Breitband

Primacom will Tempo auf 400 bis 500 MBit/s steigern

Primacom hat sich für die Zukunft einige Ziele gesetzt. So will der Kabel­netzbetreiber den DSL-Anbietern den Rang ablaufen. Dafür will Primacom in den nächsten Jahren die Band­breite auf bis zu 500 MBit/s im Downstream beschleunigen.
Von Marleen Frontzeck-Hornke
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"Von heute 150 MBit/s werden wir uns in den nächsten Jahren in Richtung 400 - 500 MBit/s beschleunigen" - teilte Joachim Grendel von Primacom bei einem Treffen der Telekommunikations­branche [Link entfernt] mit. Das Unternehmen will den DSL-Anbietern im Privat- und Geschäfts­kunden­bereich den Rang ablaufen. Grendel prognostiziert dabei: "Wir haben eine spannende Zeit vor uns - für das Kupferkabel wird es dagegen schwierig." So habe zum Beispiel Vodafone im letzten Quartal einen Verlust von DSL-Kunden hinnehmen müssen, was wiederum durch die Übernahme von Kabel Deutschland ausbalanciert werden konnte. Bei dem Treffen stand dementsprechend auch das Thema Übernahmen im Raum. Hierzu sagte Grendel: "Das Kabel ist ein Skalengeschäft; wir werden in fünf Jahren deutlich weniger Anbieter im Markt sehen als heute."

Doch wer benötigt schon eine Beschleunigung der Bandbreite von über 150 MBit/s im Downstream? - wurde Joachim Grendel gefragt. Dieser wies entsprechend auf einen Anstieg der genutzten Bandbreite in den Haushalten hin. Primacom rechne "inzwischen mit einer Verdoppelung innerhalb acht, neun Monaten". Die Aussage von Grendel wurde zum Beispiel durch Jens Prautsch, Vorsitzender der Geschäftsführung des Münchner Betreibers M-Net, bestätigt. Demnach würden "immer mehr Fernseh­zuschauer parallel zum TV-Programm das Internet nutzen ('second screen')". Zudem ist M-net der Ansicht, dass "vernetzte Hausgeräte ('connected home') als neuer Megatrend den Bandbreitenhunger weiter anheizen werden".

Kritik an der Breitband-Förderung der Regierung

Primacom will Bandbreite beschleunigenPrimacom will Bandbreite beschleunigen Zudem stand die Breitband-Förderung der Regierung im Fokus. Diese habe einigen Branchenstimmen zufolge abstruse Folgen. So würde die Versorgung von Ballungsräumen gefördert, aber nicht wie gewünscht in den ländlichen Gebieten. Demnach würde die Telekom das Fördergeld dazu nutzen, um vorhandene Netze zu überbauen. Laut Joachim Grendel sei es ärgerlich, "wenn Kommunen mit Steuer­geldern nicht etwa dort Glasfaserkabel verlegten, wo Breitband fehlt, sondern ausgerechnet da, wo ein mittelständischer Kabelnetzbetreiber längst ein leistungs­starkes Breitband-Angebot bereit hält. Dieser Bau von überflüssigen Leitungen durch die öffentliche Hand sei gerade angesichts der extrem schwierigen Finanzlage vieler Kommunen unverständlich."

Primacom versorgt über 1,2 Millionen Haushalte mit der DSL-Alternative Internet über das TV-Kabel. Dabei werden vor allem in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern und in zahlreichen westdeutschen Schwerpunktregionen die Kabelanschlüsse zur Verfügung gestellt. Erst Ende April hatte Tele Columbus seine 400-MBit/s-Kabel-Tarife für 40 000 Haushalte in Potsdam gestartet. Ermöglicht wird die hohe Geschwindigkeit über eine auf FTTB-basierende Glasfaser-Koax-Struktur samt DOCSIS 3.0. Darüber sind theoretische Bandbreiten von bis zu 600 MBit/s im Downstream erreichbar. Bei DOCSIS 3.1 sind sogar bis zu 1 GBit/s möglich. Die Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland und Unitymedia ermöglichen derzeit bis zu 200 MBit/s im Downstream.

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