Stellungnahmen

Routerzwang: Hersteller und Verbände haben Sicherheitsbedenken

Verband kritisiert geringe Datensicherheit und Re-Monopolisierung
Von Jennifer Buchholz
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Im Rahmen der offi­ziellen An­hörung der Bundes­netzagentur zum Thema Router­zwang hat sich eine deutliche Mehrheit gegen den Routerzwang ausgesprochen.

Auch der Zusammenschluss aus 19 End­geräte­hersteller hat gemeinsam eine Stellung­nahme ein­gereicht. Kern­forderung ist, den Routerzwang bundes­weit ab­zu­schaffen und den freien Markt für Tele­kommunikations­endgeräte wieder­her­zustellen. Die Frist für Anwender, Verbände, Industrie und Verbraucher sich zu äußern, endet heute.

Hersteller kritisieren erhebliche Einschränkungen

In ihrer gemeinsamen Stellungnahme kritisieren die 19 TK-Endgerätehersteller, dass mit dem Routerzwang oder der Einführung von Leitungsabschlussgeräten erhebliche Einschränkungen bei der Nutzung der TK-Netze drohen. Dies gilt für Privat- als auch für Firmen-Anwender. So wird zum Beispiel durch die Routervorgabe die nutzereigene Auswahl eines für ihn geeignetes Endgerät stark eingeschränkt. In der Stellungnahme heißt es zudem, dass vorgeschriebene Endgeräte "im Widerspruch zu geltendem deutschen und europäischen Recht sowie europäischer Normung" stehen. Laut der Allianz reicht das etablierte Modell des Netzabschlusspunktes in Form der TAE-Dose technisch vollkommen aus. Demnach gibt es auch keine technischen Gründe, die eine Neuauslegung des Netzabschlusspunktes erforderlich machen. Die Hersteller verdeutlichen in ihrer Stellungnahme, dass sie den Routerzwang auch als Einschränkung sehen. Mit Hilfe dieser Vorschrift kann der Provider den Nutzer von Zusatzfunktionen und den Anschluss einer Vielfalt an ITK-Endgeräten einschränken. Somit wird die Netzneutralität nicht gewährleistet.

Zudem drohen durch Geräte-"Monokulturen" größere potentielle Sicherheitsprobleme. Auch wirft, laut der Endgerätehersteller, der Routerzwang ungeklärte Fragen in Sachen Datenschutz und Haftung auf (z. B. WLAN-Störerhaftung).

Bundesverband "geteilt" e. V. reicht ebenfalls Stellungnahme ein

Auch der Bundesverband Initiative gegen digitale Spaltung -geteilt.de- e. V. hat diese Möglichkeit wahrgenommen. Er lehnt den Routerzwang ebenfalls ab. "Die von den Providern ins Feld geführten Vorteile heben die Nachteile bei Weitem nicht auf. Insbesondere sehen wir Verbraucherrechte und die Sicherheit persönlicher Daten gefährdet.", sagte der 2. Vorsitzender des Bundesverbandes, Bernd Rudolph.

Eingeschränkte Sicherheit durch Gerätvorgabe

Durch den Routerzwang können die Provider die Internetnutzung stark beeinflussen.Durch den Routerzwang können die Provider die Internetnutzung stark beeinflussen. Durch die bisherige Entwicklung auf den Telekommunikations-Märkten und dem damit verbundenen freien Wettbewerb konnten die Verbraucher selber bestimmen, welches Gerät sie als Router verwenden. Denn viele Nutzer wünschen sich ein Endgerät, welches unter anderem zusätzliche Sicherheit beim Surfen im Internet bietet und das Leistungsangebot des Internet nicht anbieterabhängig einschränkt, so der Verband.

Allerdings können die Provider ihre Geräte nach Konzernwünschen konfigurieren, ohne auf Nutzerinteressen Rücksicht nehmen zu müssen. So hätten sie theoretisch Zugriff auf die lokalen Netze ihrer Kunden. Besonders vor dem Hintergrund der NSA-Affäre sollte dieser Punkt besonders bedacht werden, findet Rudolph. Auch Dritte können sich durch eventuell zu langsam behobene Sicher­heits­lücken un­befugten Zugang zu den per­sön­lichen Daten der Ver­braucher verschaffen. "Durch die Vielzahl gleicher Geräte im Netz der Provider würde sich diese Gefahr geradezu potenzieren", erklärt Rudolph.

Monopolbildung wäre möglich

Nicht nur die Datensicherheit sieht der Verband gefährdet. Er befürchtet zudem, dass durch den Routerzwang eine Weiter­entwicklung zu­verlässiger und sicherer End­produkte gebremst wird, da die Inter­net­anbieter nur die Router anbieten, die für das Unternehmen am kostengünstigsten sind. Die Entwicklung eines Monopols wäre demnach möglich, weil die Internetanbieter nur Geräte von jeweils einem bestimmten Hersteller einsetzen würden. Dieses Argument lieferte ebenfalls die Allianz der Endgerätehersteller. "Wir sehen die konkrete Gefahr einer Re-Monopolisierung. Das wäre ein Rückfall in Zeiten, als nur amtlich vorgeschriebene Modems der Bundespost erlaubt waren. Wer das noch kennt, wird die Sorgen der Verbraucher verstehen", sagt Rudolph. Der von Providern vorgeschlagene Einsatz nutzereigener Router nach den von ihnen vorgeschriebenen sei allein aus ökonomischer Sicht unsinnig.

Auch Netzneutralität wird nicht gewährt

Ein zusätzlicher Punkt, den der Verband in seiner Stellungnahme bemängelt ist, dass der Routerzwang die Netzneutralität aushebeln könnte. So könne der Netzbetreiber das Leitungsabschlussgerät so konfigurieren, dass nur bestimmte Inhalte und Datenpakete freigegeben bzw. gegen eine Zusatzgebühr durchgelassen werden. Auch eine Sperrung für den Erhalt bestimmter Daten sieht der Verband für möglich an.

Providereigene Router ermöglichen es dem Netzbetreiber, nach eigenem Ermessen Konfigurationsänderungen vorzunehmen, die nicht immer im Kundeninteresse liegen müssen, heißt es in der Stellungnahme.

Absicht des Bundesverbandes

Mit seiner Stellungnahme will der Bundesverband die Bundesnetzagentur zu einer klaren Richtungsvorgabe bewegen. Diese ist nicht nur für die Verbraucher von entscheidender Bedeutung.

Unter den verschiedenen Lösungsmodellen sieht der Verband das Modell A als akzeptable Lösung an. Bei diesem Vorschlag liegt der Netzabschlusspunkt vor dem Leitungsabschlussgerät. "Alle anderen Modelle sind abzulehnen", so Rudolph. Die anderen drei Modelle teilte die Bundesnetzagentur in einem entsprechenden Schreiben [Link entfernt] mit.

Auf der nächsten Seite wird die bisherige Entwicklung zu diesem Thema zusammen­gefasst.

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