Vergleich

vzbv: Mobile Daten in Deutschland viel zu teuer

Regel­mäßig werden die Mobil­funk­tarife in Deutsch­land preis­lich als "zu hoch" kriti­siert. Der Verbrau­cher­zen­trale Bundes­ver­band (vzbv) hat nun Zahlen vorge­legt, die aber nur bedingt zutreffen.

Sind die Datentarife in Deutschland zu teuer? Die Antwort lautet: Jein. Es hängt vom eigenen Tarif und der Nutzung ab. Sind die Datentarife in Deutschland zu teuer? Die Antwort lautet: Jein. Es hängt vom eigenen Tarif und der Nutzung ab.
Bild: teltarif.de
Regel­mäßig poppt die Diskus­sion auf, dass Mobil­funk in Deutsch­land so fürch­ter­lich teuer sei. Jetzt hat der Verbrau­cher­zen­trale Bundes­ver­band (vzbv) das Thema für sich entdeckt:

Was kostet 1 GB Volumen?

Dabei wurden die Kosten für 1 GB mobiles Daten­volumen in mehreren euro­päi­schen Ländern vergli­chen. Das Ergebnis verwun­dert keinen: Im Vergleich zu anderen euro­päi­schen Ländern ist mobiles Internet in Deutsch­land über­durch­schnitt­lich teuer, stellt der vzbv fest. Auch ist lange bekannt, dass das mobil genutzte Daten­volumen in Deutsch­land konti­nuier­lich ansteigt.

Sind die Datentarife in Deutschland zu teuer? Die Antwort lautet: Jein. Es hängt vom eigenen Tarif und der Nutzung ab. Sind die Datentarife in Deutschland zu teuer? Die Antwort lautet: Jein. Es hängt vom eigenen Tarif und der Nutzung ab.
Bild: teltarif.de
Der vzbv hat die Preis­struk­turen für mobiles Daten­volumen in Deutsch­land mit anderen euro­päi­schen Ländern vergli­chen. Sein Ergebnis: Die Preise für Mobil­funk­leis­tungen in Deutsch­land und Europa sinken. Doch mit Blick auf die Nach­bar­länder seien die Ange­bote für mobiles Daten­volumen ohne Zusatz­leis­tungen in Deutsch­land "über­durch­schnitt­lich teuer".

Unter­wegs E-Mails beant­worten, mit dem Smart­phone navi­gieren oder online einkaufen – mobiles Internet ist aus dem Alltag der Verbrau­cher nicht mehr wegzu­denken. In Regionen mit unzu­rei­chender statio­närer Breit­band­ver­sor­gung sei mitunter Home­office nur mit mobilem Daten­volumen möglich.

80 Prozent nutzen das mobile Internet

Im Jahr 2020 nutzten 80 Prozent der über 14-Jährigen in Deutsch­land das mobile Internet. Verbrau­cher­freund­liche, euro­paweit wett­bewerbs­fähige Preise für mobiles Internet dienten daher der Daseins­vor­sorge, findet der Verband. Wer wollte da wider­spre­chen? Im Vergleich des Verbraucherzentrale Bundesverband sehen die Preise in Deutschland gegenüber seinen Nachbarn nicht gut aus. Im Vergleich des Verbraucherzentrale Bundesverband sehen die Preise in Deutschland gegenüber seinen Nachbarn nicht gut aus.
Grafik: vzbv
Doch im Jahr 2019 zahlten deut­sche Verbrau­cher im Schnitt etwa drei Mal so viel wie Endkunden in den beson­ders güns­tigen euro­päi­schen Ländern. Dies zeige sich anhand der durch­schnitt­lichen Kosten für ein Giga­byte mobiles Daten­volumen bei reinen Daten­tarifen, die in den euro­päi­schen Ländern stark vari­ieren. Zum Beispiel zahlten nach Berech­nungen des Verbandes im Jahr 2019 Verbrau­cher in Polen 83 Cent für ein Giga­byte mobiles Daten­volumen, während in Deutsch­land der Preis dafür bei 3,35 Euro gelegen habe.

Obwohl die Preise für Mobil­funk­leis­tungen in Deutsch­land und Europa sinken, stehe Deutsch­land im Vergleich zu den unter­suchten Ländern konti­nuier­lich auf Platz eins oder zwei der teuersten Länder für mobiles Internet.

