MWC-Neuheit

Qualcomm X60: Neuer Chip bietet erstmals Telefonie über 5G

Bei 5G wieder­holte sich dasselbe wie bei LTE: Zunächst war es ein reines Daten­netz ohne Tele­fonie-Dienst. Mit dem neuen SoC Qual­comm Snap­dragon X60 wird nun auch Voice over NR möglich.
Von der Qualcomm-Pressekonferenz anlässlich des MWC berichtet
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Der Mobile World Congress ist für Barce­lona abge­sagt - und dennoch findet er ander­weitig statt: Zahl­reiche Unter­nehmen präsen­tieren ihre für die Messe geplanten Neuig­keiten in tele­foni­schen Pres­sekon­ferenzen oder auf eigens orga­nisierten Veran­stal­tungen.

So auch Qual­comm: Der bekannte Chip-Hersteller hat schon vor dem eigent­lichen MWC-Termin seinen neuen 5G-Chip Qual­comm X60 als Nach­folger der Platt­formen Snap­dragon X50 und X55 vorge­stellt. Als revo­lutio­näre Neue­rung bietet der Chip erst­mals Tele­fonie über 5G-Netze.

Was ist die Killerap­plika­tion von 5G?

"Chip-Hersteller" ist für ein Unter­nehmen wie Qual­comm eigent­lich schon lange keine voll­stän­dige Bezeich­nung mehr, weil die Platt­formen des Herstel­lers mehr und mehr Smart­phone-Kompo­nenten umfassen, man spricht von einem System-on-a-Chip. Kamen zum eigent­lichen Prozessor in den vergan­genen Jahren noch Mobil­funk-Modem, WLAN, Blue­tooth und andere Tech­niken hinzu, so nimmt der Hersteller auch zuneh­mend Einfluss auf das Anten­nende­sign bei mobilen Geräten.

5G-Module werden in immer mehr Geräten außer­halb Smart­phones verbaut - wie Note­books, Autos und mobile Router. Gleich­zeitig nimmt nicht nur die Menge an verfüg­baren 5G-Smart­phone-Modellen zu, sondern auch die Zahl der Netz­betreiber, die 5G-Netze aufbauen, sei dies zunächst als tech­nischer "Aufsatz" auf LTE oder als Stand-Alone-Netz. Insge­samt sollen bereits mehr als 275 Geräte-Modelle auf dem Markt oder in Entwick­lung sein, die 5G unter­stützen.

Inter­essant ist die Aussage von Qual­comm: "Die Killerap­plika­tion von 5G ist Coverage" - also die Netz­abde­ckung. Denn bislang wurde für 5G über­wiegend mit den hohen Daten­raten und der nied­rigen Latenz­zeit geworben. Qual­comm bezieht sich mit seiner Prognose aber auf Netze in den Frequenz­berei­chen um 700, 800 und 900 MHz, die zukünftig für eine hohe Flächen­abde­ckung sorgen sollen.

Die neue 5G-Plattform Qualcomm Snapdragon X60
Die neue 5G-Plattform Qualcomm Snapdragon X60

Voice over NR: Tele­fonie über 5G

Klar ist: Welt­weit wird es zahl­reiche 5G-Netze in zahl­reichen Frequenz­berei­chen geben. Dass ein Mobil­funk­modem für den inter­natio­nalen Einsatz alle diese Frequenz­bereiche gleich­zeitig unter­stützen muss, ist schon längst bei LTE eine Selbst­verständ­lich­keit. Die neu vorge­stellte 5G-Platt­form Qual­comm Snap­dragon X60 ist nach Aussage des Herstel­lers aber nun das erste 5G-Modem, das Daten­ströme aus verschie­denen Spek­trums-Berei­chen aggre­gieren kann. Die Summe aller dieser Daten­ströme führt für den Nutzer zu einer höheren Band­breite. Das teil­weise im 5-Nano­meter-Verfahren gefer­tigte X60-Modem wird also theo­retisch bis zu 7,5 GBit/s im Down­stream sowie bis zu 3,5 GBit/s im Upstream unter­stützen.

Beim Thema Tele­fonie wieder­holt sich dasselbe wie bei LTE: Die ersten LTE-Stan­dards waren ausschließ­lich Daten­stan­dards, erst später kam die VoLTE-Funk­tion dazu. So ist es aktuell auch bei 5G: Ist ein 5G-Gerät mit dem Daten­netz verbunden und es kommt ein Anruf herein, fällt das Smart­phone auf VoLTE, zurück. Unter­stützt das Netz, der Tarif oder das Gerät kein VoLTE, erfolgt der Fall­back auf 3G.

Qual­comm Snap­dragon X60 ist nach Aussage des Herstel­lers nun die erste 5G-Platt­form, die nativ "Voice over New Radio (NR)" unter­stützt. Damit sind Sprach­verbin­dungen über 5G-Stand-Alone-Netze gemeint, die nicht mehr zwin­gend auf LTE aufsetzen. Gleich­zeitig hat Qual­comm mit dem QTM535 ein neues mmWave-Antennen-Modul vorge­stellt, das schmaler als bishe­rige Antennen sein und damit dünnere und schlan­kere Smart­phones möglich machen soll.

Markt­einfüh­rung des Qual­comm Snap­dragon X60

Erste Samples der Platt­form Snap­dragon X60 will Qual­comm noch in diesem Quartal an Hersteller liefern, damit diese Smart­phones, Router und andere Geräte auf der Basis der neuen Platt­form entwi­ckeln kann. Mit ersten kommer­ziell verfüg­baren Endge­räten dazu rechnet Qual­comm dann im ersten Quartal 2021.

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