Zukunft

Europa: Von den Besten zu den Letzten?

Timotheus Höttges hinterfragt die Ursachen von Europas Niedergang
Aus Berlin berichtet

So sei die Rufnummernportierung bis ins Detail geregelt, beklagte Höttges, wer aber seine Musik von iTunes zu einem Android Handy transferieren wolle, das sei fast unmöglich. Die Industrie dürfe nicht dauerhaft verlieren, die Wirtschaft müsse stark sein und nicht nur Verbraucherpreise im Blick haben.

Brauchen wir in jedem Land mindestens vier Netzbetreiber? Schaffen wir es nicht, unsere Datendienste zu monetarisieren? Das Datenwachstum sei seit 2008 um 900 Prozent gewachsen, gleichzeitig aber der Umsatz um 10 Prozent geschrumpft. Sein Wunschzettel ein gemeinsamer europäischer Markt, eine moderatere Netzneutralität, weniger Preisregulierung und die ernstgemeinte Frage, ob eine Abschaffung der Roamingkosten sinnvoll sei. Sein Wunsch an die Bundesnetzagentur: Eine Abschaffung der asymmetrische Regulierung. Es gäbe längst Großstädte, wo die Telekom nur noch Nummer Drei ist, dort habe sie aber keine Freiheit, regional günstigere Preise zu verhandeln, was unterm Strich auch gut für die Konsumenten sei.

Dr. Karlheinz Neumann (WIK-Consult) kritisierte die Mobilfunkunternehmen, welche genauso viel Geld in die Subventionierung von Endgeräten, wie in das Netz steckten. Damit werde die Dominanz von Firmen, vor denen man Angst habe, wie z.B. Apple doch zementiert. Die Deutsche Telekom habe durch unrentable Investments in den letzten 15 Jahren etwa 50 Milliarden Euro verloren.

Den Eindruck von Prof. Gerpott, "als ob in Deutschland die Deppen" wären", wies Höttges zurück. Deutschland stehe günstiger als andere europäische Länder da. Schon heute gäbe es hierzulande Allnet-Flatrates für rund 25 Euro. Aber "wir können physisch nicht mehr LTE zur gleichen Zeit aufbauen." Höttges räumte ein, dass man bei Glasfaser bisher "deutlich zurückgelegen" habe. Er hoffe auf Vectoring und stabile TAL-Preise, als Grundlage eines stabilen Business-Cases. Die Telekom habe langfristige Vorleistungs-Verträge mit Vodafone, Telefonica und 1&1 abgeschlossen. "Deutschland ist gut, viel besser, aber Europa?" Der LTE Rollout in Spanien hinke hinterher.

BNetzA-Präsident Jochen Homann versteht das eher als generelles Industrie- , weniger als Telekommunikationsproblem. Er sei kein guter Kunde und komme mit den von Höttges genannten 25 Euro im Mobilfunk nicht aus, speziell seine Familie habe Probleme damit. Über eine asymmetrische Regulierung denke die BNetzA nach. Die Ängste von Höttges teile er nicht, "wir brauchen große Schiffe und die Küstenmotorboote".

EU-Kommission: Keine Regulierungsferien

Dr. Wolf-Dietrich Grussmann (EU-Kommission) fand, dass die letzten 15 Jahren gute Jahre waren. Es sei viel für den Verbraucher gemacht worden, aber viele Erfolgsstories der letzen Jahre hätten nachgelassen. "Jahrelang waren wir stolz, dass Branche deflationär wirkte hat und zugleich der Wachstumsbringer war." Die Frage nach neuen Rezepten sei berechtigt. Man überlege in Brüssel, wie man investitionsfreundlich regulieren könne, das werde aber niemals "Regulierungsferien" bedeuten. Es stehe kein Paradigmenwechsel bevor, die nationale Regulierungsbehörden führten weiter die Haupttätigkeit durch.

1&1: TAL-Modell erfolgreich

Für Martin Witt, Vorstand Access bei 1&1, geht es nicht darum, was er sich wünscht, sondern was der Markt braucht. Das TAL-Modell (derzeit 10 Millionen Anschlüsse) sei extrem erfolgreich und dürfe nicht gegen die Wand gefahren werden.

Für VATM-Präsident Peer Knauer und VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner haben die Diensteanbieter in den letzten 15 Jahren einen tollen Job getan und indirekt maßgeblich mitgearbeitet, den Markt zu entwickeln, "wir waren am Infrastrukturausbau sich indirekt beteiligt. Viel regionaler Ausbau wurde nicht von der Deutschen Telekom, sondern regionalen Anbietern geleistet. Wir haben eine Anbietervielfalt, die viel gebracht hat. Eine Lockerung der Regulierung wäre eine fatale Entscheidung.

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