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Wird René Obermann neuer Verwaltungsratschef bei Airbus?

Die Karriere des charismatischen Mobilfunkspezialisten und ehemaligen Telekom-Vorstandes René Obermann geht weiter. Er könnte Chef des Verwaltungsrates bei Airbus werden.
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Kennt die internationale Telekommunikationsbranche wie kein zweiter: René ObermannKennt die internationale Telekommunikationsbranche wie kein zweiter: René Obermann Wie das in Düsseldorf erscheinende Handelsblatt erfahren haben will, könnte es beim Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus nächstes Jahr auch einen Wechsel an der Spitze des Verwaltungsrats geben.

Airbus macht auch Telekommunikation

Das Unternehmen, das zivile und militärische Flugzeuge und Hubschrauber baut, ist auch in der Telekommunikation aktiv. Die neuen digitalen Sicherheitspager "P8GR" für Polizei und Feuerwehr (BOS) stammen von Airbus Defense.

Das Unternehmen Airbus gehört mit jeweils 11,1 Prozent Anteil den Ländern Deutschland und Frankreich, 4,18 Prozent dem spanischen Staat, 5,58 Prozent einer Kapitalgesellschaft, der Rest ist in Streubesitz. Aus diesen Gründen ist der Vorstand des Unternehmens zwischen Deutschland und Frankreich politisch korrekt austariert.

Da der aktuelle Chef bei Airbus nächstes Jahr seinen Posten verlässt, soll 2019 ein Franzose Chef werden. Nach der bisherigen Logik müsste dann dem Airbus-Verwaltungsrat, der das Unternehmen kontrolliert, ein deutscher Manager vorstehen. Darauf, so das Handelsblatt, hätten sich die Regierungen in Berlin und Paris bereits verständigt.

Favorit René Obermann

Beschlossen sei noch nichts, doch nach Informationen des Handelsblatt, das sich auf Diplomatenkreisen dem nahen Umfeld des Unternehmens stützt, gilt der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, René Obermann, als klarer Favorit für den Chef des Verwaltungsrates.

René Obermann gründete nach dem Studium ein Handelsunternehmen für Telekommunikation, aus dem später der Service-Provider Hutchison Telecom Deutschland wurde (später The Phone House, heute ein Teil der Drillisch-Gruppe und nicht mehr im Kundengeschäft tätig). Kai Uwe Ricke holte René Obermann zunächst zu T-Mobile, später wurde Ricke Chef der Deutschen Telekom, doch bald übernahm Obermann diesen Posten. Obermann gilt auch als "Entdecker" des heutigen Telekom Vorstandes Tim Höttges. Derzeit ist Obermann Finanzmanager bei der internationalen Finanzgesellschaft Warburg Pincus und sitzt unter anderem im Aufsichtsrat des privaten Glasfaser-Anbieters inexio.

Manager mit Erfahrung

Der charismatische jugendlich wirkende Obermann kennt sich mit politisch delikaten Missionen aus, galt sogar mal als "ministrabel" für Merkels Kabinett. Er wisse, so eingeweihte Kreise, wie man einen Konzern unter Staatseinfluss führt, schließlich gehören der Bundesrepublik Deutschland nach wie vor etwas über 30 Prozent an der Deutschen Telekom.

Das Handelsblatt hat festgestellt, dass Airbus dringend Digitalkompetenz braucht. Bei Wartung und Produktion müsse der Konzern moderner und innovativer werden.

Und Obermann wird offenbar auch in Frankreich sehr geschätzt. Vor etwa fünf Jahren wurde Obermann „für sein Engagement für die deutsch-französische Freundschaft und die Intensivierung der Zusammenarbeit in Wirtschaftsfragen“ vom französischen Botschafter mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet, das gilt in Frankreich als Ritterschlag. „Kultur, Menschen und Mentalität in Frankreich sind ihm nicht fremd“, weiß - laut Handelsblatt - ein enger Wegbegleiter Obermanns.

Gute deutsch-französische Zusammenarbeit

Nachdem Obermanns Vor-Vorgänger Ron Sommer mit France Telecom so seine Probleme hatte, arbeitet Obermann mit dem französischen Konzern sehr eng und erfolgreich zusammen. France Telecom's Marke "Orange" und T-Mobile UK schlossen sich in Großbritannien zu Everything Everywhere zusammen, die inzwischen zur British Telecom gehört, weswegen die Deutsche Telekom mit 12 Prozent am ehemaligen britischen Staatskonzern beteiligt ist.

Der neue Job bei Airbus wäre eine echte Herausforderung. Denn bei Airbus sorgt aktuell eine Korruptionsaffäre für gewaltige Turbulenzen. Dabei gehts um ungeklärte Zahlungen zur Vermittlung von Großaufträgen. Ansonsten ist Airbus eine europäische Erfolgsgeschichte im Flugzeugbau: Erstmalig konnten sogar Flugzeuge in die USA geliefert werden. Allerdings gibt es auch Probleme beim Militärtransporter A400M, welche die Serienproduktion verzögern.

Im Rahmen der aktuellen Korruptionsaffäre "menschelt" es gewaltig, und von daher möchte man neue Kräfte an die Spitze bringen, die nicht mit den bisherigen Problemen verbunden sind.

Im Airbus-Verwaltungsrat wird Obermann auf alte Bekannte stoßen: Dort sitzen bereits Josef Lamberti von der Deutschen Bank, die von ihm einst in den Telekom Vorstand geholte Claudia Nemat, ferner Carlos Tavares (Chef von Peugeot und Opel) und Jean-Claude Trichet (ehemaliger Chef der europäischen Zentralbank).

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