Analoger Dinosaurier

UKW: Das Ultrakurzwellen-Radio

Wir verglei­chen das analoge UKW-Radio mit seinen digi­talen Konkur­renten DAB+ und Inter­netradio. Welche Vorteile bieten die digi­talen Alter­nativen gegen­über UKW und welche neuen Nach­teile bringen sie mit sich? Außerdem zeigen wir auf, wer in der Debatte um die Zukunft des Radios mitmischt, und wie dabei argu­mentiert wird.
Von Florian Krockert
AAA
Teilen (39)

Das klas­sische Radio, mit dem wir alle aufge­wachsen sind, ist das Ultra­kurzwellen-Radio (kurz: UKW-Radio). Unsere älteren Lese­rinnen und Leser erin­nern sich viel­leicht noch an Zeiten, in denen sie mit dem Kassetten­rekorder vor dem Radio­gerät saßen, um ihre Lieblings­lieder aufzu­nehmen. Diese Zeiten sind vorbei - und auch die Tage des klas­sischen Radios sind ange­zählt. Längst ist es nicht mehr konkur­renzlos. Auf Dauer ist sogar absehbar, dass das analoge UKW-Radio seinen digi­talen Kontra­henten weichen wird. Die größten dieser Kontra­henten sind DAB+ und Inter­netra­dios.

Das Ende des UKW-Radios

Die grafische Darstellung eines Radios, dazu der durchgestrichene Schriftzug: UKW.Das Ende des UKW-Radios scheint langfristig unabwendbar. Seine Nachfolger sind DAB+ und Internetradio. Eigent­lich war das Ende des analogen Radios bereits beschlos­sene Sache. Bis 2010 sollte der UKW-Rund­funk zugunsten des alter­nativen Übertragungs­verfahrens DAB abge­stellt werden. DAB konnte sich aller­dings nicht durch­setzen, daher wurden diese Pläne wieder verworfen. Mit DAB+ star­tete 2011 ein Über­tragungs­verfahren, das sich wesent­lich besser zu behaupten scheint als sein Vorgänger.

Lang­fristig ist abzu­sehen, dass UKW zugunsten von DAB+ abtreten wird. Dafür werden schon allein die vielen Interessens­gruppen Sorge tragen, die auf DAB+ setzen. Lang­fristig heißt hier aller­dings nicht inner­halb der nächsten fünf Jahre. Vorsich­tige Schät­zungen gehen davon aus, dass frühes­tens 2025 an eine Ab­schaltung des UKW-Rund­funks in Deutsch­land zu denken sei.

UKW-Radios haben eine lange Tradi­tion. Seit 1949 sind sie in Deutsch­land im Regel­betrieb; 24 Jahre vorher wurde in Jena die welt­weit erste UKW-Über­tragung durch­geführt. Die Tech­nologie hat sich bewährt, viele der Radio­sender sind einem ans Herz gewachsen und manch einer wäre traurig, würde sein Lieblings­sender den Sprung auf DAB+ nicht schaffen. Das UKW-Radio hat jedoch einige Macken. Etwa das Rauschen, das einen opti­malen Klang­genuss verhin­dert. Oder die Tat­sache, dass das Frequenz­band inzwi­schen derart belegt ist, dass kaum neue Radio­sender mehr hinzu­kommen können. Die beiden digi­talen Alter­nativen kommen ohne diese Macken und bieten darüber hinaus sogar noch zusätz­liche Vorteile. Aber sie haben auch ihre ganz eigenen Schwach­stellen. Auf diese Stärken und Schwä­chen von DAB+ und Internet­radios lohnt es sich, einen genaueren Blick zu werfen.

Inter­netra­dios

Internet­radios, auch Web­radios genannt, ermög­lichen es, über das Internet Radio zu empfangen. Die Wege, auf denen man dies tun kann, sind zahl­reich: Internet­radio lässt sich über Smar­tphone, Laptop und PC hören. Darüber hinaus gibt es spezi­elle Radio­geräte für Küche und Bad, Bau­teile für die HiFi-Anlage im Wohn­zimmer und sogar Lösungen für das Radio­hören im Auto.

Der größte Trumpf, mit dem das Internet­radio aufwartet, ist sein Angebot an empfang­baren Sendern. Hier ist es nicht nur UKW, sondern auch DAB+ deut­lich über­legen: Der Empfang ist nicht lokal beschränkt, sondern lässt seine Hörer aus einem welt­weiten Sorti­ment mit tausenden von Sendern frei wählen. Als eine weitere Stärke wird oft die geringe Einstiegs­hürde genannt: WLAN und Smart­phone oder Computer sind ohnehin schon in den meisten Haus­halten vorhanden. Alles, was nun noch fehlt, um Interne­tradio zu hören, ist der Wille dazu.

