Reise

Vorsicht: Handy-Nutzung im Flugzeug kann teuer werden

Wer in ein Flug­zeug einsteigt, sollte aufpassen, in welches Netz sich sein Handy einbucht. Manchmal reicht es, wenn das Gerät nicht in den Flug­modus geschaltet wird, um horrende Rech­nungen zu produ­zieren. Wir infor­mieren über die Kosten­fallen und wie man sie vermeidet.
Kommentare (2484)
AAA
Teilen (19)

Für so manch einen Viel­flieger ist es eine mehr als lästige Ange­legen­heit. Vor jedem Abheben müssen Handys in den Flight­modus geschaltet werden. Doch immer öfter wird die freund­liche Ermah­nung des Bord­perso­nals einfach igno­riert. Schließ­lich sind moderne Flug­zeuge gut abge­schirmt, die Funk­signale der Smart­phones können bei der Bord­elek­tronik keinen Schaden mehr anrichten.

Doch diese Igno­ranz kann teuer werden. So berich­tete die Irish Times von einem Passa­gier, der in die USA geflogen war, und ein paar Wochen später eine Rech­nung von über 300 US-Dollar von seinem ameri­kani­schen Provider AT&T ausge­stellt bekam. Die Rech­nung bezog sich auf die Nutzung seines Tele­fons an Bord des Flug­zeugs. Nur hatte der Passa­gier sein Mobil­telefon während des ganzen Fluges nicht ange­rührt. Des Rätsels Lösung: Es lag über den Wolken ange­schaltet in der Gepäck­ablage. Dort hatte es sich unbe­merkt mit dem Bord­netz des Flug­zeugs verbunden.

Hohe Rech­nung - selbst schuld?

Handy in Flugzeug kann zur Kostenfalle werdenHandy in Flugzeug kann zur Kostenfalle werden Beschwerden halfen wenig. AT&T sagte dazu, dass sich das Bord­netz auto­matisch mit Geräten verbinden kann, die nicht im Flug­modus sind. Und dann könnten eben auch Gebühren anfallen. Auch die zustän­dige Flug­gesell­schaft Aer Lingus kommen­tierte ein biss­chen scha­denfroh, dass Passa­giere, die ihre Smart­phones nicht in den Flug­modus schalten, halt mit hohen Rech­nungen zu rechnen haben. Man sei nicht verant­wort­lich, wenn Passa­giere klare Anwei­sungen igno­rieren.

Handys können sich selb­ständig einbu­chen

Wer in ein Flug­zeug mit einem solchen Bord­netz steigt, muss also damit rechnen, dass sein Handy versucht, sich damit zu verbinden. Das kann auch schon am Start­flug­hafen am Boden bezie­hungs­weise auf dem Roll­feld passieren, wie der Fall eines Teen­agers zeigte, der in der Zeit zwischen Einsteigen und Abheben 3000 Euro im wahrsten Sinne des Wortes verspielte. Der Grund ist eigent­lich einfach: Kann sich das Smart­phone nicht mit dem Heimat­netz verbinden, dann versucht es via Roaming ein anderes Netz zu finden. In Zeiten von Roam-like-at-Home haben zumin­dest inner­euro­päisch viele Smart­phone-Nutzer die Roaming-Sperre aufge­hoben, das Handy bucht sich dann in das teure Bord­netz ein. 100 Kilo­byte Daten­volumen können hier schon mal 3,30 Euro kosten. Das summiert sich schnell, doch an Bord gibt es im Mobil­funk­netz des Flug­zeugs keine Kosten­beschrän­kung, auch nicht auf Europa-Flügen. Die Roaming-Verord­nung der EU greift nämlich nur bei terres­trischen Verbin­dungen, die im Flug­zeug hingegen ist eine Satel­liten-Verbin­dung.