Update: State­ment des vzbv zur Syste­matik

Wir haben den vzbv mit unserer Analyse konfron­tiert und um eine Stel­lung­nahme gebeten. Der vzbv schrieb uns: "Wir haben ausdrück­lich nur die reinen Daten­pakete vergli­chen, basie­rend auf den Rohdaten der EU-Kommis­sion. Die EU-Kommis­sion selbst führt jähr­lich sehr umfang­reiche Erhe­bungen durch mit Erläu­terungen zur Methodik.

Mobil­funk­pakete, die neben mobilem Daten­volumen noch andere Leis­tungen enthalten (Gesprächs­minuten etc.) haben wir ausdrück­lich nicht erfasst (dies ergibt sich sogar aus der Fußnote der Grafik). Hinter­grund ist, dass bei Kombi­paketen der Preis nicht eindeutig den einzelnen Leis­tungs­bestand­teilen zuge­ordnet werden kann.

Logi­scher­weise wurden bei den anderen euro­päi­schen Ländern auch nur die reinen Daten­pakete berück­sich­tigt, sodass es hier nicht zu Verzer­rungen kommt.

Die Daten der EU-Kommis­sion liegen aktuell nur für die Jahre bis einschließ­lich 2019 vor (die Daten für 2020 veröf­fent­licht die Kommis­sion frühes­tens im Herbst).

Durch diese Zeit­ver­zöge­rung konnten zwischen­zeit­liche Preis­sen­kungen nicht berück­sich­tigt werden. Wir weisen ja auch in allen Mate­ria­lien darauf hin, dass die Mobil­funk­preise in Deutsch­land und der EU konti­nuier­lich sinken und kriti­sieren nur die Preis­dif­ferenz zwischen den euro­päi­schen Ländern."

Wer tiefer in die Materie einsteigen will, kann Syste­matik des VZBV studieren.

Eine Einschät­zung (von Henning Gajek)

Das Thema ist ein Dauer­brenner. Regel­mäßig wird vorge­rechnet, wie teuer es in Deutsch­land und wie günstig es anderswo sei. Doch das greift zu kurz und stimmt oft auch gar nicht. Wenn ein Kunde von vorn­herein weiß, dass er mehr Daten brau­chen wird, kann er ein größeres Daten­paket kaufen und dann passt es besser und wird güns­tiger.

Selbst für den schmalen Geld­beutel gibt es längst güns­tigere Tarife. Nehmen wir fraenk im Netz der Telekom: Hier gibt es 4 GB Daten für monat­liche 10 Euro. Nebenan im Netz von Voda­fone präsen­tiert uns der freche Waschbär SIMon die doppelte Daten­menge für einen noch gerin­geren Preis von 8,99 Euro. Und im Netz von o2 hat Aldi Talk beispiels­weise 3 GB für 7,99 Euro oder o2 den Free Boost M Tarif mit 20 GB für 30 Euro, was in beiden Fällen deut­lich unter den genannten 3,35 Euro pro GB liegt.

Richtig teuer wird es in der Tat, wenn man kein oder ein zu kleines Daten­paket bucht und dann mitten im Monat Volumen nach­laden muss. Da können 500 MB Zusatz­gut­haben lockere 7,50 Euro kosten, was einem rech­neri­schen GB-Preis von 15 Euro (!) entspräche.

Richtig teuer wird es bei Stein­zeit-Tarifen aus der Anfangs­zeit der Daten­welt, die vom Netz­betreiber oder Provider nie geän­dert, sondern tapfer weiter berechnet werden.

Unschön ist es auch, dass eigent­lich monat­lich abzu­rech­nende Prepaid-Verträge oder Pakete auf einmal auf 4 Wochen verkürzt wurden, was rech­nerisch einer Preis­erhö­hung von etwa 10 Prozent gleich­kommt. Unbe­greif­lich bleibt, warum die Wett­bewerbs­behörden oder Abmahn­ver­eine hier nicht einschreiten. In Italien wurde das gleiche Wechsel-Spiel versucht und direkt vom zustän­digen Minis­terium gegen Andro­hung schmerz­licher Bußgelder wieder einkas­siert. Dort müssen bei der Nummern­por­tie­rung sogar Prepaid-Rest­gut­haben an den neuen Anbieter mitge­geben werden.

Damit Sie nicht unter hohen Daten­preisen leiden müssen, infor­mieren Sie sich in unserem Tarif­ver­gleich.

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