Aufreger

Telekom kündigt Geschäftskunden Preiserhöhung an

Das Timing hätte gruse­liger nicht sein können: Ausge­rechnet in der Corona-Krise flat­tert einigen Geschäfts­kunden ein Schreiben der Telekom auf den Tisch: Preis­erhö­hung.
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Dass Tele­kommu­nika­tion in diesen Tagen wichtig ist, haben wir schon mehr­fach berichtet. Welche psycho­logi­schen Folgen schlechtes Timing haben kann, zeigt die Telekom in einigen aktu­ellen Fällen, die jetzt bekannt wurden.

Schreiben mit Preis­erhö­hung

Kleine Unternehmen und Selbständige wissen in diesen Tagen nicht, wie es weiter gehen soll. Sie könnten Post der Telekom mit einer Preiserhöhung bekommen haben.Kleine Unternehmen und Selbständige wissen in diesen Tagen nicht, wie es weiter gehen soll. Sie könnten Post der Telekom mit einer Preiserhöhung bekommen haben. Da flat­terte einigen Geschäfts­kunden ausge­rechnet in dieser schwie­rigen Zeit ein Brief auf den Tisch, der eine Preis­erhö­hung für den gebuchten Telekom-Anschluss im Tarif „DeutschlandLAN IP“ ankün­digt.

Der Brief ist in aller­feinstem Marke­ting-Sprech formu­liert, was vielen Klein­unter­nehmern und Selbst­stän­digen in diesen wirt­schaft­lich schwie­rigen Zeiten einen zusätz­lichen Schlag verpassen dürfte:

„Sie gehören zu unseren treuen Geschäfts­part­nern. Dafür bedanken wir uns ganz herz­lich. Ihre Treue zeigt uns, dass Sie sich bei uns wohl­fühlen. Daher hoffen wir, dass Sie unsere Entschei­dung nach­voll­ziehen können.

"Seit Jahren leistet die Telekom Enormes für beste Netz­qualität: Wir erwei­tern und moder­nisieren das Netz konstant…“, um dann zum Kern des Problems zu kommen:

"Der Monat­liche Grund­preis für Ihren DeutschlandLAN IP Voice/Data S Premium erhöht sich ab dem 01.06.2020 von 49,95 Euro (brutto 59,45 Euro) auf 51,95 Euro (61,83 Euro brutto). Die Vertrags­kondi­tionen Ihres Busi­ness Call Advanced- bzw. BusinessBundle Advanced Vertrages werden entspre­chend auf den neuen Preis ange­wendet.“

teltarif.de hat nach­gefragt

teltarif.de hat bei der Telekom nach­gefragt: „Im Hinter­grund läuft ein Prozess, der schon im letzten Jahr ange­stoßen wurde: Bereits im letzten Jahr haben wir eine Preis­erhö­hung für das Produkt DeutschlandLAN für Neukunden einge­führt. Sukzes­sive wurden und werden auch die Bestands­kunden jeweils zum Ende der Vertrags­lauf­zeit umge­stellt. Es handelt sich also um ein stan­dard­mäßiges Ankün­digungs­schreiben welches momentan an alle DeutschlandLAN Kunden versendet wird. Die Preis­erhö­hung wird erst zum 1.6. umge­setzt. Daher werden die Kunden früh­zeitig über Preis­erhö­hungen infor­miert. Das Versenden der Schreiben [war] bereits lang­fristig geplant und system­seitig auto­matisch. Für den unpas­senden Zeit­punkt dieses Schrei­bens bitten wir unsere Kunden um Entschul­digung.“

Auf Deutsch: Es war uns nicht möglich, aufgrund der aktu­ellen Lage diesen auto­mati­schen Prozess anzu­halten. Der psycho­logi­sche Schaden dürfte bei einigen Geschäfts­kunden, die derzeit nicht wissen, wovon sie Miete, Strom und Telefon über­haupt bezahlen sollen, beträcht­lich sein.

Eine Einschät­zung

Preis­erhö­hungen sind im klas­sischen Tele­kommu­nika­tions­sektor für viele Kunden eigent­lich ein ziem­liches Fremd­wort. Denn: Wo sie ausge­spro­chen werden, könnten unzu­frie­dene Kunden sofort ihr außer­ordent­liches Kündi­gungs­recht wahr­nehmen und ziehen zum nächsten Anbieter. Etwas anders sieht es bei Kabel-TV-Anschlüssen aus. Da gibt es oft keine Alter­native, der Kunde ist gefangen und schluckt Preis­erhö­hungen zähne­knir­schend.

Bei Geschäfts­kunden kommt hinzu, dass diese noch berück­sich­tigen müssen, dass ein Anschluss für das Unter­nehmen lebens­wichtig ist. Da wech­selt man nur aus einem wirk­lich wich­tigen Grund den Anbieter, denn jede Minute Ausfall kann richtig Geld kosten. Nun sind die Zeiten im Moment komplett andere.

Schade ist, dass die Telekom nach Bekannt­werden des Problems nicht sofort umge­hend diese Preis­erhö­hung gestoppt hat und das ihren Kunden dann auch so mitteilt. Corona hin oder her: Würde die Telekom bei ihren Bestands­kunden auf diese Preis­erhö­hung verzichten, wäre das in der Summe auch Geld, aber so ganz nebenbei eine gute Werbe­maßnahme, weiter dort Kunde zu bleiben. Auch ist für den unein­geweihten Beob­achter schwer zu verstehen, warum diese Preis­erhö­hungen nur in ganz bestimmten Tarifen notwendig sind und in anderen nicht.

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