Hochauflösend

Pro & Contra: 4K-Display beim Smartphone sinnvoll?

Die Smartphone-Hersteller werben mit immer höheren Pixeldichten. 4K-Displays bahnen sich als neuester Trend an. Sharp und Sony machen es vor, weitere Hersteller könnten schon bald folgen. Doch ist eine derart hohe Auflösung sinnvoll? Wir diskutieren darüber im Pro & Contra.
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Pro & Contra: 4K-Display beim Smartphone sinnvoll?Pro & Contra: 4K-Display beim Smartphone Nicht nur die Smartphones werden immer größer, auch deren Display-Auflösung wird stetig nach oben geschraubt. Was gab es für Begeisterungs­stürme, als die ersten Full-HD-Smartphones auf den Markt kamen. Abgelöst wurden sie schon bald von Geräten mit QHD-Auflösung, also 2560 mal 1440 Pixel. Schärfer kann die Darstellung kaum werden, so die breite Meinung. Doch dann zeigte Sharp Anfang 2015 das erste 4K-Smartphone. Sony stellte auf der IFA im selben Jahr mit dem Xperia Z5 Premium ebenfalls ein Gerät mit 4K-Screen vor.

4K - das bedeutet eine Auflösung von 3840 mal 2160 Pixel. Bei einer Diagonale von 5,5 Zoll, wie sie die Smartphones von Sharp und Sony haben, ergibt dies eine Pixeldichte von 806 ppi. Ist eine solch hohe Auflösung bei diesen im Vergleich zu Monitoren und Fernsehern kompakten Geräten sinnvoll oder bringt sie sogar negative Folgen für den Nutzer? Zwei Redakteure von teltarif.de diskutieren über diese Frage im aktuellen Pro & Contra.

Pro und Contra

Daniel Molenda
Pro
Daniel Molenda
Neue Technologien bekommen gerne bei ihrer Einführung Attribute wie "irr­witzig" und "über­trieben" zugewiesen. Ihre Vorteile müssen sich erst gegenüber der Skepsis durchsetzen. Der 4K-Auflösung oder Ultra HD auf dem Smartphone geht es da nicht anders.

Ich behaupte: Eine Pixel­dichte, wie sie 4K auf dem Smartphone mitbringt, wird der neue Standard. Denn niemand liebt Pixel. Also sollten sie so klein werden, dass sie aus dem sichtbaren Bereich ver­schwinden. Das erreicht man mit einer Pixel­dichte von ca. 800 ppi.

Full HD auf einem 5,5-Zoll-Gerät sieht zweifelsohne schick aus und bietet ein scharfes Bild. Doch wer genau hin­sieht, erkennt durchaus noch die einzelnen Bildpunkte. Rundungen wirken immer noch etwas schwammig. Das ist ein Luxusproblem. Doch der Luxus von heute ist der Standard von morgen.

Die bild­scharfe Darstellung von VR-Inhalten auf dem Smartphone wird in Zukunft ein sehr wichtiges Feature werden. Schon jetzt steht die virtuelle Realität schon längst nicht mehr nur in den Startlöchern. Ich wage die Pro­gnose, dass die VR-Brillen unsere Art und Weise, wie wir mit digitalen Inhal­ten arbeiten, leben und uns unter­halten, revolutionieren wird.

Doch VR-Brillen sind teuer. Dank Ultra-HD-Auflösung auf dem Smart­phone und einer günstigen Halterung als VR-Brillen-Ersatz (Google Cardboard oder Samsung Gear VR) sind die Inhalte auf demjenigen Gerät anzeigbar, das wir ohnehin ständig mit uns führen. Full HD reicht hierfür nicht aus. Zudem sind 4K-Kameras sind schon in einer Vielzahl von Geräten verbaut. Warum sollten wir diese Inhalte nicht auf eben jenem Gerät abspielen können, auf dem sie auf­genommen wurden?

4K muss nicht auf jedes Display, aber alle Tablets, alle Phablets und alle Highend-Smartphones mit größeren Bildschirmen werden von der Auflösung profitieren. Zu wünschen bleibt nur, dass Android endlich auch auf der Systemoberfläche Ultra-HD-fähig wird und 4K-Inhalte nicht skalieren muss.

Rita Deutschbein
Contra
Rita Deutschbein
Meiner Meinung nach dient das Rennen um eine immer höhere Pixel­dichte bei Smartphones den Herstellern vor allem als Werbung. Sony ist dies mit dem Xperia Z5 Premium auch gut gelungen, obwohl das Gerät nicht einmal einen echten 4K-Bild­schirm mitbringt. Statt­dessen skaliert der Grafik­chip Full-HD-Inhalte hoch - die Nutzer sehen somit jedes Pixel viermal. Für mich nicht wirklich Sinn der Sache.

Menschen können auf dem Handy jenseits der 300 ppi kaum noch Unterschiede bei der Darstellung ausmachen, ab 400 ppi ist bei jedem Schluss. Wenn ich also ein 5,5 Zoll großes Smartphone habe, auf dem mir über 800 ppi angezeigt werden, ist das zu viel des Guten. In den diversen Tests, die ich geschrieben habe, ist mir immer wieder aufgefallen, dass selbst der Unterschied zwischen Full-HD und QHD nur in direktem Vergleich aus­zumachen ist - und dann auch nur bei sehr genauer Betrachtung. Selbst beim Spielen von Games ist die Grafik bei QHD-Bild­schirmen in der Regel messer­scharf.

Warum also auf 4K gehen? Es gibt aktuell kaum Apps, die für die 4K-Darstellung angepasst sind, der Grafik­chip wird stärker beansprucht und auch der Akku oftmals mehr belastet. Und wozu das alles? Damit auf einem im Vergleich zu TV-Geräten winzigen Bildschirm mehr Bild­punkte angezeigt werden als ich überhaupt wahr­nehmen kann? Dazu kommt auch, dass ich für das 4K-Feature beim Xperia Z5 Premium aktuell etwa 120 Euro mehr bezahlen muss als für das Xperia Z5 mit Full-HD-Screen. Nein danke, sage ich da. Einzig bei der Nutzung von VR-Brillen sehe ich einen Grund für eine solch hohe Auflösung. Doch reicht diese Tatsache nicht aus, mich über die vielen negativen Folgen hinweg­zu­trösten. Bitte, liebe Hersteller, investiert eure Zeit lieber in die Entwicklung kompakter, leistungs­starker Akkus als auf der Pixel-Autobahn um die Wette zu rasen.


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