Obermann-Interview

Telekom-Chef: Trotz Social Media brauchen wir Telefon weiterhin

René Obermann im Interview zum 150. Geburtstag des Telefons
Von dapd /

Telekom-Chef Obermann: Trotz Social Media brauchen wir Telefon weiterhin Telekom-Chef Obermann: Trotz Social Media brauchen wir Telefon weiterhin
Foto: Telekom
Vor 150 Jahren, am 26. Oktober 1861, führte der Physiklehrer Philipp Reis vor dem Frankfurter Physikalischen Verein sein Telefon zum ersten Mal einer größeren Öffentlichkeit vor. Die Historie des Telefons haben wir bereits gestern in einer Meldung für Sie aufgearbeitet. Seit seiner Erfindung wurde das Gerät zum unentbehrlichen Kommunikationsinstrument. Obwohl die Telekom Deutschland nicht mehr allein Telekommunikationsleitungen auf dem deutschen Markt anbietet, identifizieren doch viele den einstigen Monopolisten mit der Geschichte des Telefons. Telekom-Vorstandschef René Obermann gab der Nachrichtenagentur dapd ein Interview zum Thema.

dapd: Herr Obermann, wie sah Ihr erstes eigenes Telefon aus? Telekom-Chef Obermann: Trotz Social Media brauchen wir Telefon weiterhin Telekom-Chef Obermann: Trotz Social Media brauchen wir Telefon weiterhin
Foto: Telekom

Obermann: Das war ein grünes Telefon mit Tasten in meiner Studentenbude in Münster, und das hat gleichzeitig mein Büro damals dargestellt.

dapd: Glauben Sie, dass es bald keine Telefone mehr gibt, die eine Schnur haben?

Obermann: Schon heute sind ja die meisten Telefone entweder drahtlos oder sie hängen irgendwo an Telefonanlagen und sind integriert mit Computerfunktionalitäten. Aber persönliche Kommunikation ist drahtlos. Keiner will doch heute, festgebunden an der Schnur, an einem bestimmten Ort in seiner Wohnung nur telefonieren oder kommunizieren können.

dapd: Wie oft telefonieren Sie am Tag?

Obermann: Stundenlang und vielmals, weil ich nicht alles, was ich austauschen muss mit anderen Menschen per Mail, über Twitter, Facebook oder sonst was mache, sondern weil eben das persönliche Gespräch oder der persönliche Kontakt unersetzbar bleibt.

dapd: Der Anfang des Telefons war ja von schweren Patentauseinandersetzungen gekennzeichnet. Heute ist das immer noch so. Damals waren es eher transatlantische, heute sind es eher transpazifische. Wie sehen Sie diese Entwicklung in der Zukunft?

Obermann: Ja, irgendwie hat sich das nicht geändert, dass jemand, der etwas entwickelt, auch den möglichst größten und persönlichen Nutzen davon haben will. Das Thema ist unverändert und hat sich fast noch verstärkt durch die zunehmende Verrechtlichung der Wirtschaftswelt. Im Kern muss man aber festhalten: Open innovation ist der Trend. Immer mehr wird zwischen den einzelnen Bereichen, wo entwickelt wird, offen ausgetauscht, und der nächste setzt auf dem Stand seines Vorgängers auf oder nutzt das, was woanders entwickelt wurde, und so weiter. Also von daher: Ich glaube, die Innovationswelt insgesamt ist offener und vernetzter geworden, und das ist gut so.

dapd: Wie sehen Sie den Kommunikationskonzern der Zukunft?

Obermann: Er ändert sich fundamental, weil wir die Umstellung von der alten, geschützten Technologiewelt auf eine neue offene Internetwelt vollziehen müssen. Das bedeutet hohe Investitionen. Das bedeutet aber auch sehr viel mehr Anstrengungen in die Sicherheit der Netze und Plattformen. Gerade in der Internetwelt ist das von großer Bedeutung. Es ist eine technologische, eine investive und eine Wissens-Herausforderung. Weil wir unseren Konzern, so wie alle anderen Telekom-Konzerne auch, deutlich weiterentwickeln müssen, um in 10, 15, 20 Jahren die gleiche Qualität und Stabilität der Netze wie heute auch gewährleisten zu können.

dapd: Das erste Telefonbuch hieß Buch der Narren, ...

Obermann: ... ich glaube, es war 1887? Der traditionelle Generationenkonflikt. Die Traditionalisten sind Innovationen gegenüber sehr ablehnend. "Braucht man nicht." Ich selber kann mich erinnern, wie die Leute früher zu mir gesagt haben: "Ich will gar nicht immer erreichbar sein." Das waren dann all die, die später zwei, drei Mobiltelefone benutzt haben. Sprich: Am Anfang hohe Ablehnung, dann kommt so eine Welle der Akzeptanz. Genau so war es damals, und genau so ist es immer wieder.

dapd: Heute "Social Media der Narren"?

Obermann: Eher ablehnend aus Prinzip. Entscheidend ist, dass die guten Dinge sich durchsetzen. Und die Kommunikation zwischen Menschen ist und bleibt gut, und dafür werden wir auch Sprache, Telefone, Videokommunikation und all das weiter brauchen.

dapd: Wie stellen Sie sich das Telefon der Zukunft vor?

Obermann: Zum Telefonieren muss ich kein Gerät mehr haben. Telefonieren kann ich auch durch ein eingenähtes Gerät oder einen eingesteckten Chip irgendwo in der Brusttasche. Für alles andere wünsche ich mir ein ausrollfähiges, aufklappfähiges Display, was in der Tasche nur wenig Platz wegnimmt, aber was zu einem großen Display wird, was die Tastatur auf den Tisch projiziert und was mich sozusagen ohne Anstrengungen mit allen Funktionalitäten des Internets verbindet, die ich unterwegs brauche. Am langen Ende steht vielleicht die Holografie. Das heißt, wir würden dieses Gespräch auch führen können, als ob wir uns physisch gegenüberstehen, in Wirklichkeit sind wir aber 1000 Kilometer voneinander entfernt.

Die Fragen stellte Thomas Rietig.

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