Schwierig

VATM: Telekom-Sanierung durch Kupferleitungs-Mieten

50 Prozent der Wirt­schaft bezieht ihre Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tungen von privaten Anbie­tern. Die brau­chen Leitungen der Telekom, die empfind­lich teurer und zugleich "schlechter" werden könnten.

Das VATM-Präsidium - rechts Jürgen Grützner. Das Bild entstand vor Corona. Das VATM-Präsidium - rechts Jürgen Grützner. Das Bild entstand vor Corona.
Foto: Henning Gajek / teltarif.de
Der Bericht über die Kritik des VATM an der Dere­gu­lie­rung der Einkaufs­preise für Leis­tungen und Leitungen der Telekom fand Reso­nanz. Während viele Leser aus dem Privat­kun­den­be­reich unserer Argu­men­ta­tion folgen konnten, hat sich Jürgen Grützner vom VATM noch einmal gemeldet und versucht, den Kern des Problems zu erklären.

Weniger der Privat­kun­den­markt

Das VATM-Präsidium - rechts Jürgen Grützner. Das Bild entstand vor Corona. Das VATM-Präsidium - rechts Jürgen Grützner. Das Bild entstand vor Corona.
Foto: Henning Gajek / teltarif.de
Das Problem, so Grützner im Gespräch mit teltarif.de, betreffe weniger die Anbieter, die einen breiten Privat­kun­den­markt betreuen möchten, sondern bei den auf Geschäfts­kunden spezia­li­sierten Unter­nehmen, die spezi­elle Kunden mit Sonder­wün­schen und bestimmten Anfor­de­rungen an Zuver­läs­sig­keit, Ausfall­si­cher­heit, oder bestimmte Technik (z.B. ISDN) etc. bedienen möchten.

Grützner nannte unge­fähre Zahlen: Etwa die Hälfte der Geschäfts­kunden aus der Wirt­schaft kaufe bei den Wett­be­wer­bern der Telekom (die meist im VATM orga­ni­siert sind) ihre Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­schlüsse und Dienste ein.

Geschäfts­kunden weiter verstreut

Von einem Schalt­kasten an der Straße (Kvz) aus gesehen, gäbe es dahinter nicht so viele Geschäfts­kunden, dass sich für diese Unter­nehmen sofort die Verle­gung eigener Leitungen (z.B. Glas­faser) bis zu diesem Vertei­ler­kasten oder bis zum Kunden ins Haus rentieren könnte. Diese Anbieter sind also komplett auf Vorleis­tungen der Telekom ange­wiesen, die nun teurer werden sollen.

Höhere Preise - nied­ri­gere Qualität?

Die Telekom wolle künftig höhere Preise für die bereits vorhan­dene Kupfer­lei­tung nehmen und redu­ziere teil­weise die Qualität oder das Angebot (z.B. die schon erwähnten "Stand­lei­tungen"). Einfach formu­liert: "Die Leis­tung wird nicht besser, nur teurer". Daraus leitet Grützner den Vorwurf der "Remo­no­po­li­sie­rung" und eine "Beschnei­dung des Wett­be­werbs" ab.

Wahr­schein­lich befürchtet der VATM, dass mancher Geschäfts­kunde bei stei­genden Preisen des privaten Wett­be­werbs versucht sein könnte, künftig direkt bei der Telekom einzu­kaufen, sofern sie seine Sonder­wün­sche erfüllen können. Natür­lich würden die privaten Anbieter auch Glas­faser ausbauen und würden diese gerne auch an die Telekom vermieten, hier gäbe es dann gewal­tige Diskus­sionen über die Preise, woran solche Projekte oft schei­terten.

Telekom will sich sanieren?

Grützner wirft der Telekom vor, mit der Erhö­hung der Kupfer-Leitungs-Mieten wolle sich die Telekom sanieren. Ja, die Telekom würde ihm sogar antworten, dass sie auch lieber gerne Glas­faser bauen würde, dafür aber zunächst erst einmal die höheren Kupfer­preise bräuchte, quasi als Invest­ment in eine unge­wisse Zukunft.

Bundes­netz­agentur bleibt gefragt

Auch wenn die Regu­lie­rung gelo­ckert wird, bleibt die Bundes­netz­agentur weiterhin als Schieds­richter im Spiel. Wenn sich die privaten Wett­be­werber mit der Telekom nicht einigen können, können sie sich bei der Bundes­netz­agentur formal beschweren und um einen Schlich­ter­spruch bitten. Das Verfahren ist natür­lich ziem­lich zeit­rau­bend und dadurch kosten­in­tensiv.

Der Markt wird sich sicher verän­dern. Mancher Geschäfts­kunde könnte viel­leicht direkt zur Telekom wech­seln, mancher Anbieter im Wett­be­werb könnte "tief durch­atmen" und versu­chen, so nahe wie möglich zum Kunden doch eigene "Leitungen" und eigene Technik zu instal­lieren. Die Zeiten, wo Tele­kom­mu­ni­ka­tion stünd­lich oder täglich billiger wurde, könnten irgend­wann vorüber sein.

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