Mehr Power

Qualcomm stellt Snapdragon 636 und 5G-Modem Snapdragon X50 vor

Qualcomm ist einer der führenden Entwickler für Smartphone-Prozessoren und Mobilfunk-Chips. Für beide Kategorien hat das Unternehmen mit dem Snapdragon 636 und dem X50 5G-Modem neue Modelle mit mehr Leistung vorgestellt.
Von Stefan Kirchner
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Der Snapdragon 820 ist der erste SoC (System-on-a-Chip) gewesen, in dem Qualcomm die selbst entwickelten Kryo-Kerne verbaute. Bei diesen handelt es sich um ein abgewandeltes Chip-Design des ARM Cortex A72 (Cortex A73 im Fall des Kryo 280/Snapdragon 835), um mehr Leistung bei gleichzeitig niedrigerem Energie­verbrauch gegenüber dem Standard-Design von ARM herauszuholen.

Nun findet diese Technologie ihren Weg in die Mittel­klasse, denn der neu vorgestellte Snapdragon 636, der von Qualcomm als PIN-kompatibler Nachfolger des vergleichs­weise selten genutzten Snapdragon 630 positioniert wird, besteht aus gleich acht dieser Kryo-260-Kerne. Offiziell vorgestellt wurde der neue SoC während des 4G/5G Summit in der chinesischen Sonder­verwaltungs­zone Hongkong.

Hergestellt wird der Chip von Samsung im 14nm FinFET-Verfahren.

Mehr Leistung für die Mittelklasse

QualcommQualcomm hat den Snapdragon 636 und das Snapdragon X50 5G-Modem vorgestellt Aufgrund der neuen Architektur für die einzelnen Kerne, beträgt der Leistungs­zuwachs satte 40 Prozent gegenüber dem Snapdragon 630, obwohl die acht Kryo-260-Kerne mit 1,8 GHz niedriger getaktet sind. Weitaus geringer mit 10 Prozent ist hingegen der Leistungs­zuwachs bei der Grafik­lösung Adreno 509. Dafür trägt Qualcomm dem Trend der neuen Display­formate Rechnung, denn der Snapdragon 636 unterstützt offiziell FHD+ als Auflösung - mit bis 1080 mal 2160 Pixel, wie es Honor mit dem jüngst vorgestellten Honor 7X verwendet.

Zur weiteren Ausstattung gehört das Snapdragon X12 LTE-Modem, welches LTE Cat.13 mit bis zu 600 MBit/s im Download und 150 MBit/s im Upload unterstützt. WLAN wird in den Standards a/b/g/n/ac unterstützt, einschließlich Dualband-Funktion, 256 QAM, 1x1 MIMO und MU-MIMO. Bluetooth 5.0, GPS/GLONASS/BeiDou, Low-Power-Geofencing, NFC und USB 3.1 gehören ebenso zum Funktions­umfang, wie etliche Multimedia-Eigenschaften einschließlich des H.265/HEVC Videocodec, basierend auf dem ISP Spectra 160.

Letzterer sorgt unter anderem für die Ansteuerung von Foto-Sensoren mit bis zu 24 Megapixel Auflösung, 4K-Videos bei 30 Frames pro Sekunde und elektronischer Video­stabilisierung der dritten Generation. Ebenso werden ein hybrider Autofokus für Dualkamera-Systeme unterstützt, was auch optische Zoom-Objektive mit einschließt. Audiophil veranlagte Nutzer werden sich freuen, dass der Snapdragon 636 die Wiedergabe von HiRes-Audio mit bis zu 192 kHz/24-Bit unterstützt, was verlust­freie Audio­formate wie FLAC mit einschließt.

Ab November dieses Jahres soll der Snapdragon 636 für OEM-Hersteller verfügbar sein und ist dabei PIN-kompatibel zum Snapdragon 630, als auch Snapdragon 660. Damit will Qualcomm sicher­stellen, dass OEM-Hersteller einfach nur den SoC austauschen können und nicht die Entwicklung komplett von vorne beginnen müssen.

Fit für die 5G-Zukunft

Bei der Gelegenheit hat es sich Qualcomm nicht nehmen lassen und mit dem Snapdragon X50 das erste 5G-Modem vorgestellt. Allerdings befindet sich das Projekt noch in der Entwicklung, auch wenn Qualcomm erfolgreich am Standort San Diego eine stabile Übertragung mit mehreren GBit/s vorführen konnte. Realisiert wurde die Übertragung im mmWave-Spektrum mit 28 GHz. Offiziell soll das 5G-Modem Snapdragon X50 eine Downloadrate von bis zu 5 GBit/s ermöglichen.

Technisch betrachtet hat Qualcomm mehrere 100 MHz breite Frequenz­blöcke gebündelt, damit die hohe Geschwindigkeit überhaupt erreicht werden kann. Wie hoch denn die Geschwindigkeit genau war, wollte der Konzern allerdings nicht verraten. QualcommUnförmig, dick und mit 5G: Qualcomms Referenzplattform für das X50-Modem Überhaupt darf die Praxistauglichkeit etwas angezweifelt werden, da der Versuch im Millimeter­wellenbereich umgesetzt wurde. Schließlich ist diese Technik für sehr hohe Geschwindigkeiten auf sehr kurzer Distanz ausgelegt und das wird vergleichs­weise selten der Fall sein bei der mobilen 5G-Versorgung für Smartphones. Unter anderem hat die Deutsche Telekom sich bereits gegen den Einsatz von mmWave in ihrem künftigen 5G-Netz entschieden.

Zugleich hat Qualcomm angekündigt, dass die Referenz­plattform für weitere 5G-Tests verwendet wird. Der Konzern rechnet damit, dass 5G in der zweiten Jahres­hälfte 2019 kommerziell mit den ersten Endgeräten starten könnte. Jedoch ist derzeit noch nicht absehbar, wie diese Geräte funk­technisch umgesetzt werden. Denn wie bei Konkurrent Intel und dessen Gold-Ridge 5G Modem, ist auch das Snapdragon X50 Modem ausschließlich für 5G ausgelegt. Für GSM und LTE wird ein separates Modem benötigt, dessen Antennen­design sich zudem deutlich von einer 5G-Antenne unterscheidet.

Lesen Sie in einer weiteren Meldung, wo die Deutsche Telekom bereits aktiv 5G-Netze im realen Einsatz testet.

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