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Alexa vs. DAB+: Machen Smart Speaker das Digitalradio überflüssig?

2017 gingen über eine Million Smart Speaker über den Ladentisch. Machen Amazon Echo und Co. das Digitalradio DAB+ tatsächlich überflüssig, oder sind sie eher ein Feind des Radios?
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Ersetzen Smart Speaker das Radio?Ersetzen Smart Speaker das Radio? Mit einem Tweet machte Marco Meier, Geschäftsführer des privaten Radiosenders Antenne Thüringen, Anfang Januar auf sich aufmerksam. Er wollte wissen: "Wie gut lief der Verkauf von DAB+ Radios im Weihnachtsgeschäft?". Und: "Wie viele Smart Speaker wurden im gleichen Zeitraum verkauft?". Im Elektronikmarkt seines Vertrauens sei es "18 zu 2 600 gegen DAB+ ausgegangen". Antenne Thüringen gehört zu den Skeptikern am digital-terrestrischen Radio und lehnt bisher einen Einstieg in die DAB+ Technologie ab.

Senderchef: "Radio nur eine von 100 Apps auf Smart Speakern"

Natürlich ist Meiers Umfrage alles andere als repräsentativ. Gerade aufgrund der Tatsache, dass die regionalen Privatradios DAB+ in Thüringen boykottieren, ist die Nachfrage an Digitalradios im mitteldeutschen Freistaat geringer als in anderen Bundesländern.

Meiers Äußerung erntete auch nicht nur Zustimmung in Kollegenkreisen: "Radio ist nur einer von 100 Diensten auf dem Smart Speaker" sagt Volker Pietzsch, Gesellschafter am rheinland-pfälzischen Privatsender Antenne Mainz und Geschäftsführer des Digitalsenders interviewRADIO, im sozialen Netzwerk Facebook: "Genau das ist der große Fehler der Radiomacher in den letzten Jahren: Wer Internet und Apps als die Zukunft des Radios anpreist ist mit einem Klick vom Gerät gelöscht. Ein eigenes Gerät ist immer der bessere Weg und DAB+ ist die optimale technische Lösung und lässt sich perfekt durch Streaming ergänzen".

In das gleiche Horn bläst der technische Hauptabteilungsleiter einer ARD-Anstalt und bringt es humorvoll auf den Punkt: "Vermutlich sind auch deutlich mehr Elektrische Zahnbürsten verkauft worden. Natürlich kann jeder sein Programm auch noch auf weiteren Devices ausspielen, wenn es sein muss, auch auf Elektrischen Zahnbürsten". Auch wenn es sich die Verweigerer herbeiwünschten, gehe an DAB+ kein Weg mehr vorbei: "Die Werbekunden wollen auf diese Reichweite nicht mehr verzichten - übrigens auch in Thüringen".

Alexa zugleich Freund und Feind des Radios

Es ist keine Frage: Smart Speaker wie der Amazon Echo mit der Sprachsteuerung "Alexa" sind das Trendprodukt 2017 im Audiosektor. Soeben hat die Industrie den Verkauf des ein Millionsten Gerätes in Deutschland bekannt gegeben, weltweit sind schon über 50 Millionen verkauft worden. Ebenso wahrscheinlich ist, dass der ein oder andere sein Küchen- oder Badradio durch einen Smart Speaker ersetzt hat. Die spannende Frage lautet aber: Wird über die Geräte tatsächlich auch Radio eingeschaltet? Eine Umfrage aus Großbritannien dürfte die Radiobranche zugleich zufriedenstellen als auch beunruhigen. Hier heißt es, dass 70 Prozent der Smart Speaker-Nutzer zumindest gelegentlich darüber auch Radio hören. Aber wie viele machen dies regelmäßig? Häufig wird "Alexa" beauftragt, Songs aus der Musikdatenbank von Amazon Prime Music abzuspielen. Oder Nachrichten, den Wetterbericht oder Verkehrsinformationen vorzulesen. Und schon wird der Smart Speaker vom Freund zum Konkurrenten des Radios.

DAB+: Privatradios müssen mehr gefördert werden

Bislang gibt es in deutschen Haushalten rund zehn Millionen Digitalradios mit DAB+. Laut Branchenbeobachtern könnten es wesentlich mehr sein, würden vor allem Privatradios die Technologie mehr bewerben. Das tun aktiv nur wenige Sender wie sunshine live oder Klassik Radio. Die Radiobranche befindet sich im Zwiespalt: Auf der einen Seite will man das Geschäftsmodell UKW, das bisher Garant für die Einnahmen war, so lange wie möglich halten, denn aufgrund des Frequenzmangels hat man hier - im Vergleich zu DAB+ - keine weiteren Konkurrenten mehr zu befürchten. Auf der anderen Seite will man aber auch den Anschluss in Richtung Digitalisierung nicht verlieren. Und hier stellt sich die Frage, auf welche Pferde man künftig setzen soll. Diese Frage haben die ARD-Anstalten bereits beantwortet: Sie haben sich intern auf DAB+ als digitale Zukunftstechnologie festgelegt und können den Netzausbau aus dem Rundfunkbeitrag finanzieren.

Auch Privatradios wären voraussichtlich weit weniger skeptisch, würde die Politik DAB+ aktiver fördern, so wie beispielsweise in Bayern, wo bald alle UKW-Radioprogramme auch digital auf DAB+ zu hören sein werden und hier zum Teil sogar digitale Ableger ausstrahlen. Und wo aufgrund dieser Tatsache bislang auch die meisten Digitalradios verkauft worden sind. In diesem Fall wären Smartphones, Tablets und Smart Speaker zusätzliche Devices in der digitalen Welt. Aber der digitale Hauptverbreitungsweg für Radio wäre DAB+, was für die Gattung Hörfunk überaus sinnvoll wäre, da sie so weiter einen eigenen Distributionsweg hätte.

Für 2017 prognostizierte die Industrie übrigens in ganz Deutschland einen Verkauf von 1,3 Millionen DAB+ Radios. Bestätigt sich diese Zahl, wären mehr Digitalradios verkauft worden als Smart Speaker, dem aktuellen Hype-Produkt im Bereich Audio.

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