Norwegen

Hörerverluste: Norwegische Zentrumspartei will UKW zurück

Da die Radionutzung auf den geringsten Stand seit Beginn der Erhebung gefallen ist, fordert die norwegische Zentrumspartei eine Rückkehr zum analogen UKW-Hörfunk. Der öffentlich-rechtliche Sender NRK reagiert befremdet.
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Die Zentrumspartei ("Senterpartiet") fordert die Wiedereinführung des analogen UKW-Hörfunks in Norwegen. Hintergrund: Sieben Monate nach der UKW-Abschaltung ist die tägliche Radionutzung erstmals unter 50 Prozent - auf aktuell 48,5 Prozent, gefallen. Vor der UKW-Abschaltung lag die Zahl noch zwischen 65 und 70 Prozent. "Die neuen Zahlen sind dramatisch", sagt Zentrumspartei-Sprecher Åslaug Sem-Jacobsen. "Für die Medienvielfalt in unserem Land ist es dringend geboten, dass die Radionutzung wieder auf ein ganz anderes Niveau kommt. Um dies zu erreichen, sollten schnellstens die abgeschalteten UKW-Ketten wieder reaktiviert werden".

Saisonbedingte Rückgänge

Norweger hören nach der UKW-Abschaltung weniger RadioNorweger hören nach der UKW-Abschaltung weniger Radio Was vor allem die Kritiker und Gegner des Digitalradios DAB+ freuen wird und dem Mythos der Unabschaltbarkeit des UKW-Hörfunks in ganz Europa neuen Nährboden geben dürfte, ist aber auch ein saisonbedingtes Phänomen: In den Sommerferien wird naturgemäß weniger Radio gehört und schon in den vergangenen Jahren zuvor war die Radionutzung in Norwegen zur Ferienzeit am geringsten. Daher ist auch ein Vergleich aktueller Hörerzahlen mit denen aus dem Winter 2016/17, also vor der UKW-Abschaltung, eher unangebracht.

NRK: Rückkehr zu UKW technisch und ökonomisch nicht mehr realisierbar

Mit Befremden hat der norwegische öffentlich-rechtliche Hörfunk NRK auf Forderungen aus der Politik nach Wiedereinführung des analogen UKW-Standards reagiert. Wie ein Sprecher von NRK erklärt, habe die Zentrumspartei mit für die UKW-Abschaltung in Norwegen gestimmt. Mit der eher populistischen Forderung nach einer Wiederinbetriebnahme der UKW-Sender wolle man möglicherweise Wählerstimmen ergattern.

Der NRK-Sprecher betont, dass eine Rückkehr zu UKW alleine aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht mehr realisierbar ist. Die meisten UKW-Anlagen seien inzwischen abgebaut und viele Sender bereits nach Afrika verkauft. Da Sender und Antennen neu angeschafft werden müssten, würden enorme Kosten entstehen, die keiner finanzieren kann. Die Forderung sei so, als würde man versuchen, einen zerplatzten Luftballon wieder aufzublasen.

Der viel wichtigere und zielgerichtetere Schritt sei stattdessen, die neue Plattform DAB+ noch weit aktiver zu bewerben, um Hörer zu gewinnen.

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