Seecontainer

Telekom und Huawei zeigen das Rechenzentrum zum Mitnehmen

Firmen, die nur temporär ein Rechenzentrum benötigen oder sich in entlegenen Gebieten befinden, können mit Rechenzentrum to go eine Lösung finden. T-Systems und Huawei demonstrieren das Rechenzentrum im Seecontainer im Livebetrieb.
Aus Berlin berichtet
AAA
Teilen (4)

Ein Seecontainer beherbergt ein komplettes RechenzentrumEin Seecontainer beherbergt ein komplettes Rechenzentrum Berlin-Charlottenburg am vergangenen Montag: Auf einem Parkplatz in einem Gewerbegebiet steht ein Sattelschlepper mit einem Seecontainer. Soweit nichts ungewöhnliches. Doch der Parkplatz gehört zu einer Niederlassung der Telekom, wo solche Fahrzeuge eher selten zu sehen sind. Das macht den Seecontainer ungewöhnlich - zumal er mit den Logos von T-Systems und Huawei gebrandet ist. Wer sich nähert, hört einen Generator vor dem Truck seinen Dienst verrichten. Im Seecontainer selbst: Ein komplettes Rechenzentrum. Transportabel, modular und flexibel soll es sein - zumindest soweit das für derartige Technik überhaupt notwendig ist. Denn von heute auf morgen kann der LKW das "Rechenzentrum to go" nicht vor die eigene Firma stellen, wie uns die Mitarbeiter von Huawei und Telekom erklären. Sie sind derzeit gemeinsam auf einer Roadshow durch Deutschland mit dem Rechenzentrum to go.

Die Einsatzgebiete sind nach Vorstellung des Ausrüsters Huawei vielfältig. Mit Blick auf das nebenstehende Telekom-Gebäude erklärt uns ein Projektverantwortlicher: "Stellen Sie sich vor, in diesem Gebäude befindet sich im Keller ein Rechenzentrum. Doch das wird für Ihre Firma zu klein, ein kurzfristiger Umzug ist wegen langfristiger Verträge nicht möglich. Dann können Sie Ihr Rechenzentrum mit so einem mobilen Rechenzentrum beispielsweise auf Ihrem Parkplatz erweitern." Nach und nach sei so auch ein Austausch von Hardware im eigenen Rechenzentrum möglich.

Anwendungsgebiete für Firmenkunden sind vielfältig

Ein Rechenzentrum im Seecontainer ermögliche es auch, Rechenleistung dorthin zu bringen, wo sie benötigt wird. Als Beispiele nennt Huawei eine Ölbohrplattform, wo die Daten nicht erst noch bis zum Land übertragen werden müssen. Vor allem die Bauweise als Schiffscontainer sei hier gut geeignet. Auch sehen die beiden IT-Firmen Anwendungsgebiete als Backup für Kunden, die bei einem Stromausfall oder beim Firmenumzug als Überbrückungslösung ein Rechenzentrum benötigen.

Die Partner rechnen derzeit mit etwa neun Wochen, bis ein solcher Seecontainer fertig bestückt beim Kunden steht. Einen Großteil der Zeit benötigt dabei noch der Lieferweg, denn bestückt wird der fabrikneue Container derzeit noch in China bei Huawei. Er macht sich dann standesgemäß per Schiff und LKW auf dem Weg zum Kunden. Der LKW dient aber nur zum Transport. Üblicherweise wird der Container beim Kunden auf eine dafür geeignete Fläche gestellt. Die muss immerhin 20 Tonnen Gewicht tragen. In Ausnahmefällen, etwa bei Großveranstaltungen sei es auch möglich, den Container auf dem Truck-Auflieger zu belassen. Künftig soll die Bereitstellung auch deutlich schneller erfolgen können, wenn die Container in Europa bestückt werden. Zur Bekanntgabe der Kooperation zur CeBIT im März sprachen Telekom und Huawei von einer Woche Lieferzeit.

Vollwertiges Rechenzentrum - nur in klein

Diese Server sind mobil - per ContainerDiese Server sind mobil - per Container Die Cloud aus der Box, wie Huawei und Telekom die Lösung nennen, hat alle technischen Komponenten an Bord, die auch ein klassisches Rechenzentrum benötigt: Server, Speicherkomponenten, Kühlungssystem und eine eigene Stromversorgung. Idealerweise greift die Box aber auf eine vorhandene Versorgung zurück und nutzt auch bestehende Datenleitungen. Für neue Außenanbindungen verspricht die Telekom bei ihrer Großkundensparte T-Systems aber auch Lösungen, etwa durch DeutschlandLAN. Blick in den ContainerBlick in den Container

Beim Gang durch den Container fühlen wir uns wirklich wie in einem Rechenzentrum - nur in klein. Trotz offenstehender Tür ist es angenehm kühl, die passende Arbeitstemperatur für die sensible Technik. Dass die Tür offen steht, ist natürlich nur der Roadshow geschuldet. Sogar Sicherheitsschleusen wären möglich, wenn der Kunde es wünscht. Geräte und Batterien für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung sind im Demo-Container genau so verbaut wie Standard-Server-Racks. Was in die Racks verbaut wird, liegt am Bedarf des Kunden. Sogar ein kleiner Arbeitsplatz kann eingebaut werden. Im Demo-Container wird er für eine kleine Präsentationsfläche mit Monitoren genutzt. Übrigens stehen die Server nicht auf dem blanken Metallboden des Seecontainers: Zwischen begehbarem Boden und Container ist ein Zwischenboden eingezogen, der einerseits der Kühlung dient, andererseits aber auch als Anti-Schock-Maßnahme beim Transport dient.

Das mobile Rechenzentrum kann diese Woche noch an zwei Standorten besucht werden. Heute ist es in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart im Fasanenweg 5 zu sehen, am Freitag dann in der Dachauer Str. 651 in München. Und wer einen Blick in ein großes Rechenzentrum werfen will: Wir haben hinter die Kulissen von Interxion in Frankfurt geblickt. Von hier werden Daten von global agierenden Konzernen, Banken und Sicherheitsfirmen ausgeliefert und das Herz der deutschen Internet-Struktur, der DE-CIX als zentraler Austauschknoten, hat hier seine physikalische Heimat.

Teilen (4)

Mehr zum Thema Moderne Netze