Roaming

Roaming: Das bringt der neue Euro-Tarif ab 1. Juli

Telefonie und SMS werden günstiger, bald Kostendeckel beim Daten-Roaming
Von Marc Kessler

Bei den Datenpreisen schwingt EU-Kommissarion Reding zumindest noch nicht die Keule und gibt den Unternehmen zunächst die Chance, die Endkundenpreise eigeninitiativ zu senken. Gedeckelt werden ab 1. Juli erst einmal die Großhandelspreise - also die Preise, die sich die Anbieter untereinander pro übertragenem Megabyte berechnen. Die EU-Kommissarin verwies im Interview mit teltarif.de darauf, dass Sie in jedem Fall regulativ eingreifen will, wenn die Anbieter die Kundenpreise nicht oder nicht ausreichend senken. Reding: "Wir werden 2011 zurückkommen auf diese Problematik und eine Marktanalyse vorlegen über das, was sich entwickelt im Sprachbereich, SMS-Bereich und der Datenübertragung. Und dann müssen die politischen Entscheidungsträger in dem Moment dann sagen, wie es weitergeht. Genügt das, was wir auf Datenübertragungs-Ebene festgelegt haben oder entwickelt der Markt sich nicht?"

Maximale Großhandels-Roaming-Datenpreise ab 1. Juli

Großhandels-Datenpreise ab 01.07.2009 ab 01.07.2010 ab 01.07.2011
bis 30.06.2012
Preis pro Megabyte 119,0 95,2 59,5
Stand: 24.06.2009; Preise in Cent inkl. deutscher MwSt.

Erste Ansätze der Anbieter gibt es bereits: So zahlt man im neuen Reisevorteil Plus von E-Plus in Partnernetzen innerhalb der EU nur noch 50 Cent pro Megabyte, in allen anderen Netzen innerhalb der EU sind es 99 Cent pro MB. Allerdings ist der Reisevorteil Plus ein eigener Optionstarif und setzt den Euro-Tarif außer Kraft - daneben lohnt er sich nicht für jeden. Hier - und auch bei allen anderen Roaming-Optionen der Netzbetreiber wie dem Vodafone Reiseversprechen oder T-Mobiles Relax Holiday - muss die Buchung einer Option vom individuellen Nutzungsverhalten abhängig gemacht werden. Generell gilt: Wird eine Roaming-Option gebucht, gilt der Euro-Tarif nicht mehr. Zudem sollten Kunden, die einen neuen Vertrag abschließen, aufmerksam sein: So ist zum Beispiel der bislang angebotene Reisevorteil beziehungsweise nun der neue Reisevorteil Plus bei allen E-Plus- und BASE-Laufzeitverträgen, die nach dem 1. Januar geschlossen wurden, standardmäßig voreingestellt. Wer den Euro-Tarif nutzen will, muss vorher den Reisevorteil Plus deaktivieren lassen.

Neu: Kostenbegrenzungsfunktion ("Cut-off") beim Daten-Roaming

Beim Daten-Roaming können Kunden künftig eine Kostenbegrenzungsfunktion ("Cut-off-Mechanismus") wählen, die automatisch greift, wenn der Rechnungsbetrag 50 Euro netto (59,50 Euro brutto) erreicht. Der Kunde kann - auf Wunsch - aber auch einen höheren Betrag festlegen. Wird der voreingestellte oder vom Kunden vereinbarte Betrag erreicht, sperrt der Anbieter das Daten-Roaming, es sei denn, der Kunde wünscht explizit eine erneute Freischaltung. Damit sollen Schockrechnungen ("bill shock") künftig nahezu unmöglich werden.

Wütender Kunde Ziel: Keine Schock-Rechnungen mehr
Foto: Bernd Leitner - fotolia.com
teltarif.de hat bei der EU-Kommission detailliert nachgefragt, wie der Cut-off-Mechanismus genau funktionieren wird: Vom 1. März bis 1. Juli nächsten Jahres müssen die Anbieter dem Kunden die Möglichkeit geben, ein Limit für das Datenroaming festzulegen. Die Anbieter können dabei - neben der vorgeschriebenen Preisstufe von maximal 59,50 Euro - auch andere Beträge zur Auswahl anbieten. Zwar erlaubt die EU ausdrücklich auch ein tieferes Limit, die Anbieter werden ein solches aber aus verständlichen Gründen wohl eher nicht anbieten. Im Zeitraum bis zum 1. Juli 2010 ist die Kostenbegrenzungsfunktion aber noch nicht aktiv.

Warnung, wenn 80 Prozent des Limits erreicht sind

Ab dem 1. Juli gilt dann das vom Kunden selbst gewählte Limit oder - wenn er bislang keines gewählt hat - automatisch das "Default"-Limit von höchstens 59,50 Euro. Die Option samt Kostenlimit muss nicht explizit freigeschaltet werden, sondern vom Anbieter ab dem 1. Juli 2010 automatisch aktiviert werden. Befindet man sich danach im EU-Ausland, erhält man automatisch eine Benachrichtigung (zum Beispiel in Form einer SMS, E-Mail oder eines Pop-ups), wenn 80 Prozent des Limits erreicht sind. Dann hat der Kunde die Möglichkeit, das Limit entweder zu erhöhen, die Kostenbegrenzungsfunktion zu deaktivieren oder gar nichts zu unternehmen. Im letzteren Fall muss das Mobilfunkunternehmen das Datenroaming bei Erreichen des Limits dann kappen. Auch dann kann der Kunde das Roaming wieder freischalten lassen. Wichtig: Die Einrichtung und auch Änderung eines Limits darf nichts kosten und muss ab 1. November nächsten Jahres innerhalb eines Arbeitstages vom Anbieter erledigt werden.

Wer regelmäßig mobile Daten im EU-Ausland nutzt, kann indes auch mit dem Kauf einer SIM-Karte vor Ort enorm sparen. So kostet mit der Prepaid-Karte des spanischen Anbieters Yoigo die Tagesnutzung des mobilen Internets mit bis zu 384 kBit/s nur 1,20 Euro plus regional unterschiedlicher spanischer Mehrwertsteuer.

Fazit: Zumindest in der Euro-Zone ist es heute günstiger

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass vor allem Telefonie und SMS beim Roaming innerhalb der EU heute (gezwungenermaßen) ein gutes Stück günstiger geworden sind als noch vor wenigen Jahren. Auch wenn EU-Kommissarin Viviane Reding in der TK-Branche als Gewitterhexe verschrien und wegen ihres nicht immer diplomatischen Verhandlungsstils eher unbeliebt ist: Für den Durchschnitts-Kunden bedeutet der Euro-Tarif, dass halbwegs sorglos Urlaubsgrüße per Gespräch oder SMS nach Hause gesendet werden können. Einzig die Datenpreise sind noch nicht wirklich günstig und kosten bei den deutschen Netzbetreibern innerhalb der EU zwischen 1,95 Euro (T-Mobile) und 12,08 Euro (E-Plus) im Standard-Roaming-Tarif. Hier lassen sich die Kosten per Roaming-Option aber ggf. noch senken. Für die Zukunft bleibt indes zu erwarten, dass sich die EU-Kommission bei ausbleibenden deutlichen Preissenkungen wohl als nächstes den Endkundenpreisen bei Daten annehmen wird. Angedroht hat Viviane Reding dies ja schon.

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Artikel aus dem Themenspecial "Reise und Roaming"

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