Vernetzte Audio-Systeme

BVDW: Klassische Radios stehen vor dem Aus

Sterben klassische Radiomodelle aus? Das erwartet zumindest der Bundesverband Digitale Wirtschaft. Smart Speaker könnten das Küchenradio ersetzen. Ikea baut unterdessen Soundsysteme von Sonos in Möbel ein.
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Sterben Radios und HiFi-Anlagen als physische Geräte aus? Das erwartet zumindest der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). Smart Speaker seien im Begriff, die Top-Seller zu Weihnachten zu werden. Das krempele den Audio-Markt gewaltig um. Für Rainer Henze, Vorsitzender der Fokusgruppe Audio im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW), ist daher klar: "Smart Speaker werden unser Küchenradio ablösen."

Amazon Echo wird Renner im Weihnachtsgeschäft

Amazon Echo und Co. sollen Küchen- oder Badradio ablösenAmazon Echo und Co. sollen Küchen- oder Badradio ablösen Noch seien Küchen- und Badradios oder Radiowecker aus deutschen Haushalten nicht wegzudenken. Aber Amazon Echo, Google Home oder die Telekom, die jüngst einen eigenen Smart Speaker ankündigte, bedrohten den Klassiker aufgrund ihrer zusätzlichen Funktionalitäten. Neue Zahlen von Amazon zeigen, dass der "Echo Dot" bereits millionenfach verkauft wurde und das meistverkaufte Device des Unternehmens ist. Mit der aktuellen Werbekampagne für das Gerät stünden die Chancen bestens, dass solche Smart Speaker das Weihnachtsgeschenk des Jahres werden.

Auch laut einer BVDW-Studie aus dem November erfreuen sich Sprachassistenten großer Beliebtheit bei den Verbrauchern. Drei von vier Deutschen (75 Prozent) haben bereits Erfahrungen mit digitalen Sprachassistenten gesammelt oder können sich vorstellen, diese zu nutzen. Vier von zehn Befragten (39 Prozent) schätzen den schnellen Zugriff auf Informationen (zum Beispiel Wikipedia), ähnlich viele (38 Prozent) finden die Suchmaschinensuche besonders interessant.

Menschen erfreuen sich an Alexa

Der Webradiomonitor von BVDW, BLM und VPRT erfasst seit 2009 regelmäßig aktuelle Trends und Entwicklungen im deutschen Online-Audio-Markt. Auch in den darin enthaltenen Studienergebnissen spiegelt sich die zunehmende Bedeutung des Themas Sprachsteuerung in Deutschland. Schon vier Prozent der Online-Audiohörer hören solche Angebote bereits über sprachgesteuerte Geräte. Da Online-Audio von den Nutzern laut Webradiomonitor in 76 Prozent der Fälle auch zu Hause genutzt wird, sei das Potential für Alexa Echo und Co. gewaltig - und die Bedrohung für das Küchenradio umso offensichtlicher. Außerdem geben über 40 Prozent der Online-Audioanbieter an, sprachgesteuerte Kommunikationsgeräte würden künftig eine besonders wichtige Rolle spielen.

Offenbar ist den Nutzern dabei auch egal, dass Smart Speaker angeblich Datenkraken sind und sogar wie eine Wanze fungieren. Das ZDF deckte zuletzt in einer Dokumentation mit dem Titel "Amazon - gnadenlos erfolgreich" auf, dass der Amazon Echo nicht nur die Sprachbefehle an Alexa aufzeichnete und übermittelte, sondern auch andere Unterhaltungen mitschnitt. Laut Amazon geschah dies unabsichtlich. Dass auf Amazons Servern sämtliche Spracheingaben gespeichert werden, sei vielen nicht bewusst, hieß es in der ZDF-Doku.

Sonos-Soundsysteme fest in Ikea-Möbeln

Dennoch scheint die Zukunft in Bereich vernetzter Audiotechniken rosig. So will der schwedische Mobelriese Ikea bald Soundsysteme von Sonos fest in seine Möbel einbauen. Beide Unternehmen beschäftigten sich zukünftig gemeinsam mit dem Thema "Home Sound". "Zusammen möchten wir noch mehr Menschen die Möglichkeit geben, sich mithilfe von tollem Design, Musik und Sound zu Hause ihre eigene Atmosphäre zu schaffen", heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Solche Lösungen könnten künftig auch den Kauf einer separaten HiFi-Anlage unnötig machen. Man bräuchte keine Extra-Hardware mehr, und alles würde bequem vom Smartphone oder Tablet als Fernbedienung gesteuert werden.

Noch boomen klassische Radios - dank DAB+

Wäre da nicht ein ebenfalls noch recht neuer Konkurrent am Audiomarkt: Besonders das Digitalradio DAB+ beschert klassischen Kofferradios und neuen, physischen Stereo-Anlagen sowie kompakten HiFi-Systemen derzeit eine Renaissance. Mehr als zehn Millionen solcher Geräte wurden bereits verkauft, und die Kurve zeigt immer noch stark nach oben. Von einem Aus für die klassischen Henkelmänner kann also noch lange keine Rede sein.

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