Verbraucher

Verbraucherschützer wollen schnelles Recht auf Reparatur

Ob Spül­maschine, Kühl­schrank oder Tablet - repa­rieren lohnt sich oft kaum. Verbrau­cher­schützer machen jetzt Druck, dass die Bundes­regie­rung ihr Verspre­chen einhält und das ändert. Sieht man bald schon an der Packung, wie gut sich ein Handy repa­rieren lässt?

Handy-Akkus lassen sich nicht wech­seln, die Repa­ratur des Fern­sehers ist teurer als ein neuer - das muss sich aus Sicht von Verbrau­cher­schüt­zern schnell ändern. Der Verbrau­cher­zen­trale Bundes­ver­band hat die neue Bundes­regie­rung aufge­for­dert, das geplante Recht auf Repa­ratur rasch umzu­setzen. "Das hätten wir gerne inner­halb der ersten hundert Tage auf den Weg gebracht", sagte Verbands­chef Klaus Müller der Deut­schen Presse-Agentur. Das wäre Mitte März 2022.

Die Nach­hal­tig­keit von Haus­halts­geräten und Elek­tronik­pro­dukten müsse deut­lich besser werden, betonte Müller. "Viele Menschen ärgern sich ständig, weil etwas kaputt geht und man es dann wegwerfen muss. Das ist schlecht für den Geld­beutel und ein gutes ökolo­gisches Gewissen hat man dabei auch nicht."

Repa­rieren statt wegschmeißen

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat die neue Bundesregierung aufgefordert, das geplante Recht auf Reparatur rasch umzusetzen Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat die neue Bundesregierung aufgefordert, das geplante Recht auf Reparatur rasch umzusetzen
Bild: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Willnow
Seit März 2021 gilt in der EU bereits eine neue Ökode­sign-Richt­linie mit dem Prinzip "repa­rieren statt wegschmeißen". Hersteller von Wasch­maschinen, Spül­maschinen, Kühl­schränken und anderen großen Haus­halts­geräten müssen dafür sorgen, dass Ersatz­teile sieben bis zehn Jahre lang verfügbar sind. Da geht es vor allem um Klein­teile wie Dich­tungen oder Sprüh­arme von Geschirr­spü­lern. Außerdem müssen die Produkte so gebaut sein, dass man sie mit herkömm­lichen Werk­zeugen ausein­ander­bauen kann, ohne etwas kaputt zu machen.

So soll der riesige Berg an Elek­tro­schrott redu­ziert werden, der sich jähr­lich in Europa anhäuft. Statis­tisch gesehen produ­ziert jeder Deut­sche im Jahr mehr als zehn Kilo Elek­tro­schrott. Den aktu­ellsten Daten des Statis­tischen Bundes­amts zufolge wurden im Jahr 2018 insge­samt 853.000 Geräte wegge­worfen. Nach Angaben des Euro­päi­schen Parla­ments werden nur knapp 42 Prozent des in der EU anfal­lenden Elek­tro­schrotts recy­celt.

"Recht auf Repa­ratur auch für klei­nere Geräte"

Verbrau­cher­schüt­zern und auch der neuen Ampel-Koali­tion reichen die geltenden Vorgaben daher nicht aus. SPD, Grüne und FDP wollen ein Recht auf Repa­ratur auch für klei­nere Geräte wie Handys und Laptops auf EU-Ebene durch­setzen. Außerdem soll die Gewähr­leis­tungs­frist länger werden, in der Verbrau­cher ihr defektes Gerät einschi­cken und kostenlos repa­rieren lassen können. Laut Koali­tions­ver­trag sollen die Hersteller auch Repa­ratur­anlei­tungen veröf­fent­lichen, so dass man defekte Bauteile wie Handy­akkus selbst tauschen kann.

"Viel zu oft wird doch ein Produkt nicht repa­riert, sondern einfach durch ein neues ersetzt", sagte Verbrau­cher­schutz­minis­terin Steffi Lemke (Grüne) zu ihrem Amts­antritt der "Süddeut­schen Zeitung". Einfachste Repa­raturen schei­terten daran, dass Geräte verklebt oder mit Spezi­alschrauben versehen seien. "Das zu ändern ist sozial und auch ökolo­gisch ein Gewinn."

"Repa­ratur­index"

Die Verbrau­cher­zen­tralen fordern aber nicht nur, dass sich die Bundes­regie­rung auf EU-Ebene für eine Reform stark macht, sondern auch dass sie selbst aktiv wird. Die Mehr­wert­steuer auf bestimmte Repa­raturen solle gesenkt werden, damit sie sich eher lohnen, fordert der Verbrau­cher­zen­trale Bundes­ver­band.

Außerdem solle ein Repa­ratur­index einge­führt werden, mit dem schon auf der Verpa­ckung auf einen Blick erkennbar ist, wie gut sich ein Produkt repa­rieren lässt. Ohne Infor­mationen über Repa­ratur­kosten und Halt­bar­keit könnten sich Verbrau­cher schwer für die nach­hal­tige Option entscheiden, argu­men­tieren die Verbrau­cher­schützer.

Laut einer Kantar-Umfrage im Auftrag des Verbrau­cher­zen­trale Bundes­ver­bands erwarten die Verbrau­cher nicht nur, dass ein Gerät lange hält, sondern auch, dass Ersatz­teile lang­fristig verfügbar sind, dass die Repa­ratur­kosten verhält­nis­mäßig sind und dass die Repa­ratur tech­nisch einfach zu machen ist.

Die deut­sche Indus­trie zeigt sich offen für einen Repa­ratur­index und auch für ein Recht auf Repa­ratur. Es müsse aber an die jewei­ligen Produkte ange­passt sein, erklärte der stell­ver­tre­tende Haupt­geschäfts­führer des Bran­chen­ver­bands BDI, Holger Lösch. Bei großen Haus­halts­geräten könne es ökolo­gisch sinn­voller sein, neue, ener­gie­effi­ziente Produkte zu kaufen, als alte zu repa­rieren. Wichtig sei eine EU-weite Rege­lung und das Vermeiden natio­naler Sonder­regeln.

Auch auf der Technik-Messe CES 2022 geht es um Nach­hal­tig­keit.

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