Die Webradio-Tech­nologie bringt jedoch ihre eigenen Schwä­chen mit sich. Die größte davon hängt mit ihrer mangelnden Mobi­lität zusammen: Außer­halb des WLAN-Empfangs­bereichs wird stets eine mobile Daten­verbindung benö­tigt. Und diese braucht durch den Musik­empfang sehr schnell das monat­liche Daten­volumen auf, sodass sich mobiles Radio­hören immer nur kurz­zeitig empfiehlt. Bei Aufent­halten im Ausland empfiehlt es sich aufgrund der Roaming-Kosten sogar über­haupt nicht.

Selbst mit einer Daten-Flat­rate ist mobiler Web­radio-Genuss nicht überall sorgen­frei möglich. Einer­seits gibt es auch hier oft eine Dros­selung der Band­breite nach einem bestimmten Volumen­verbrauch, die dann möglicher­weise nicht mehr zum Radio­hören ausreicht. Ande­rerseits kann gerade in länd­lichen Gebieten der Radio-Stream trotz ausrei­chenden Daten­volumens abbre­chen, da hier das Mobil­funk­netz noch immer größere Löcher aufweist. Über­haupt ist das Internet - egal ob Breit­band oder Mobil­funk - störungs­anfälliger als der Ultra­kurz­wellen-Rund­funk, der sogar in Notfällen noch betrieben werden kann.

Zu den unan­geneh­meren Eigen­heiten des Internet­radios zählt außerdem, dass das eigene Nutzungs­verhalten durch die Spei­cherung von IP-Adressen prin­zipiell durch Dritte nach­voll­ziehbar ist. Dies ist im herkömm­lichen Rund­funk gänz­lich unmög­lich.

DAB+: Digital Audio Broad­casting Plus

DAB+ ist ein Übertragungs­verfahren für digi­tales Antennen­radio. Seit August 2011 wird auf diesem Weg der Bundes­mux, das erste bundes­weite Programm­paket, über­tragen.

Da bei DAB+ mehrere Sender auf der glei­chen Frequenz senden können, ist das Frequenz­band nicht so schnell belegt wie beim UKW-Rund­funk. Durch eine größere Programm­auswahl könnten wesent­lich mehr Nischen und Sparten abge­deckt werden als bisher. Zusätz­lich zu den Main­stream-Sendern ist hier zum Beispiel Platz für Sender wie lulu.fm, dessen Ziel­gruppe die deutsch­sprachige LGBT-Commu­nity (Lesbian, Gay, Bise­xual, Trans­gender) ist. Die Programm­auswahl wird zwar nie so groß sein wie die des Webra­dios, dafür hat DAB+ jedoch keine Probleme beim mobilen Empfang.

Ein weiterer Trumpf, mit dem DAB+ aufwarten kann, ist der Mit­versand von Zusatz­informationen. Je nach Display kann nicht nur Text ange­zeigt werden, der über Musik­titel infor­miert, Nachrichten­schlag­zeilen oder Programm­übersichten vermit­telt, sondern auch Bilder, sodass beispiels­weise Wetter­karten darge­stellt werden können.

Schwierig zu bewerten ist die Frage nach der Ton­qualität. Diese wird oft als großer Vor­zug aufge­führt - und unstrittig ist auch, dass das Rauschen, das man aus dem UKW-Radio gewöhnt ist, hier nicht auftritt. Aller­dings beschweren sich viele Nutzer - darunter mehrere unserer Lese­rinnen und Leser - über einen blechernen Klang. Wir haben daher Ursachen­forschung betrieben und dabei heraus­gefunden, warum der Klang von Digital­radios manchmal wenig über­zeugend ist.

Drei Schwach­punkte von DAB+

Zur Zeit machen vor allem drei Mängel DAB+ unat­traktiv. Diese haben aller­dings weniger mit der Technik selbst zu tun als viel­mehr mit ihrer jetzigen Umset­zung. Es ist also gut möglich, dass diese Punkte irgend­wann obsolet sein werden.

