Radio

Hohe Antennenmiete: Lokalradio gibt UKW-Frequenzen auf

Die Einigung im UKW-Antennenstreit fordert möglicherweise Opfer. Ein Lokalradio in Hessen muss zwei seiner Frequenzen aufgeben. Als Alternative gibt es eine Ausstrahlung über Digitalradio DAB+
AAA
Teilen (85)

Nach vielen Wochen der harten Auseinandersetzung verkündete die Bundes­netz­agentur vor kurzem eine Einigung im UKW-Antennen­streit. Doch erst jetzt scheinen die Konsequenzen klar zu werden. Die Sendernetzbetreiber zahlen nun mehr Geld für die Antennenmiete und legen offenbar die höheren Kosten auf ihre Kunden um. Vor allem kleinere Sender könnten dadurch finanziell in Schwierigkeiten geraten.

Lokalradio verliert zwei UKW-Frequenzen

RundFunk Meißner sendet jetzt auf DAB+, muss aber zwei UKW-Frequenzen aufgebenRundFunk Meißner sendet jetzt auf DAB+, muss aber zwei UKW-Frequenzen aufgeben Ein erstes Opfer der neuen Preispolitik ist das nichtkommerzielle Lokalradio RundFunk Meißner aus Nordhessen. So verlor der Sender aufgrund von stark gestiegenen Antennenpreisen in einem deregulierten Markt mit privaten Sendetechnikbetreibern - zum erheblichen Nachteil seiner Hörer - mit sofortiger Wirkung zwei seiner vier UKW-Sender in Sontra und Hessisch Lichtenau. Besonders letztere war eine wichtige Stütze, um den gesamten Landkreis (Werra-Meißner-Kreis) zu versorgen.

"Wir bedauern diese Entwicklung, haben und hatten aber leider keinen Einfluss auf die Entscheidungen", so der Veranstalter. Die hessische Landesmedienanstalt (LPR Hessen) finanziert den Betrieb des nicht-gewinnorientierten Lokalradios und sah sich nicht mehr dazu in der Lage, die hohen UKW-Kosten aufzubringen.

DAB+ als Ersatz für Wegfall von UKW-Frequenzen

Als Alternative wird RundfunkMeißner nun in ganz Nord- und Osthessen digital-terrestrisch über DAB+ verbreitet. Der massiven Erhöhung der technischen Reichweite bei insgesamt weit geringeren Verbreitungskosten steht aber die nach wie vor überschaubare Anzahl an DAB+-Empfängern in den Haushalten gegenüber. In Nordhessen dürfte nur rund jeder zehnte ein entsprechendes Radiogerät zu Hause haben.

Fachleute rechnen damit, dass es sich bei RundFunk Meißner um keinen Einzelfall handeln wird. Erst so langsam sickert durch, wie teuer der analoge UKW-Hörfunk für die Veranstalter tatsächlich werden könnte. Jeder Hörfunk-Anbieter wird genau kalkulieren, welche Frequenzen noch wirtschaftlich zu betreiben sind und welche nicht mehr. Leiden dürfte vor allem die Bevölkerung in ländlichen Gebieten, wo oft auch Internet und Mobilfunk keine Alternativen sind.

Die höheren UKW-Preise hemmen viele Veranstalter aber auch vor mehr Investitionen ins Digitalradio DAB+. Hier könnte nur ein politischer Markteingriff helfen, um den teuren, analogen UKW-Hörfunk langsam durch das modernere Digitalradio DAB+ zu ersetzen. Dieser ist jedoch von den meisten Veranstaltern nicht gewünscht.

Regulierungslücke im TKG bleibt bestehen

Der Fall RundFunkMeißner unterstreicht in jedem Fall die Feststellung vieler Akteure während des Antennenstreits, dass der Rundfunk kein auf Profit kalkulierbares Wirtschaftsobjekt sein darf. Die gefundene Lösung vermeidet zwar kurzfristig das Chaos im UKW-Markt. Der Kern des Konflikts, die Ausnutzung einer Regulierungslücke im Telekommunikationsgesetz (TKG), bleibt aber bestehen.

Das Modell des Verkaufs von wesentlicher Rundfunkinfrastruktur an mehrere Investoren könnte ebenso bei DAB+ oder beim digitalen Fernsehen DVB-T2 zur Anwendung kommen. Abschaltdrohungen zur Bedienung von Interessen Einzelner wären beliebig einsetzbar. "Wir brauchen eine Änderung des TKG, um eine Wiederholung des Konflikts in anderen Segmenten des Rundfunkmarktes zu verhindern", fordert MDR-Betriebsdirektor Dr. Ulrich Liebenow von der Politik.

Teilen (85)

Mehr zum Thema UKW-Radio