Themenspecial Reise und Roaming Neue Verordnung

EU-Roaming: So sollen die neuen Preise ab 2012 aussehen

Gravierende Neuerungen in der Roaming-Verordnung von Neelie Kroes
Von Marc Kessler
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EU-Kommissarin Neelie KroesEU-Kommissarin Neelie Kroes will die Regulierung beim EU-Roaming weiter fortsetzen EU-Kommissarin Neelie Kroes hat in Brüssel ihre Pläne für die nächste EU- Roaming-Verordnung vorgestellt. teltarif.de hatte schon im Vorfeld über die Pläne der Kommissions-Vizepräsidentin berichtet - nun liegen uns die endgültigen Vorschläge Kroes' vor, die sie heute offiziell in Brüssel vorstellen wird.

Erstmals Höchstpreise für mobiles Surfen im EU-Ausland

Demnach sollen im Euro-Tarif ab 1. Juli kommenden Jahres erstmals auch Höchstgrenzen für die mobile Datenübertragung im Ausland eingeführt werden. Zunächst soll der Deckel bei 90 Cent pro MB netto (1,07 Euro in Deutschland) liegen und in den Folgejahren bis auf 50 Cent netto (59,5 Cent brutto) sinken. Die Abrechnung muss dabei Kilobyte-genau erfolgen (1-kB-Takt).

Auch die Preise für abgehende und eingehende Telefonate im EU-Ausland werden erneut reduziert und dürfen den Plänen zufolge ab 2014 maximal 24 Cent netto (28,56 Cent brutto) beziehungsweise 10 Cent netto (11,9 Cent brutto) betragen. Die Preise für SMS sollen indes nicht so stark sinken, wie zunächst kolportiert worden war. Ab 1. Juli 2013 soll der Preis für eine aus dem EU-Ausland verschickte Kurzmitteilung von bislang 11 Cent netto auf 10 Cent netto (11,9 Cent brutto) sinken.

Kostenbegrenzungsfunktion soll weiter aktiv bleiben

Der sogenannte "Cut-off-Mechanismus", der das Datenroaming automatisch bei 50 Euro netto (in Deutschland: 59,50 Euro) beendet, sofern der Kunde nicht von sich aus ein höheres Limit festgelegt hat, soll weiterhin bestehen bleiben.

So sollen die neuen Roaming-Preise im Euro-Tarif aussehen

Euro-Tarif seit 01.07.2011 ab 01.07.2012 ab 01.07.2013 ab 01.07.2014
Abgehende
Gespräche
41,65 1)
(netto: 35)
38,08
(netto: 32)
33,32
(netto: 28)
28,56
(netto: 24)
Ankommende
Gespräche
13,09 2)
(netto: 11)
13,09
(netto: 11)
11,90
(netto: 10
11,90
(netto: 10)
SMS 13,09
(netto: 11)
11,90
(netto: 10)
11,90
(netto: 10)
11,90
(netto: 10)
Mobile Daten 3) - 107,1
(netto: 90)
83,3
(netto: 70)
59,5
(netto: 50)
Preise in Cent pro Minute bzw. pro SMS oder MB.
1) Taktung: 30/1;   2) Taktung: 1/1;   3) Abrechnung im 1-kB-Takt

Mobilfunk-Anbieter sollen EU-weit Zugriff auf alle Netze erhalten

Völlig neu im Roaming-Bereich werden zudem zwei weitere Maßnahmen sein: Mobilfunk-Anbieter, die kein eigenes Netz haben - etwa MVNOs oder die diversen Discounter - sollen ab 1. Juli das Recht haben, Zugang zu den Mobilfunknetzen jedes Betreibers in ganz Europa zu erhalten. Hiervon verspricht sich die EU-Kommission, dass es mehr Wettbewerb zwischen den Anbietern beim Thema Roaming geben und dies zu weiter sinkenden Preisen führen wird. Um dies sicherzustellen, sollen die Großhandelspreise (die sich die Anbieter gegenseitig in Rechnung stellen) bis zum Jahr 2022 reguliert werden. Der jetzige Vorschlag sieht zunächst sinkende Großhandelspreise bis 30. Juni 2016 vor.

Mobilfunk-Kunden können separate Roaming-Vereinbarungen treffen

Ab 1. Juli 2014 sollen alle Mobilfunk-Kunden zudem die Möglichkeit haben, unabhängig von ihrem nationalen Mobilfunkvertrag separate Roaming-Verträge mit anderen Betreibern aus der gesamten EU abzuschließen. Dabei sollen die Kunden ihre gewohnte Rufnummer und SIM-Karte behalten, so dass sich lediglich der jeweils gewählte Auslands-Betreiber ändern wird. Auch hiervon erhofft sich die EU einen intensiven Preiswettbewerb.

Durch die Kombination beider Maßnahmen kann künftig also ein MVNO in einem EU-Land - in Deutschland beispielsweise vistream - auch Kunden eines ganz anderen EU-Landes wie etwa Spanien eigene Roaming-Dienstleistungen anbieten und somit die Konditionen der spanischen Anbieter deutlich unterbieten. Mehr zu den diesbezüglichen Planungen der EU lesen Sie ab sofort in einem Folge-Artikel.

Kroes: Bislang "skandalös hohe Profite" beim Datenroaming

"Dieser Vorschlag setzt an der Wurzel des Problems an - dem mangelnden Wettbewerb auf dem Roaming-Markt -, indem wir den Kunden mehr Wahlmöglichkeiten und den Mobilfunk-Anbietern einfacheren Zugang zum Roaming-Mark ermöglichen", so EU-Kommissarin Neelie Kroes. "Zudem senken wir unverzüglich die Preise für das Datenroaming, bei dem die Anbieter derzeit skandalös hohe Profite einfahren."

Die neue EU-Roaming-Verordnung soll zunächst bis 30. Juni 2016 gelten. Im Jahr 2015 soll es eine Überprüfung der Wirksamkeit der Verordnung geben und im Anschluss über eine Verlängerung der Roaming-Regulierung entschieden werden. Dem Vorschlag der EU-Kommission müssen noch das EU-Parlament und der EU-Ministerrat zustimmen.

Weitere Informationen zur geplanten EU-Roaming-Verordnung und warum Neelie Kroes von "Abzocke" spricht, lesen Sie in einem Folge-Artikel.

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