt allerdings RTL.
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In Deutschland gibt es kein Massenpublikum für Videostreaming: Dieses Ergebnis einer neuen Tagesablaufsstudie mag für viele überraschend sein, erklärt sich allerdings auch aus dem Auftraggeber. Es handelt sich um eine Studie von IP Deutschland, dem Medienvermarkter der Mediengruppe RTL Deutschland. In der Untersuchung mit dem Titel "IP Fourscreen Touchpoints" lasse sich laut den Erstellern der Studie genau ansehen, ob und inwieweit sich die Mediennutzung innerhalb der letzten drei Jahre verändert hat. Das Ergebnis: Die mutmaßlich attraktiven, internationalen Videoanbieter seien stark, lägen aber weit unter dem TV-Niveau.

Je älter der Nutzer, desto mehr schaut er wieder fern

IP Deutschland ließ 1 132 Deutsche im Alter von 14 bis 59 Jahren drei Tage lang stündlich befragen. Diese lieferten insgesamt 36 000 Momentaufnahmen über ihre Mediennutzung. Knapp ein Drittel ihrer verfügbaren Zeit verbringen die 14- bis 59-Jährigen mit Videoinhalt. Dabei bleibe das lineare Fernsehen vom Volumen her in allen Altersgruppen die unverzichtbare Basis und vereinnahme 80 Prozent (14 bis 59 Jahre) beziehungsweise 60 Prozent (14 bis 25 Jahre) des Bewegtbildkuchens für sich. An zweiter Stelle folge mit 15 Prozent die Online-Videonutzung. Dominiert werde diese von Short-Form-Content wie Youtube sowie kostenpflichtigen Streamingdiensten wie Netflix und Amazon Prime Video. Erwartungsgemäß von höherer Relevanz sei Online-Video in der jungen Zielgruppe mit 35 Prozent des Bewegtbildkonsums. Gehe es um die grundsätzliche Erreichbarkeit - also die Nettoreichweite – liege das lineare Fernsehen mit 94 Prozent Nettoreichweite innerhalb von drei Tagen weiterhin mit großem Abstand an erster Stelle.

Enorme Größenunterschiede zwischen linearem TV und Streaming

Lieber RTL statt Netflix? Zu diesem Ergebnis kommt eine StudieLieber RTL statt Netflix? Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie Auch wenn Netflix und Amazon Video immerhin 20 Prozent (Netflix), beziehungsweise 14 Prozent (Amazon) der 14- bis 25-Jährigen erreichten, würden dennoch enorme Größenunterschiede zum klassischen linearen TV deutlich, so IP Deutschland. Denn in der jungen Zielgruppe erreiche das ganz normale lineare Fernsehen innerhalb von drei Tagen 88 Prozent. Die Nutzer kehrten dem klassischen Fernsehen keineswegs den Rücken, sondern die Detailbetrachtung zeige, dass diese Nutzung vielfach "on top" kommt und damit zu einer insgesamt deutlich höheren Videonutzung führt. Bereits in der Altersgruppe ab 26 Jahren lasse die Nutzung der "hippen" Angebote deutlich nach.

Betrachtet man die werberelevante Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen erreiche TV innerhalb des dreitägigen Untersuchungszeitraumes nahezu alle Befragungsteilnehmer, dagegen hätten bei den globalen Playern Netflix und Amazon gerade einmal acht Prozent der 14- bis 59-Jährigen reingeschaut. Die inkrementelle Nettoreichweite der beiden Anbieter liege bei gerade einmal einem Prozent.

IP Deutschland kommt zu dem Ergebnis, dass kostenpflichtige Videoplattformen das klassische Fernsehen zwar ergänzten, sie seien aber kein Ersatz. Das wüssten auch die globalen Player. Nicht umsonst investierten sie 2016 den Löwenanteil ihrer Mediabudgets in TV-Werbung, um ihre Angebote zu bewerben, hieß es.

Goldmedia-Studie kommt zu einem anderen Ergebnis

Zu einem ähnlichen Resultat kam vor einiger Zeit bereits die Studie "OTT-Dienste - Vielfalt online", wonach Streamer mit zunehmendem Alter wieder zu linearem TV zurück kehrten. Andere Untersuchungen führen zu einem kontroversen Ergebnis: So kam Goldmedia zu dem Fazit, dass bereits 43 Prozent aller Online-User kostenpflichtige Streaming-Angebote nutzten. Fraglich sind bei der RTL-Studie auch die Gegenüberstellungen: So wird beispielsweise der gesamte lineare TV-Markt mit einzelnen Videoanbietern wie Netflix oder Amazon Video verglichen.

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