Themenspecial Reise und Roaming Teurer

EU-Roaming wird erstmals seit Jahren teurer

Am Samstag beginnt die erste Phase der Regulierung der neuen Roaming-Konditionen in der EU. Bevor die Roaming-Aufpreise wegfallen sollen, dürfen Provider Aufschläge festlegen. Wo das nicht der Fall ist, gilt der Inlandspreis - mit ungünstigen Folgen für die Kunden.

Mann am Strand Die Aussicht auf günstige Roaming-Tarife ist verhangen.
Bilder: Fotolia - ArtmannWitte; electriceye / Montage: teltarif.de
Am 30. April tritt die EU-Verordnung 2015/2120 über das Roaming in öffentlichen Mobilfunknetzen in der Europäischen Union in Kraft. Sie sieht vor, dass ab 15. Juni 2017 Roaming-Aufpreise in der EU entfallen. Nutzer sollen innerhalb der Unionsgrenzen die gleichen Preise für Telefonie, SMS und mobiles Surfen bezahlen wie zu Hause.

In der Phase zwischen dem 30. April 2016 und dem 15. Juni 2017 gilt eine Übergangsfrist für die Provider, in der sie noch regulierte Roaming-Aufschläge berechnen dürfen. Diese Aufschläge auf den Inlandspreis sind jedoch begrenzt auf 5 Cent pro Minute für ausgehende Anrufe, 2 Cent pro SMS und 5 Cent pro MB zuzüglich Mehrwertsteuer. Eingehende Anrufe dürfen mit 1,14 Cent pro Minute abgerechnet werden. Die Summe aus Inlandspreis und Aufschlag darf die bisherigen Roaming-Preisobergrenzen nicht überschreiten. Diese liegen bei netto 19 Cent pro Minute für ausgehende und 5 Cent für eingehende Anrufe sowie bei 6 Cent pro SMS und 20 Cent je Megabyte Datenvolumen.

Roaming wird teurer bei hohen Inlandspreisen

Mann am Strand Die Aussicht auf günstige Roaming-Tarife ist verhangen.
Bilder: Fotolia - ArtmannWitte; electriceye / Montage: teltarif.de
Die Krux liegt jedoch im Einzelfall, denn für Mobilfunknutzer im Ausland heißt es konkret: Eine generelle Roaming-Höchstgrenze gibt es ab dem 30. April nicht mehr. Die bisherigen Preisobergrenzen finden nur dann Anwendung, wenn ein Roaming-Aufschlag berechnet wird. Dieser muss von den Providern in einem komplizierten Verfahren beantragt werden. Anbieter, die ohnehin hohe Minutenpreise haben, müssen den Aufpreis nicht beantragen und können in der Folge die Preisobergrenzen ignorieren. Gemäß dem Prinzip "Roam like at home" gilt dann der Inlandstarif auch im EU-Ausland.

Für Tarife, deren Inlandspreise höher liegen als die bisherigen Höchstpreise im EU-Roaming bedeutet dies im Einzelfall, dass Roaming für die Nutzer zukünftig teurer werden kann. So gilt ab 30. April beispielsweise für die aktuellen Vodafone-Tarife Smart S und Smart M ein Minutenpreis von 29 Cent für abgehende Gespräche in der EU. Auch der Bestandstarif Basic 100 ist betroffen.

Unbenommen bleibt den Nutzern, für den Auslandsaufenthalt eine Roaming-Option zu buchen. Bei neueren Tarifmodellen ist das EU-Roaming bereits inklusive.

Telefónica: Standard-Tarif macht Gespräche teuer

Telefónica geht mit ihren Preisen für abgehende Gespräche in der EU einen anderen Weg. (Fast) durch die Bank weg gilt ein Preis von 20 Cent, sofern die Telefonie nicht ohnehin von einer Flatrate im Ausland abgedeckt ist. Rühmliche Ausnahmen sind die 9-Tarife (Prepaid und Postpaid) von Blau, Simyo & Co. Hier gelten die 9 Cent pro Minute auch im EU-Ausland.

Und auch beim Tarif Base Blue Basic hat sich Telefónica dagegen entschieden, den teureren Inlandspreis auch im Ausland zu berechnen. Es gilt hier wie für die restlichen Postpaid-Tarife des Netzbetreibers ein Minutenpreis von 20 Cent für abgehende Gespräche im EU-Ausland, obwohl der Inlandspreis bei 29 Cent pro Minute nach Verbrauch der Inklusivleistung liegt.

Zustande kommt der Preis durch ein Aufschlags-Modell, teilt uns der Konzern mit:

"Wir haben bei der Berechnung unseres EU-regulierten Standard-Tarifs den niedrigsten Tarif unseres Portfolios zugrunde gelegt und die nach EU Verordnung zulässigen Aufschläge sowie die Mehrwertsteuer addiert. Dadurch kommen wir bei abgehenden Gesprächen auf die ausgewiesenen 20 ct/min."

Gegenüber den Roaming-Konditionen vor dem 30. April haben sich die Telefónica-Preise durchaus verbessert. So zahlen Kunden im EU-Ausland dann nur noch 20 Cent statt bisher 22 Cent pro Minute für ausgehende Gespräche, für eingehende Gespräche 1 Cent statt bisher 5 Cent. Alle sonstigen Preise bleiben gleich. Es bleibt bei 7 Cent pro SMS.

Bei Kunden mit niedrigeren Minutenpreisen im Inland dürfte jedoch Unmut aufkommen, zum Beispiel bei Netzclub. Die Summe aus Inlandspreis und Roaming-Aufschlag läge hier bei 14,95 Cent für ausgehende Anrufe aus dem EU-Ausland. Warum ein Standard-Tarif, der offenbar nicht aus dem Netzclub-Portfolio stammt, jedoch als Berechnungsgrundlage auch für das Roaming mit Netzclub-Tarifen herangezogen wird, haben wir bei Telefónica angefragt und veröffentlichen hierzu ein Update, wenn neue Informationen vorliegen.

Kommentar von Redakteur Daniel Molenda
teltarif-Volontär Daniel Molenda Zu Inlandskonditionen in der EU telefonieren, simsen und surfen - das klingt zunächst verbraucherfreundlich. Doch hat die EU so manchem Mobilfunk-Kunden mit den Streichen der Höchstgrenzen einen Bärendienst erwiesen. Bei Tarifen mit hohen Inlandspreisen konnten sich Verbraucher über moderate Roaming-Kosten im Ausland freuen. Insbesondere der günstige SMS-Preis von 7 Cent war verbraucherfreundlich. Dies wird ab Samstag Geschichte sein.

Die Verunsicherung, die die neue Verordnung ausgelöst hat, lässt sich schon jetzt an der Preisgestaltung auf dem Markt ablesen. Die einen schaffen die Roaming-Aufpreise schon jetzt ab, erhöhen aber die Grundgebühr. Die anderen berechnen den (teuren) Inlandspreis im Ausland. Und wiederum andere ziehen undurchsichtige Berechnungsgrundlagen heran. Transparenz sieht anders aus.

Verbraucherfreundlich wäre gewesen, die Höchstgrenzen weiterhin bestehen zu lassen - sowohl für Roaming-Preise, die sich aus dem Inlandspreis mit Aufschlag berechnen als auch solche, die sich nur am Inlandspreis orientieren.

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