UKW-Streit

Bundesnetzagentur will in UKW-Streit eingreifen

Nach lauten Schreien von Sendern und aus der Politik greift die Bundesnetzagentur jetzt in den Streit ums analoge UKW-Radiogeschäft ein. Werden die Preise wieder reguliert?
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Werbung des Netzbetreibers Divicon MediaWerbung des Netzbetreibers Divicon Media Am Ende schrien alle so lange nach Regulierung, bis sie nun tatsächlich wieder kommen könnte: In dem seit Wochen anhaltenden Streit auf dem UKW-Markt will jetzt - nach lauten Forderungen durch Radio­ver­an­stalter und aus der Politik - die Bundesnetzagentur eingreifen. Die Regulierungsbehörde prüfe "intensiv und mit Hochdruck, ob und inwieweit nach dem Verkauf der Antennen auf den UKW-Märkten die Erwerber dieser Antennen - insbesondere die Finanzinvestoren - künftig einer Marktregulierung unterliegen", teilte ein Sprecher der Behörde der "Mitteldeutschen Zeitung" mit. Dabei wird sogar das gesamte Verfahren des Verkaufs und Versteigerung der Hardware durch Media Broadcast auf den Prüfstand gestellt: "Wir werden gegebenenfalls auch den Veräußerungsprozess der Antennen mit in den Blick nehmen“, so der Sprecher weiter.

Radioveranstalter haben sich mit Wunsch nach Liberalisierung verzockt

Die ganze Angelegenheit ist alleine schon deswegen paradox, da die Hörfunkveranstalter selbst über Jahre den freien Wettbewerb beim UKW-Geschäft forderten. Statt sinkender Preise ist aber an vielen Standorten jetzt genau das Gegenteil der Fall: Es könnte bis zu 50 Prozent teurer werden.

Die neuen Sendernetzbetreiber Uplink Network und Divicon Media sowie die Hörfunkveranstalter konnten sich seit Januar noch nicht mit den neuen Eignern der UKW-Antennen über die Konditionen für den Antennenzugang einigen. Die neuen Antennenbesitzer wollen höhere Mietpreise geltend machen, da sie die Antennen zu - wie es in der Branche heißt - überhöhten Kosten von Media Broadcast erworben hatten. Der frühere Monopolist erklärte sich nun temporär bereit, die Verbreitung der Sender bis Ende Juni fortzuführen, obwohl das Unternehmen bereits vor mehr als einem Jahr die Verträge zum Ende des Monats März gekündigt hatte. Um eine endgültige Lösung ringen alle Marktakteure nun fieberhaft, denn zum 30. Juni droht erneut die Abschaltung der UKW-Frequenzen.

"Altherren-Riege" schaltet sich in Streit ein

In den Streit hat sich jetzt auch eine "Altherren-Riege" eingeschaltet: Der ehemalige NRW-Ministerpräsident und Ex-Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement tritt dem früheren RTL-Geschäftsführer Helmut Thoma zur Seite: Beide haben "hochachtungsvoll" an den früheren Postminister und Gesellschafter sowie Vorsitzenden des Unternehmensbeirats von Uplink Network, Christian Schwarz-Schilling geschrieben, der zuvor Helmut Thoma als Aufsichtsratsvorsitzenden von freenet seine Empörung über die Drohung einer UKW-Abschaltung mitgeteilt hat. Darüber berichtet die "Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk" (APR) auf ihrer Webseite. Clement seinerseits ist Mitglied im Aufsichtsrat der freenet-Tochter Media Broadcast.

Thoma und Clement zeigen sich von den Vorwürfen, die Schwarz-Schilling erhoben hatte, überrascht. Es bestehe doch Wettbewerb, Uplink selbst habe mitgeteilt, 50 Prozent des UKW-Sendemarktes in der Hand zu haben.

Das Schreiben bewertet das Vorgehen der Bundesnetzagentur bei der Preisregulierung allerdings kritisch. Erstmals überhaupt habe die Beschlusskammer nicht die Tages-Neupreise angesetzt, sondern die Buchpreise. In allen anderen Telekommunikations-Bereichen sei man eben anders vorgegangen. Das Schreiben der beiden Aufsichtsräte lässt an dieser Stelle aber unerwähnt, dass dafür die Bundesnetzagentur einen Betrag für Ersatzinvestitionen eingerechnet hat.

Haushalte können sich unabhängig vom wackligen UKW-Geschäft machen

Haushalte können sich schon jetzt völlig unabhängig vom wackligen UKW-Geschäft machen - durch Anschaffung eines Digitalradios mit DAB+ (ab 25 Euro im Handel) oder der Nutzung vorhandener Gadgets im Haushalt für Internetradio. Welche Möglichkeiten es hier gibt und warum diese sogar wesentlich besser als UKW sind, erläutern wir in diesem Ratgeber.

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