Internet im Flugzeug
Übersicht: Mobilfunk und WLAN im Flugzeug

Gut versteckte Tarife

Was das Ganze genau kostet, kann nur die Mobil­funk­gesell­schaft sagen, von der die eigene SIM-Karte stammt. Das ist leider bei vielen Anbie­tern gar nicht so einfach in Erfah­rung zu bringen. Die Tarife für die Nutzung von Inflight-Services werden eher gut versteckt. Oft finden sich gar nicht auf der regu­lären Preis­liste, sondern in einem sepa­raten PDF-Doku­ment, auf dem manchmal auch noch die Preise für das Roaming auf Fähren und Kreuz­fahrt­schiffen aufge­führt sind. Fest­zuhalten bleibt: Selbst wenn Flug­zeug oder Schiff inner­halb der EU unter­wegs sind, handelt es sich nicht um EU-Roaming, sondern es fallen immer Zusatz­kosten an.

Im Zwei­fels­fall sollte man das Suchen aufgeben und das Service-Center bemühen. Dort sollte es schnell die rich­tige Auskunft geben. Noch einfa­cher: Wer Ärger aus dem Weg gehen will, deak­tiviert einfach vor Betreten des Flug­zeugs das Daten­roaming oder wech­selt gleich in den Flug­modus. Um zu vermeiden, dass gewisse Dienste oder Apps das Daten­roaming wieder einschalten und eine teure Rech­nung produ­zieren, kann auch vor Betreten des Flug­zeugs die SIM-Karte aus dem Gerät genommen werden, weil even­tuell Apps sich die Berech­tigung nehmen, einfach Daten­roaming und mobile Daten einzu­schalten und zu verwenden.

Theo­retisch kann man über solche Satel­liten-Verbin­dungen auch tele­fonieren. Aller­dings ist das bei fast keiner Flug­gesell­schaft erlaubt. Die Luft­hansa verbietet explizit auch das Skypen. Der Grund ist: Die Passa­giere, zumin­dest in Deutsch­land, fühlen sich gestört. Eine Umfrage von Nielsen im Auftrag von Turkish Airlines ergab, dass 64 Prozent der deut­schen Flug­reisenden Tele­fonate im Flug­zeug ablehnen. Einer der wenigen Anbieter, der das Tele­fonieren über den Wolken anbietet, ist Swiss, und das auch nur an Bord der Boeing 777-300ER. Die Minute kostet hier aber 5,50 Euro. Damit dürfte sich die Zahl der poten­ziellen Kunden in Grenzen halten.

Insta­bile Verbin­dungen

Eigent­lich sollte man meinen, dass etwas, das man teuer bezahlt, auch quali­tativ hoch­wertig ist. Doch das ist leider nicht immer so. Die Satel­liten-Verbin­dungen als Back­bone des Mobil­funk­netzes an Bord sind oft labil, der Daten­strom tröp­felt.

Abhilfe soll das European Avia­tion Network (EAN) bringen, eine neue Tech­nologie die Satel­liten­tech­nologie und LTE zusam­menbringt und so güns­tigere und stabi­lere Verbin­dung garan­tieren soll. Erste Linien, die auf die Technik setzen, sind British Airways, die spani­schen Linien Vuel­ling und Iberia und die irische Aer Lingus wollen schon bald folgen.

WLAN-Nutzung ist güns­tiger

Die Alter­native sind WLAN-Verbin­dungen, wie sie viele Flug­gesell­schaften in verschie­denen Vari­anten anbieten. Die Pakete sind oft sehr viel güns­tiger, weil die Airlines ihre Groß­handels­preise einfach weiter geben. Gängig sind alle Arten von Abrech­nung: Nach Zeit, Daten­volumen oder auch pauschal und bisweilen auch nach Geschwin­digkeit. Wer in Erwä­gung zieht, beim nächsten Flug das Internet nutzen zu wollen, sollte sich also unbe­dingt vorher erkun­digen, welche Optionen es gibt, und vor allem was sie kosten. Das Angebot hängt dabei nicht nur von der Gesell­schaft ab, sondern auch von der gebuchten Strecke und vom einge­setzten Flug­zeugtyp.

Welche Airlines Internet per WLAN zu welchem Preis anbieten, sehen Sie auf unserer Über­sichts­seite zu WLAN im Flug­zeug.

Teilen (19)

Meldungen zu Flugzeugnetze

1 2 3 48 letzte