Übernahme

Reaktionen auf die Übernahme von E-Plus durch o2

Genehmigung aus Brüssel erforderlich, für Kunden kaum Änderungen
Von Hans-Georg Kluge mit Material von dpa
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Unverhofft kommt oft: Am frühen Vormittag hat zunächst KPN, dann auch Telefónica eine Einigung über den Kauf von E-Plus ver­kündet. Die finanziellen Details erfahren Sie in einer eigenen Meldung. Wir haben uns bei den Netz­be­treibern umge­hört und berichten, was auf die Kunden zukommt. Außerdem zeigen wir, welche Pläne die beiden - zukünftigen - Partner verfolgen.

Das Verfahren: Genehmigung durch Wettbewerbsbehörden nötig

Telefónica übernimmt E-Plus.Telefónica übernimmt E-Plus. Mit der heutigen Bekanntgabe der grund­sätzlichen Einigung ist der Deal nicht in trockenen Tüchern. Zunächst muss die Haupt­versammlung von KPN dem Plan zustimmen. Auch auf Seiten von Telefónica ist eine ent­sprechende Zustimmung erforderlich. Die wohl größte Hürde: Auch die Wettbewerbsbehörden müssen den Verkauf genehmigen. Dieses Verfahren dürfte einige Zeit in Anspruch nehmen. Dabei ist auch denkbar, dass der Verkauf nur unter Bedingungen erlaubt wird. KPN und Telefónica selbst rechnen mit einem Abschluss des Verkaufsverfahrens erst Mitte 2014.

Ein weiteres Problem dürften die GSM-Frequenzen sein - diese laufen 2016 aus und sollen im Jahr 2015 im Rahmen einer Versteigerung neu vergeben werden. Der geplante E-Plus-Kauf dürfte auch hier Folgen haben. Möglicherweise wird nun der Weg für einen Neueinsteiger auf den Markt frei.

Gegenüber dem Manager Magazin hat sich Daniel Zimmer, Vorsitzender der Monopolkommission, einem die Bundes­regierung beratendem Gremium, geäußert. Er erwartet, dass die Wettbewerbsbehörden, hier vor allem die EU-Kommission, den Verkauf nur unter Auflagen genehmigen werden. Er verweist im Manager Magazin auf eine ähnliche Situation in Österreich, wo der Zusammenschluss von Orange und Hutchison nur unter der Auflage zugelassen wurde, Quereinsteiger ins das Netz zu lassen. Auch auf Frequenzen musste verzichtet werden.

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte in Brüssel, es sei Sache der Unternehmen zu prüfen, ob sie unter die EU-Wettbewerbsregeln fallen. Die Firmen hätten bislang ihr Vorhaben noch nicht zur Genehmigung in Brüssel angemeldet. In der Branche wird aber erwartet, dass die Kommission den Fall übernimmt. Große Firmen­zusammen­schlüsse in Europa müssen von der EU-Kommission genehmigt werden. Die Kartellwächter prüfen, ob Firmen danach eine markt­be­herrschende Stellung erreichen, die einen wirksamen Wettbewerb verhindert. Für das Verfahren ist eine maximale Dauer von rund vier Monaten vom Zeitpunkt der Anmeldung an vorgeschrieben.

Was bedeutet die Übernahme für die Kunden?

Kurzfristig ändert sich für Kunden nichts - mindestens so lange, wie der Deal nicht unter Dach und Fach ist. Erst danach könnten sich Änderungen ergeben. E-Plus wird den geplanten Netzausbau im Bereich LTE nicht verzögern. Weitere Änderungen sind noch nicht absehbar. Telefónica gibt noch keine Details zu den Umbauplänen bekannt. In einer Pressemitteilung spricht der Konzern allerdings von Synergieeffekten von bis zu 5,5 Milliarden Euro. Diese sollen in den Bereichen Vertrieb, Kundenservice und Netzwerk realisiert werden. Die Summe ver­deutlicht, dass umfassende Änderungen anstehen. Ob dies auch einen Personalabbau bedeutet, ist noch unklar.

Torsten Gerpott, Professor und Lehrstuhlinhaber für Unter­nehmens- und Tech­nologie­planung / Tele­kommun­ikations­wirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, sagt dem Handelsblatt, dass er weniger Wett­bewerb erwarte. Zwar dürfte die Übernahme von den Behörden genehmigt werden, aber aus dem Markt werde Preisdruck genommen, so dass der Preiskampf geringer werde.

o2: Wollen den Markt weiter verändern

In einer Presse­mitteilung sagt René Schuster, Vorstands­vorsitzender der Telefónica Deutschland Holding AG: "Beide Unternehmen sind als dynamisch und innovativ bekannt, da sie den Markt immer wieder mit neuartigen Produkten und Services verändern. Dies wird auch weiterhin unsere Unternehmens­strategie sein". Weiterhin sollen Kunden "von einem umfassenden Angebot an Tele­kommuni­kations­dienst­leistungen profitieren, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind."

Ziel ist es aber, ein gemeinsames Unternehmen und ein gemeinsames Netz zu schaffen, so ein Sprecher von o2. Konkrete Details zur Ausgestaltung des neuen Unternehmens gibt es aber noch nicht. Das betrifft auch die Folgen für die bestehenden Untermarken von E-Plus und o2.

Für die beiden, aktuell getrennten, Netze könnte die Zusammen­legung möglicherweise auch die Schließung einiger Basisstationen heißen. Details liegen dazu noch nicht vor und werden wohl auch so schnell nicht bekannt werden. Für Kunden besteht hier das Risiko, dass Kapazitäten eingespart werden und die Abdeckung sich verschlechtert.

Das sagt die Konkurrenz

Wir haben uns auch bei der Konkurrenz umgehört. Dabei wollte keiner der beiden großen Konkurrenten die Übernahmepläne konkret kommentieren. Die Deutsche Telekom sieht die Übernahme im Kontext der Regulierung, die zu Konsolidierungsdruck im Markt geführt habe. Die Telekom führt aus: "Es ist nicht verwunderlich, dass der harte Wettbewerb und die regulatorisch verordneten Preissenkungen zu Konsolidierungsdruck in der Branche führen. Weitere Investitionen zum Erhalt oder der Verbesserung der Qualität für den Kunden spielen dabei mit Sicherheit auch eine Rolle."

Vodafone sagt bislang lediglich, man begrüße die Marktkonsolidierung grundsätzlich.

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