Recht auf Reparatur

Reparatur Fehlanzeige: Warum Elektronik so selten repariert wird

Freie Werkstätten, die Ersatzteile austauschen und defekte Produkte reparieren: Was in der Autowelt völlig selbstverständlich ist, passiert in der Technikwelt viel seltener. Schikane der Hersteller oder Faulheit der Verbraucher?
Von dpa / David Rist
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Der Akku im Smartphone spinnt, das TV-Bild flackert und das Notebook will seit dem verschütteten Kaffee auch nicht mehr so richtig. Für viele Verbraucher bedeutet das: Zeit für einen Neukauf. Auf die Idee, die Geräte zu reparieren, kommen viele oft gar nicht. Kein Wunder, schließlich ist das oft teuer und kompliziert. Doch das müsste nicht sein, sagen Umwelt- und Verbraucher­schützer - und fordern das sogenannte Recht auf Reparatur, das es bislang nur auf dem Papier gibt.

Legt man an seinen Fernseher mit dem Schrauben­zieher Hand an, klingelt zwar nicht gleich die Polizei an der Tür. Allerdings setzt man Gewähr­leistung und Garantie aufs Spiel, warnt Rechts­anwalt Thomas Hollweck. Denn die gesetzliche Gewähr­leistung gilt nur für Schäden, die schon vor dem Kauf existierten - nicht für Defekte, die durch unsachgemäßes Herum­schrauben entstanden sind. Und die freiwillige Garantie verfällt in der Regel, sobald jemand ein Gerät öffnet.

Selbst reparieren?

Das Logo von Apple ist auf einem Apple iPhone 4 mit gesplittertem Display zu sehen. Apple wehrt sich in den USA gegen das Recht auf Reparatur "Geräte selbst zu reparieren, halte ich innerhalb der Gewähr­leistungs­frist nicht für empfehlens­wert", sagt Hollweck deshalb. "In Deutschland ist man da als Verbraucher in einer ganz guten Position." Nach Ablauf der zwei­jährigen Gewähr­leistung und der oft kürzeren Garantie spricht aber nichts mehr gegen einen Reparatur­versuch, so der Experte für Verbraucher­recht.

Oft ist das aber leichter gesagt als getan. "Natürlich ist es nicht verkehrt, erstmal zu gucken, was man da selbst machen kann", sagt Hollweck. Weit käme man so aber meistens nicht: "Einen modernen Fernseher können Sie als regulärer Verbraucher ohne Fach­wissen und Spezial­werkzeug ja gar nicht mehr öffnen."

Ein weiteres Beispiel: Der Akku­wechsel im Smartphone, ein scheinbar alltäglicher Vorgang. Doch laut einer Studie des Umwelt­bundes­amtes brauchen selbst Profis für den Batterie­tausch bei einem Handy mit fest verbautem Akku oft eine gute halbe Stunde und Spezial­werkzeug.

Modulare Bauweise gefordert

Und damit nicht genug: "Die Verfügbarkeit von Ersatz­teilen muss besser werden", sagt Christine Ax, Sprecherin des Runden Tischs. "Denn deren Preis macht Reparaturen sehr unattraktiv." Hinzu kommen Forderungen wie ein besserer Zugang zu Diagnose­programmen für die Fehler­suche, zu Software-Updates oder allgemein zu Geräte­infos.

Freiwillig würden sich die Hersteller darauf aber nicht einlassen, so Ax: "Die tun alles, um entscheiden zu können, wer reparieren darf." Der Runde Tisch Reparatur sieht deshalb den Gesetz­geber am Zug. Der soll zum Beispiel über das Kartell­recht dafür sorgen, dass freie Werk­stätten Reparaturen zu vernünftigen Preisen anbieten können, genau wie in der Auto­industrie also. "Da ist das deutlich besser geregelt", sagt Ax. "Aber da mussten die Unternehmen auch gesetzlich dazu gezwungen werden."

Recht auf Reparatur

Wer die Hersteller und ihre Verbände darauf anspricht, stößt auf Schweigen - und auf Wider­stand. In den USA zum Beispiel, in der Vereine wie "The Repair Coalition" ebenfalls um ein Recht auf Reparatur kämpfen, wehren sich die großen Technik­konzerne mit Händen und Füßen gegen entsprechende Gesetze, berichtet das Online­magazin Motherboard. Öffentlich darüber sprechen möchte aber kaum jemand.

Dabei gäbe es durchaus Argumente dafür, etwa den Zugriff auf die Software eines Geräts zu beschränken. Das zeigt die ewige Diskussion um den sogenannten Jail­break beim iPhone oder den Root-Zugriff auf Android-Geräte. Denn einer­seits haben Verbraucher damit mehr Möglich­keiten. Anderer­seits können sie aber auch mehr kaputt machen, etwa durch das versehentliche Herunterladen von Schad­software.

Christine Ax hält das für ein Schein­argument und verweist zum Beispiel auf Open-Source-Software, die Verbrauchern viele Frei­heiten lässt, ohne dabei zum Sicherheits­alptraum zu werden. "Natürlich muss man bei der Reparatur kompetent und achtsam sein", sagt sie. "Aber wenn es den Herstellern wirklich auf Sicher­heit ankommt, können sie das auch ander­weitig unterstützen."

Geplante Obsoleszenz und die Lust auf Neues

Ein häufiger Vorwurf von Umwelt­schützern: Hersteller lassen Geräte absichtlich kaputt gehen. Geplante Obsoleszenz ist der Fach­ausdruck dafür. Beweise dafür gibt es aber nicht. Die Wahrheit ist wohl komplexer, wie eine Studie des Umwelt­bundesamtes am Beispiel Fernseher zeigt: So ist die durchschnittliche Nutzungs­dauer seit dem Technologie­wechsel vom Röhren- zum Flat-TV zwar deutlich gesunken, von etwa zwölf auf vier bis sechs Jahre.

Doch der Grund für den Neukauf ist nur in einem Viertel der Fälle ein reparatur­bedürftiger Defekt. Viel öfter kaufen Verbraucher einen neuen Fernseher, weil er einfach besser ist. Schuld am Reparatur­mangel sind also nicht nur wider­willige Hersteller, sondern auch die Kunden selbst. "Natürlich müssen da alle mitmachen", sagt auch Christine Ax - Hersteller und Verbraucher.

Ein wenig rühmliches Beispiel zum Thema brachte Nokia vor rund zwei Wochen: Das Nokia 3310 wird grundsätzlich ausgetauscht und nicht repariert.

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