Obergrenzen

Fair-Use-Grenze beim Roaming: Das gilt für jeden Handy-Nutzer

Die sogenannte Fair-Use-Grenze oder -Policy soll die übermäßige Nutzung der neuen EU-Roaming-Verordnung verhindern. Wir erklären Ihnen ausführlich, was die Regelung für Sie bedeutet.
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Justitia vor der Europa-FlaggeDie Fair-Use-Policy soll verhindern, dass Kunden sich die EU-weit günstigsten Tarife herauspicken Roam like at home (RLAH) heißt die seit diesem Juni gültige EU-Verordnung, die im Kern besagt, dass ein Handy­tarif aus Deutschland zu gleichen Konditionen auch im EU-Ausland (sowie Norwegen, Liechtenstein und Island) gelten muss. Doch ganz so einfach ist es doch nicht: Es gibt insbesondere beim Daten-Roaming Ausnahmen, die zu einer Kosten­falle werden können - ab dem ersten Monat im Ausland. Weitere Ausnahmen gibt es für eine dauer­hafte Nutzung eines Tarifes im Ausland. Diese beiden so genannten Fair-Use-Regeln sollen die Anbieter davor schützen, dass sie durch intensive Nutzung des Tarifes im Ausland durch ihren Kunden zuzahlen müssen. Wie Sie das Daten-Roaming am Handy aktivieren können, zeigen wir Ihnen für Android und iOS.

Hohes Daten­volumen bei niedrigem Preis: Einschränkung erlaubt

Auf den ersten Blick gibt es in Deutschland kaum Flatrates mit unlimitierter Datennutzung. Tatsächlich aber geht die EU auch bei einem gedrosselten Tarif von einer unlimitierten Flatrate aus. Um zu erfahren, wie viel Datentraffic dem Kunden ohne Aufpreis zusteht, kommt eine Formel zum Einsatz. Sie lautet (Monatspreis durch Großhandels­preis) x 2. Der Großhandels­preis wird im Januar 2018 bis zum Jahr 2020 jährlich weiter sinken, die Daten­volumen im Ausland dadurch steigen. Die Großhandelspreise im Einzelnen: bis Ende 2017: 9,163 Euro, im Jahr 2018 7,14 Euro, im Jahr 2019 5,335 Euro, ab 2020 4,165 Euro.

Ob ein Anbieter diese Regel einsetzt, obliegt ihm selbst. Er ist berechtigt, den Aufpreis zu nehmen, muss es aber nicht.

Reiner Volumentarif wird komplizierter berechnet

Für den Fall, dass ein Kunde wirklich nur ein Inklusivvolumen hat und danach offline ist, darf der Anbieter jenen Kunden, die kein unbegrenztes Daten­volumen nutzen, einen Betrag für über­mäßiges Roaming in Rechnung stellen, wenn sie weniger als 4,85 Euro pro Giga­byte bezahlen. Hat ein Kunde zu Hause einen Vertrag mit unlimitierter Telefonie und SMS sowie 3 GB Daten für 30 Euro monatlich, so muss der Kunde 30 (Euro) durch 3 (Gigabyte) teilen - also Grundgebühr geteilt durch Datenvolumen - und bekommt einen Wert von 10 (Euro pro Gigabyte). Dieser Wert liegt über den genannten 4,85 Euro, die gebuchten 3 GB können vollumfänglich im EU-Ausland genutzt werden.

Hat der Kunde zum gleichen Preis aber 15 GB Daten­volumen gebucht, so liegt der rechnerische Wert bei 2 Euro pro GB (30 ÷ 15 = 2). In diesem Fall kommt eine weitere komplizierte Formel zum Einsatz, die den Großhandels­preis für Daten von 9,163 Euro beinhaltet. Dazu wird der Monats­preis des Vertrags durch diesen Großhandels­preis geteilt (30 ÷ 9,163 = 3,27) und dieser Wert von 3,27 verdoppelt. Das Ergebnis von 6,54 ist die Höhe des Gigabyte-Volumens, dass der Nutzer im EU-Ausland ohne weitere Kosten versurfen kann. Darüber hinaus darf der Anbieter Kosten von 9,163 Euro pro GB berechnen.

Wichtig: Der Anbieter muss über dieses Limit informieren und auch mitteilen, wenn das Volumen im Ausland verbraucht wurde.

Dauer­hafte Nutzung im Ausland nicht ohne Weiteres zulässig

Der Handy­tarif sollte in dem Land abgeschlossen worden sein, in dem die Nutzung vorrangig erfolgt. Denn wenn der Tarif innerhalb von vier Monaten den überwiegenden Teil der Zeit im Ausland genutzt wurde, ist der Anbieter berechtigt, vom Kunden einen Nachweis für die zukünftige Hauptnutzung im Inland zu verlangen. Wie die Anbieter das umsetzen werden, bleibt abzuwarten. Als Beleg will Telefónica beispielsweise folgende Dokumente gelten lassen: Ein Nachweis über ein dauer­haftes Voll­zeit­beschäftigungs­verhältnis, wieder­kehrende Voll­zeit­studien­kurse, Erklärungen und Nach­weise von Arbeit­gebern oder Bildungs­einrichtungen, eine Eintragung im Einwohner­register, aus der hervor­geht, dass sich der Kunde im Mitglied­staat dauer­haft aufhält, und andere vernünftige Unterlagen, die stabile Bindungen oder den festen Wohn­ort belegen können (beispielsweise Miet­verträge). Erfolgt dieser Nachweis nicht, darf dem Kunden ein Aufschlag zu seinem nationalen Tarif in Rechnung gestellt werden.

Je nach Hand­habung des Anbieters und Möglich­keit des Nach­weises dürften somit selbst Winter-Residenzler auf Mallorca eine Nutzungs­möglichkeit beim EU-Roaming haben. Auch für Pendler sollte es keine Probleme geben. Allerdings: Wer sich gezielt im Ausland einen Billig-Vertrag zulegt, ohne jegliche Beziehung zu dem Land zu haben, der wird künftig zuzahlen müssen.

Die wichtigsten Hinweise zum EU-Roaming finden Sie in unserem Ratgeberartikel: Der Euro-Tarif im Detail.

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