Keine Freischaltung

Diese Probleme treten bei der Prepaid-Identifizierung auf

Die Prepaid-Identifizierungspflicht führt offenbar dazu, dass einige Kunden momentan keine Prepaidkarte freigeschaltet bekommen. Betroffen sind Kunden mit ausländischem Ausweis ohne Adresse. Gilt ein vorläufiger deutscher Personalausweis?
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Die gesetzlich vorgeschriebene Identifizierungspflicht für die Käufer einer Prepaidkarte führt zu Problemen, die der Gesetzgeber oder die betroffenen Unternehmen möglicherweise übersehen haben. teltarif.de erreichten in den vergangenen Tagen vermehrt Beschwerden darüber, dass gekaufte SIM-Karten nicht registriert und freigeschaltet werden können.

Zunächst trat das Problem auf, dass bestehende Prepaidkarten einiger Mobilfunk-Marken nicht auf einen anderen Inhaber übertragen werden können, weil für die Identifizierung eines neuen Inhabers einer bestehenden SIM kein Verfahren existiert. Zumindest Vodafone hat mittlerweile ein derartiges Verfahren zum Inhaberwechsel mit Identifizierung installiert, allerdings nur für CallYa-Karten.

Darüber hinaus gibt es momentan mehrere Personengruppen, die seit dem 1. Juli offenbar gar keine Prepaidkarte mehr registrieren können - und dabei handelt es sich nicht um potenzielle Terroristen, sondern um unbescholtene Bürger.

Ausländische Staatsbürger mit Ausweis ohne Adresse

Probleme bei der Prepaid-IdentifizierungProbleme bei der Prepaid-Identifizierung Ein teltarif.de-Leser schreibt uns:

Die Zwangsregistrierung von SIM-Karten mag gesetzlich legitim sein. Polnische Staatsbürger, die noch nicht in Deutschland eingebürgert sind, aber hier leben, werden diskriminiert. Warum? Polen, die in Deutschland leben und über einen neuen polnischen Pass verfügen, haben in diesem keine Adresse. Die polnischen Verwaltungen tragen keine deutschen Adressdaten im Ausweis ein, die deutschen Meldeämter dürfen dort nichts eintragen. Ergebnis: Kein Video-Ident möglich, auch im Vodafone-Shop wird der Kunde abgelehnt. Das gleiche Problem besteht bei der Legitimation mit PostIdent, auch direkt und persönlich am Postschalter werden diese Kunden abgewiesen. Hier müsste die EU nachbessern.

Unklar ist, ob der Gesetzgeber diese Fälle vor der Einführung der Identifizierungspflicht wirklich bedacht hat. Möglicherweise bleibt das Problem auch nicht auf polnische Ausweise beschränkt. Davon betroffen sein könnten beispielsweise auch Kunden mit einer Identity Card des Vereinigten Königreichs, da darauf ebenfalls keine (deutsche) Wohnort-Adresse angegeben wird.

Ebenfalls nicht geklärt ist, wenn ein Bürger eines beispielsweise asiatischen Landes eine Prepaid-Karte identifizieren lassen möchte und der WebID- oder Shop-Mitarbeiter die Schrift der Heimatsprache des Kunden nicht lesen kann. Möglicherweise wird es für russische, chinesische, koreanische oder japanische Bürger und Touristen schwer bis unmöglich, mit dem Ausweis ihres Heimatlandes eine Identitätsprüfung durchzuführen. teltarif.de liegen dazu allerdings noch keine Berichte von Betroffenen vor.

Inhaber eines vorläufigen deutschen Personalausweises

Mittlerweile hat sich im teltarif.de-Forum auch der Inhaber eines deutschen vorläufigen Personalausweises gemeldet. Er berichtet, dass er den Identifizierungsprozess bei WebID mit einem vorläufigen Personalausweis durchführen wollte.

Von WebID wurde ihm aber mitgeteilt, dass dieses Dokument nicht zur Identifizierung verwendet werden dürfe. Der Kunde entschloss sich also dazu, die bei Vodafone gekaufte SIM-Karte wieder zurückzubringen.

Grundsätzlich berichten Kunden weiterhin nicht nur von langen Wartezeiten bei WebID, sondern auch von technischen Problemen, ähnlich wie wir sie in unserem WebID-Test selbst erlebt hatten. Offenbar werden ältere Browser nicht unterstützt, was zur Folge hat, dass Kunden mit älteren Laptops oder Smartphones, auf denen veraltete Betriebssysteme und Browser laufen, den Identifizierungsprozess nicht durchführen können.

Auch das Verhalten der Callcenter-Mitarbeiter steht zum Teil in der Kritik. Je nach Lichtverhältnissen und der Geschwindigkeit der Smartphone-Kamera(-Software) kann es mehrere Sekunden dauern, bis die Kamera(-Software) korrekt auf den Personalausweis fokussiert hat, den der Kunde gerade unter die Linse hält. Ein teltarif.de-Leser beschwert sich darüber, dass ein WebID-Mitarbeiter sofort das Gespräch beendet habe, als er das noch nicht fokussierte unscharfe Bild gesehen habe. Der WebID-Mitarbeiter habe nicht einmal die Fokussierung der vielleicht etwas langsamen Smartphone-Kamera abgewartet.

Führt die neue Identifizierungspflicht zu Umsatzeinbußen bei den Providern?

teltarif.de steht mit mehreren Providern in Kontakt wegen der anhaltenden Probleme bei der Prepaid-Identifizierungspflicht und deren Umsetzung. Auf die Frage nach Umsatzeinbußen und sinkenden Verkaufszahlen äußern sich die Provider noch verhalten, es gibt aber erste Anzeichen, dass einzelne Provider seit dem 1. Juli weniger Prepaid-SIM-Karten verkaufen als zuvor. Endgültige Zahlen können die Provider aber erst in einigen Wochen vorlegen.

Darüber hinaus hat teltarif.de auch mit der Bundesnetzagentur Kontakt aufgenommen, um zu klären, wie Einwohner mit ausländischem Ausweis ohne aufgedruckte Wohnadresse in Deutschland eine Prepaidkarte erwerben und registrieren können. Auch zum momentan bei einigen Providern nicht möglichen Inhaberwechsel einer Prepaidkarte haben wir eine Anfrage an die BNetzA gesandt. Lesen Sie mehr zur Stellungnahme der Behörde.

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