Abmahnungen

Redtube-Ermittlungen: Falsche eidesstattliche Ver­siche­rung wegen GLADII?

Die Abmahner im Redtube-Fall haben rund 600 000 Euro eingenommen - das berichtet eine Zeitung. Langsam aber sicher beginnt nun auch die juristische Aufarbeitung: Erste Hausdurchsuchungen gab es bereits - der Vorwurf: Falsche eidesstattliche Versicherungen.
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Rund 600 000 Euro sollen die Redtube-Abmahner eingenommen haben. Glück hatte, wer nicht sofort bezahlte.Rund 600 000 Euro sollen die Redtube-Abmahner eingenommen haben. Glück hatte, wer nicht sofort bezahlte. Eine Hausdurchsuchung bei einem Berliner Anwalt, der mit den Redtube-Abmahnungen befasst war, bringt Bewegung in die juristische Aufarbeitung der Abmahnwelle. Das berichtet die Welt unter Berufung auf Justizkreise. Demnach habe es in Berlin Hausdurchsuchungen gegeben. Unterdessen kommen erstmals auch Informationen ans Licht, wie viel Geld die Abmahner eingenommen haben.

Falsche eidesstattliche Versicherungen im Visier der Staatsanwaltschaft

"Dem beschuldigten Haupttäter werfen wir die Abgabe einer falschen Versicherung an Eides statt vor", so Staatsanwalt Daniel Vollmert gegenüber der Zeitung. Unklar bleibt in dem Bericht die genaue Identität des Haupttäters. Im Visier dürften zwei eidesstattliche Versicherungen stehen, die die Funktionstüchtigkeit und Funktionsweise der Ermittlungssoftware GLADII belegen sollen. Eine hatte ein promovierter Physiker einer Münchner Patentrecht-Kanzlei abgegeben. Über die Inhalte des Gutachtens haben wir berichtet. Eine andere Person hatte die tatsächliche Erfassung der IP-Adressen getätigt und ein korrektes Vorgehen eidesstattlich versichert.

Ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft bestätigte gegenüber der Welt, dass der Berliner Anwalt "Beschuldigter in hiesigem Verfahren wegen Anstiftung oder Beihilfe zur falschen Versicherung an Eides statt ist. Eine Durchsuchung ist erfolgt. Verhaftungen hat es nicht gegeben."

Zahlen: The Archive AG nahm 600 000 Euro ein

In dem Bericht der Zeitung gibt es außerdem Informationen zu den Zahlen der Abmahnwelle. Insgesamt seien 45 000 Abmahnungen geplant gewesen - nur 36 000 davon sollen die Kanzlei von Thomas Urmann verlassen haben. Die restlichen Abmahnungen sind liegen geblieben - möglicherweise aufgrund der umfangreichen Medienbericht­erstattung über den Fall. Insgesamt sollen abgemahnte Nutzer rund 600 000 Euro in den ersten Tagen der Abmahnwelle "auf ein Konto einer renommierten Privatbank" überwiesen haben, so die Zeitung. Bei einer geforderten Summe von 250 Euro pro Abmahnung dürfte es also um ungefähr 2 400 Opfer gehen, die bezahlt haben.

Da das Geld nach Welt-Informationen weitgehend in die Schweiz abgeflossen sein soll, ist nicht abzusehen, ob die Abmahnopfer ihr Geld jemals wiedersehen werden. Da zwischenzeitlich die Hintermänner der Archive AG abgetaucht sind, dürfte wohl nicht mehr viel von den Einnahmen übrig sein.

Thomas Urmann selbst sagte schon kurz nach Beginn der skandalösen Abmahnwelle, er sei erst spät in der Ereigniskette aktiv geworden. Ein Berliner Anwalt sei mit den bereits herausgegebenen Kundendaten an ihn herangetreten, um die Abmahnungen zu versenden. Urmann selbst hat mittlerweile seine Zulassung als Anwalt zurückgegeben.

Über die Hintergründe der Redtube-Abmahnungen informieren wir in einem ausführlichen Hintergrund-Artikel zum Jahrestag der Abmahnungen.

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