Meinung

Pro & Contra: Ist die Festnetz-Telefonie noch notwendig?

Handy-Tarife enthalten oft eine Allnet-Flatrate. Doch ist diese ein vollwertiger Ersatz zum Festnetz-Anschluss zuhause? Nicht jedem gefällt diese Vorstellung. Wir disku­tieren in unserem Pro & Contra, ob das Smartphone das Festnetz-Telefon ablösen kann.
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Kann das Handy das Festnetz-Telefon ablösenKann das Handy das Festnetz-Telefon ablösen? Klar: Wer unterwegs telefonieren möchte, greift heute zum Smartphone. Ob in der Bahn, im Café oder im Auto: Überall können wir telefonieren und uns mit unseren Freunden, Bekannten oder der Familie austauschen. Und das Smartphone hat ja noch weitere Vorteile: Es ist unser stetiger Begleiter, auf dem wir auch unsere Kontakte und deren Telefonnummern abgespeichert haben.

Doch was, wenn wir zuhause sind? Viele greifen dank günstiger Mobilfunktarife auch da zum Handy, andere hingegen setzen dann auf das Festnetztelefon. Warum ist das so? Welche Gründe sprechen für einen festen Telefonanschluss, welche sprechen dagegen? Wir disku­tieren in unserem Pro & Contra: Ist die Festnetz-Telefonie noch notwendig?

Pro und Contra

Hans-Georg Kluge
Pro
Hans-Georg Kluge
Trotz der Allnet-Flat bei meinem Handy telefoniere ich zuhause hauptsächlich über meinen Festnetzanschluss. Mein LG G3 ist recht breit und eher dünn. Mir persönlich gefällt aber die Haptik meines DECT-Telefons besser - das ist schmaler und dicker. So kann ich es auch mal zwischen Schulter und Ohr klemmen, wenn ich beide Hände benötige. Bei langen Telefonaten ist mir mein Smartphone zu unkomfortabel. Natürlich könnte ich mit einem Headset zumindest dieses Problem lösen - ein wirklich bequemes habe ich bislang aber noch nicht gefunden.

Aber selbst wenn mein Smartphone griffiger wäre, würde ich zuhause stets zu meinem Festnetztelefon greifen. Denn das Mobilfunknetz ist in meiner Wohnung recht schwach. In der Küche habe ich oftmals überhaupt kein Netz! Deswegen muss ich während eines Handy-Telefonats immer in Fenster­nähe bleiben - während des Telefonierens (mit dem Handy) die Küche aufräumen oder die Vorräte im Kühlschrank checken? Das geht bei mir zuhause nicht. Und ich bin noch rund eineinhalb Jahre an meinen Anbieter gebunden - ein schneller Wechsel ist also nicht möglich. All diese Probleme sind aktuell nur mit einem DECT-Telefon lösbar.

Und dann ist da natürlich auch die Tarif-Frage: Mein VDSL-Anschluss kommt ohnehin mit einer Festnetz-Flatrate - warum sollte ich die brach liegen lassen? Die Festnetznummer ist für viele Personen wichtig, die bei mir anrufen, weil lange Telefonate ins Handynetz ohne Flatrate eben immer noch eines sind: Teuer. Mein Handy kommt natürlich für Telefonate zu anderen Handys zum Zuge oder wenn ich unterwegs bin.

Zuhause bin ich auch deswegen ein Festnetz-Telefonierer, um den Akku meines Smartphones zu schonen. Und im Notfall kann ich langwierige Passagen eines Telefonats mit einer beherzten Surf-Session überbrücken.

Für die Ewigkeit lege ich mich aber nicht fest: VoIP-Dienste wie WhatsApp Call, Skype oder RedPhone machen mir das Smartphone-Telefonieren schmack­haft. Und eines ist ohnehin klar: Sollte ich mit meinem Handy in ein Netz wechseln, das eine bessere Indoor-Versorgung in meiner Wohnung leistet, werden die Karten neu gemischt. Bis heute allerdings war trotz wechselnder Tarife und Handys eines konstant: Zuhause greife ich zum Festnetztelefon.

Marleen Frontzeck
Contra
Marleen Frontzeck
In den Zeiten von Allnet-Flatrates und zubuchbaren Festnetz-Flats für etwa fünf Euro bei Prepaid-Tarifen sehe ich keinen Nutzen mehr für die gute alte Telefonie über den Festnetzanschluss. Ich selbst besitze zwar seit einigen Jahren eine VDSL-Doppel-Flatrate, bestehend aus Internet- und Festnetz-Flatrate, seitdem ich aber einen Mobilfunk-Vertrag mit Allnet-Flat habe, nutze ich die Festnetz-Flat für unbegrenzte Gespräche faktisch nicht mehr. Längere Gespräche sind auch kein Problem. In meinem Umfeld sind ebenfalls die meisten Personen auf einen Handy-Tarif mit Allnet-Flat umgesattelt oder haben sich zumindest eine zubuchbare Festnetz-Flat geholt. Außerdem kann man sich ja unter­ein­ander absprechen - wer keine Allnet-Flat hat, den Rufe ich dann halt an.

In puncto Gesprächs-Qualität kann ich mich bei der Telekom nicht beschweren. Längere Gespräche sind überhaupt kein Problem, so erfolgt die Telefonie bei mir zuhause über ein Headset und ich muss somit kein großes Smartphone oder ein Festnetz-Telefon in der Hand halten, sondern kann entspannt das Gespräch führen und nebenher noch etwas anderes machen.

Auch die Akku-Laufzeiten werden bei den modernen Smartphones immer besser und so komme ich dank zusätzliche Akku-Modi bei normaler Nutzung mit meinem Gerät über zwei Tage aus. Ein weiterer Vorteil ist natürlich, dass ich kein Festnetz-Telefon mehr benötige, ich setze voll auf mein Smartphone. Für den Notfall - sollte es Störungen geben oder das mobile Endgerät ist defekt - habe ich immer ein Backup-Gerät mit SIM-Karte für ein anderes Mobilfunknetz dabei. Man darf nicht vergessen: Auch das Festnetz kann gestört sein oder das DECT-Telefon den Geist aufgeben. Erst kürzlich hat Vodafone im Rahmen der CeBIT bekannt gegeben, Störungen beim Festnetz künftig mit dem Smartphone überbrücken zu wollen.

Für meine Zwecke und mein Nutzungsverhalten reicht mir das Handy als Ersatz für das Festnetz-Telefon völlig aus! Will ich etwas im Internet nachschauen, dann greife ich zum meinem Tablet oder Notebook. Außerdem ist bei einigen Anbietern sogar eine Festnetznummer im Mobilfunk-Tarif enthalten. Zudem tendiert gerade die jüngere Generation dazu, auch auf VoIP-Dienste wie Skype oder zukünftig WhatsApp zurückzugreifen.


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