Streaming

ProSieben: Streaming-Nachfolger für Maxdome geplant

Bislang hatte Maxdome keine reelle Chance gegen Netflix und Amazon. Im Sommer soll sich dies nach Vorstellung von ProSiebenSat1-CEO Max Conze ändern. Mit einem Relaunch des Streaming-Dienstes werden die Karten voraussichtlich neu gemischt. An Bord sind unter anderem auch Inhalte des Discovery-Partners Eurosport.
Von Björn König
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Startseite von maxdomemaxdome wird im Sommer eingestellt Eigent­lich ist es ein Kampf zwischen David und Goliath. Die US-Strea­ming-Riesen Netflix und Amazon inves­tieren jedes Jahr Milli­arden US-Dollar in hoch­ka­rä­tige Eigen­pro­duk­tionen wie "The Crown", "Narcos" oder "The Man In The High Castle". Mit einem solchen Budget können euro­päi­sche Wett­be­werber nicht mithalten. Bereits Ende 2016 musste die fran­zö­si­sche Vivendi-Tochter Watchever aufgrund von Verlusten in Deutsch­land ihre Segel strei­chen. Auch der Strea­ming-Pionier maxdome tut sich seit langer Zeit schwer. Nicht ohne Grund, denn außer US-Lizenz­ware, die es ebenso bei Netflix und Amazon zu sehen gibt, hatte maxdome seinen Zuschauern bislang nicht viel zu bieten.

Zwar haben die Münchener zum Beispiel mit der Ulmen-Comedy "Jerks" durchaus eine respek­table deutsch­spra­chige Eigen­pro­duk­tion im Angebot, doch sonst findet man eher abge­stan­dene Reality-Formate wie "Rosins Restau­rant" oder "Rich­terin Barbara Salesch" in der Media­thek, welche bereits im Free-TV hoch- und runter­ge­spielt wurden. Für dieses Programm knapp acht Euro im Monat auf den Tisch zu legen, erscheint vielen Zuschauern nach­voll­ziehbar nicht beson­ders attraktiv, wenn man auf der anderen Seite für den glei­chen Preis bei Amazon ein wesent­lich hoch­ka­rä­ti­geres Programm und zusätz­lich noch den kosten­losen Premium-Versand mit Amazon Prime on top bekommt.

Neue Strea­ming-Portal im Sommer

ProSie­benSat1-Chef Max Conze will sich im Kampf gegen die scheinbar über­mäch­tige US-Konkur­renz jedoch noch nicht geschlagen geben. Im Sommer geht ein neues Strea­ming-Portal an den Start, in dem die Inhalte von maxdome, Disco­very und 7TV aufgehen. Beson­ders daran ist auch das umfang­reiche Sport­an­gebot des Euro­sport-Players, auf den die Zuschauer eben­falls zugreifen können. Damit nicht genug: Die Platt­form wird auch für weitere Dritt­an­bieter geöffnet. Im Juli vergan­genen Jahres hatte das Bundes­kar­tellamt grünes Licht für das ambi­tio­nierte Projekt gegeben.

Conze verspricht sich vom Neustart eine ganze Menge. Er will eine Art deut­sches "Hulu" schaffen. In den USA haben sich unter diesem Namen die großen US-Networks NBC (Comcast), FOX sowie ABC (Disney) zusam­men­ge­schlossen, um alle hoch­ka­rä­tigen Inhalte auf eine gemein­same Platt­form zu bringen. Offenbar mit ordent­li­chem Erfolg: Anfang 2019 verbuchte der Dienst 25 Millionen Abon­nenten, was mit Blick auf die 125 Millionen Netflix-Abon­nenten nicht sonder­lich beein­dru­ckend ist. Aller­dings ist Hulu im Gegen­satz zu Netflix auch nicht welt­weit verfügbar.

Free­mium-Modell

Wohin die Reise für maxdome gehen sollte, hatte bereits Conzes Vorgänger Thomas Ebeling im Rahmen des Capital Market Day der ProSie­benSat1 SE im Dezember 2017 vorge­stellt. Ein kosten­loses, werbe­fi­nan­ziertes Angebot enthält Live TV in SD sowie eine Aufnah­me­funk­tion für bis zu 7 Tage. Für eine "tech­ni­sche Zusatz­ge­bühr" wird der Aufnah­me­spei­cher auf 30 Tage erwei­tert und eine Instant-Restart-Funk­tion hinzu­ge­fügt, zudem sollen die Sender in HD verfügbar sein. Im Premium-Angebot ist dann zusätz­lich noch ein SVoD-Abon­ne­ment enthalten.

Es bleibt abzu­warten, ob es an diesem Konzept noch Ände­rungen gibt. Man darf aber davon ausgehen, dass das Thema Live-TV im neuen Strea­ming-Angebot eine nicht uner­heb­liche Rolle spielt. Das zeigt schon eine Perso­nalie: Katja Hofem über­nimmt als Ko-Geschäfts­füh­rerin neben Alex­andar Vassilev beim neuen Strea­ming-Dienst das Ruder. Die erfah­rene Sender­ma­na­gerin war ursprüng­lich Programm­chefin bei RTL2 sowie bei Disco­very Commu­ni­ca­tions für DMAX verant­wort­lich und leitete später unter dem Dach der ProSie­benSat1 Media SE den Frau­en­sender Sixx, danach Kabel1.

Heikler Zeit­punkt

Ob ProSieben mit seinem maxdome-Nach­folger letzt­end­lich Geld verdient, hängt vor allem von den Inhalten ab. Klar ist, es wird kein Selbst­läufer. Noch für dieses Jahr kündigte Disney-CEO Bob Iger auch in Europa den Start von Disney+ an. Der US-Medi­en­kon­zern verfügt über eine gigan­ti­sche Rech­te­bi­blio­thek, die neben allen Disney-Titeln auch das komplette Angebot von 21st Century Fox und Marvel enthält, welche eben­falls von Disney über­nommen wurden. Und auch bei Sky wird sich eine ganze Menge tun: Der Pay-TV-Anbieter wurde vom US-Kabel­kon­zern Comcast geschluckt, zu dem insbe­son­dere NBC Universal und dessen riesige Library gehört. In Öster­reich hatte Sky kürz­lich mit Sky X sein Strea­ming-Produkt einem umfang­rei­chen Relaunch unter­zogen. Womög­lich ist das Angebot bald auch in Deutsch­land verfügbar. Es bleibt also für ProSieben beim Kampf David gegen Goliath: Mit dem Unter­schied, dass es jetzt sogar vier statt zwei Goli­aths sind, gegen die David in Person von Max Conze ankämpfen muss.

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