  1. Zu wenig Sender. Zwar können letzten Endes sehr viel mehr Sender ihr Programm über DAB+ ausstrahlen als über UKW, aber noch tun dies sehr viel weniger. In einigen Gegenden hat man daher nur die Wahl zwischen den öffent­lich-recht­lichen Programmen.
  2. Hoher Aufpreis in Autos. Wer einen Neu­wagen mit vorver­bautem Digital­radio anstelle eines klas­sischen Radios haben möchte, muss oft einen saftigen Auf­preis bezahlen. Je mehr sich DAB+ durch­setzen wird, desto wahr­schein­licher ist es, dass diese Auf­preise verschwinden werden. Außerdem werden aus der Politik immer wieder Stimmen laut, die nach einem DAB+-Pflicht­chip in allen Radios schreien.
  3. Netz­ausbau nicht abge­schlossen. In vielen Gegenden abseits der Groß­städte ist die DAB+-Abde­ckung noch unvoll­ständig. Haben Sie hier nur die DAB+-Tech­nologie zur Verfü­gung, wird Ihr Radio einfach schweigen. Um unan­genehme Über­raschungen zu vermeiden, können Sie sich unter folgendem Link infor­mieren, wohin das Netz bereits reicht und welche Sender dort zu empfangen sind: Empfangsprognose.de.

Viel Lärm um nichts

Die grafische Darstellung eines Radios.Klare Fakten sind im Streit um die Radiostandards schwer auszumachen. In der Debatte um die Zukunft des Radios ist es für den Hörer nicht einfach, sich zu infor­mieren, da die meisten der angeb­lichen Fakten und Argu­mente, die man häufig liest, interessen­gefärbt sind. Hier streiten dieje­nigen, die sich durch die Umstel­lung auf DAB+ Profit verspre­chen gegen dieje­nigen, die durch die UKW-Abschal­tung Verluste fürchten. Zur ersten Riege zählen vor allem die öffent­lich-recht­lichen Sender, zu letz­terer die Privat­radios. Der einfluss­reichste DAB+-Befür­worter ist der Verein Digi­talradio Deutsch­land, wohin­gegen sich die Gegner haupt­säch­lich im Privat­radio­verband VPRT orga­nisieren. Beiden ist gemeinsam, dass sie ihre Argu­mente so darstellen, als wären ihre Inter­essen im Sinne der Hörer - und die des Gegners nicht. So sagt Dr. Wili Steul, Vor­sitzender des Vereins Digi­talradio Deutsch­land und Inten­dant des Deutsch­land­radios, DAB+ sei "moderner, effi­zienter, umfang­reicher und persön­licher als UKW: Es bietet mehr Sender für unter­schiedliche Ziel­gruppen, ist dank digi­taler Empfangs­technik rausch­frei und liefert Zusatz­infos zum laufenden Programm als Text oder Bild. Es bietet mehr Viel­falt auf ausrei­chend freien Kapa­zitäten zu weit güns­tigeren Verbreitungs­kosten als bei der analogen UKW-Tech­nologie".

Zwei Dinge sind hier bemer­kens­wert. Zum einen, dass DAB+ persön­licher sei, weil es mehr unter­schied­liche Ziel­gruppen anspricht. Das ist frei­lich eine etwas eigen­sinnige Verwen­dung des Wortes persön­lich. Niemand würde den großen Super­markt, in dem man von Auto­zubehör bis Zahn­putz­becher alles findet, als persön­licher als den kleinen Tante-Emma-Laden bezeichnen, nur weil es dort eine größere Auswahl gibt und er daher für eine größere Ziel­gruppe inter­essant ist. Eher das Gegen­teil ist der Fall.

Zum anderen ist es inter­essant - wenn auch nicht falsch -, dass Steul hier das Wort Viel­falt benutzt. Mit diesem Wort argu­mentierte nämlich auch der VPRT gegen eine Roadmap der Bundes­länder zum Über­gang von UKW auf DAB+. Der Verband forderte, die Länder mögen "im Sinne der Vielfalts­sicherung im dualen System agieren" und die Roadmap daher ablehnen. Gemeint ist vermut­lich die Viel­falt von Privat­sendern gegen­über öffent­lich-recht­lichen Sendern.

Man sieht: Beide Parteien werfen mit möglichst positiv besetzten Worten um sich, wenn sie ihre eigenen Inter­essen beschreiben. Wie sinn­voll, wie infor­mativ - und wie objektiv dies am Ende für die Verbrau­cher ist, ist eine Frage, um die sich dann andere kümmern müssen.

Wir erle­digen das gerne für Sie. Lesen Sie hier die neuesten Nach­richten und infor­mative Ratgeber zum Thema UKW-Radio.

Als zukünf­tige Über­tragungs­technik für mobile Geräte wird momentan 5G Broad­cast entwi­ckelt.

Ratgeber zum Thema Radio

Teilen (39)