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Pro & Contra: Google Street View

Der Dienst wird in letzter Zeit kontrovers diskustiert
Von Die Redaktion
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Kaum jemandem dürften die Diskussionen um den Google-Dienst Street View entgangen sein. Dieser bietet in immer mehr Städten eine virtuelle Fahrt durch Straßen an. Und das in 3D. Google nutzt für die Aufnahmen umgebaute Autos, welche mit Kameras ausgerüstet sind. So lassen sich die umliegenden Häuserfassaden bestaunen oder aber die Sauberkeit der Straßen rund um seine zukünftige Wohnung abschätzen. Das Problem hierbei ist, dass auf den Fotos auch Menschen zu sehen sind, die nicht wussten, dass sie fotografiert wurden. Hinzu kommt, dass viele Menschen es unangenehm finden, wenn ihr Haus im Internet betrachtet werden kann. Es herrscht eine Unsicherheit, ob der Dienst eher nützlich ist oder ob Google zuweit gegangen ist. Darüber gibt es auch in unserer Redaktion keine einheitliche Meinung. Wir zeigen zwei Meinungen. Google Street View AutoGoogle Street View Auto

Pro und Contra

Nils Merker
Pro
Nils Merker
Wenn ich demnächst in den Urlaub fahre, kann ich sicher sein, dass mein Hotel direkt am Strand liegt und die Umgebung sauber ist. Die nächste Bushaltestelle ist nur 100 Meter entfernt und auch ein Supermarkt findet sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Woher ich das weiß?

Google Streetview hat es mir verraten. Durch den Dienst von Google ist es ein leichtes, sich vor Reisen in unbekannte Regionen vorher zu informieren, wie es dort aussieht und ob die Beschreibung der Unterkunft wirklich hält, was sie verspricht. So ist es längst ein Ritual für mich geworden, Streetview zu benutzen. Schön, dass es dort mittlerweile so viele Länder und Städte [Link entfernt] gibt.

Umso ärgerlicher aber, dass gerade wir Deutschen uns so dagegen sträuben, mit unserem Land Streetview aufgenommen zu werden. Wir, die wir unsere Straßen, Häuser und Vorgärten rausputzen wie kaum ein anderes Volk in Europa. Wir, die wir es lieben, nackt in die Sauna zu gehen ohne Gefühl von Scham gegenüber der dort anwesenden Öffentlichkeit. Wir, die wir touristisch gesehen kein kleines Ziel in Europa und der Welt sind und uns ohne Streetview einen Wettbewerbsvorteil entgehen lassen. Wir, die wir doch sonst alles nachmachen, was Amerika uns vormacht. Warum sollten gerade wir uns sträuben, diesen einfachen Dienst, der eigentlich keinem wehtut, endlich auch bei uns einzuführen?

Die von den mediengeilen Datenschützern, unwissenden Politikern und konservativ biederen Bürgern vorgebrachten Argumente hinsichtlich des Datenschutzes, der Privatsphäre, der Googles Datensammelwut und der eigenen Angst vor Öffentlichkeit sind so lange obsolet, wie es mit Streetview vergleichbare Angebote in Deutschland schon gibt; wir nicht sicher beweisen können, dass Google mit den Daten Schindluder betreibt (im Zweifel für den Angeklagten); der Staat selbst viel schlimmere Überwachung vornimmt; Fotos in Streetview im Durchschnitt älter als ein Jahr sind; ich selbst Straßen und Häuser besuchen kann um dort Fotos zu machen und vor allem wir wichtigere Themen haben, über die es sich zu streiten lohnt.

Trau dich Deutschland! Gib einem Dienst grünes Licht, der schon viel zu lange zerredet wurde. Nur wenn der Mensch etwas wagt, kann er auch fortschreiten. In Deutschland wagen wir leider viel zu selten etwas.

Kaj-Sören Mossdorf
Contra
Kaj-Sören Mossdorf
Zugegeben - es hört sich toll an: Einfach von zu Hause aus, die Umgebung des Urlaubshotels nach Bushaltestellen absuchen, den Blick vom Hotel aus ein- und die Entfernung zum Strand abschätzen.

Doch die Bilder sind meistens schon älter und auch das normale Google Maps erlaubt mir die Suche nach einer Bushaltestelle in der Nähe des Hotels. Hinzu kommt, dass ich, ausgehend von einer Häuserfassade, nicht beurteilen kann wie weit der Weg zum Strand ist. Viel praktikabler ist dafür doch Google Earth und die Satelliten- oder Karten-Ansicht von Google Maps.

Dennoch, es hört sich immer noch enorm praktisch an. Keiner muss mehr das Haus verlassen um seinem Nachbarn oder der künftigen Freundin über die Hecke ins Haus zu schauen. Von den Befürwortern des Projektes ist immer wieder zu hören, dass es doch auch bisher möglich sei dort vorbei zu fahren und selbst Fotos zu schießen. In meiner Nachbarschaft entdecke ich jedoch seltener Autos aus denen Spiegelreflexkameras ragen, die die Umgebung fotografieren. Die Mühe lohnt sich nicht wirklich. Google vereinfacht dies und nimmt einem die Mühe ab. Sollte die automatische Gesichtserkennung dann folgen, lassen sich sogar die Personen vorm Eck-Lokal identifizieren.

Google Street View macht es möglich und genau deshalb wurde es in den letzten Tagen und Wochen zu Recht kritisiert. Selbst das Verfahren der Einführung des neuen Dienstes ist typisch für Google und erinnert an Google Books. Dort wurden in gleicher Weise erst Fakten geschaffen und später folgten dann kleine Zugeständnisse. Auch die viel zu kurze Widerspruchsfrist gegen die Verwendung der Bilder in Google Street View deutet eher darauf hin, dass der Konzern eher die eigenen Pläne möglichst einfach vorantreiben will, als der Allgemeinheit einen Dienst zu erweisen.

Gemeinsamkeiten lassen sich selbst in den wirtschaftlichen Interessen finden. Google schuf Fakten und wollte mit den Ergebnissen Geld verdienen. Nach einem Eingeständnis wurden die Autoren am Gewinn beteiligt. Der öffentliche Raum hingegen stellt keinen Privatbesitz dar mit dem sich Geld verdienen lässt. Wie also will Google mir mein Foto bezahlen?

Insgesamt bleiben viele Fragen Dank der intransparenten Firmenpolitik offen. So wundert man sich zum Beispiel, spätestens seit der WLAN-Panne, was mit den Daten passiert. Wo werden sie gespeichert? Wo verarbeitet? Die Politik hat sich der Suche nach den Antworten verschrieben und kritisiert Google immer wieder. Reaktionen sind selten zu erkennen. Wie kann es angehen, dass ein Unternehmen sich der Öffentlichkeit gegenüber so stur stellen kann?

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