Themenspecial Reise und Roaming Ungewollte Nebenwirkung

Verbraucherschützer: Teurere Handy-Tarife durch Roaming-Verbot

vzbv-Chef Billen fürchtet Anhebung der nationalen Tarife
Von Marie-Anne Winter

Verbraucherschützer befürchten infolge der Abschaffung der Roaming-Kosten teurere Handy-Tarife. Verbraucherschützer befürchten infolge der Abschaffung der Roaming-Kosten teurere Handy-Tarife.
Logo: vzbv
Mit der geplanten Abschaffung der Roaming-Gebühren für die Handynutzung im EU-Ausland möchte die EU-Kommission in Europa einen einheitlichen Binnenmarkt schaffen. Das löst aber nicht bei allen Beteiligten Begeisterungsstürme aus: Die Mobilfunk-Unternehmen sind wenig erfreut und argumentieren, dass die Vorschläge der EU-Kommission in einigen Märkten, darunter auch in Deutschland, zu Verwerfungen führen werden. Zwar sagt auch der deutsche Branchenverband VATM, dass Verbraucher nicht über teure Auslandstelefonate abgezockt werden sollten, gleichzeitig wird aber betont, dass die Unternehmen auch die Möglichkeit haben müssten, tatsächlich entstehende Kosten ihren Kunden auch berechnen zu können.

Verbraucherschützer befürchten infolge der Abschaffung der Roaming-Kosten teurere Handy-Tarife. Verbraucherschützer befürchten infolge der Abschaffung der Roaming-Kosten teurere Handy-Tarife.
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Verbraucherschützer befürchten nun, dass die Telekommunikations-Anbieter andere Wege finden werden, um weiterhin Gewinne zu generieren - schließlich müssen die Investitionen in den teuren Netzausbau irgendwie finanziert werden. "Unsere Sorge ist, dass die Konzerne sich dieses Geld wiederholen, indem sie einfach die nationalen Tarife anheben", sagt der Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv) Gerd Billen gegenüber dem Spiegel.

"Sollte Kroes ihre Pläne durchkriegen, müssen die Regulierungsbehörden die Preisentwicklung am deutschen Handymarkt sehr genau beobachten", fordert Billen. "Sonst zahlen die Verbraucher am Ende das Gleiche – es wird nur anders verpackt." Die deutschen Mobilfunktarife sollen derzeit mit durchschnittlich 8,8 Cent pro Minute europaweit im Mittelfeld liegen. Am wenigsten zahlen die Kunden mit 1,9 Cent in Litauen, am meisten mit 14,7 Cent in den Niederlanden, 674 Prozent mehr als die Litauer.

Die EU-Kommission will die Roaming-Aufschläge für die Handynutzung im EU-Ausland bis Juli 2016 komplett abschaffen, entsprechende Pläne wurden am vergangenen Mittwoch veröffentlicht. Nach der Vorstellung der EU-Kommission sollen Telekomfirmen künftig freiwillig auf die Roaming-Gebühren für SMS, Handytelefonate und Internetnutzung verzichten. Wenn sie das nicht tun, sollen die Unternehmen ihren Kunden im Ausland den unkomplizierten Wechsel zu einem örtlichen Anbieter ermöglichen. Abgerechnet sollen die dabei anfallenden Kosten aber über den Netzbetreiber zu Hause. Das entspricht ungefähr einer Übertragung des aus dem Festnetz bekannten Pre-Selection-Verfahrens auf den Mobilfunkbereich. Bei der Pre-Selection wird die Netzkennzahl des gewünschten Anbieters auf den Anschluss beim bisherigen Anbieters vorprogrammiert, so dass alle Gespräche über das Netz des Pre-Selection-Anbieters geführt werden.

Weitere Details zu den Vorschlägen der EU-Kommission finden Sie in einer ausführlichen Meldung.

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