Preis-Poker

VATM: Telekom will sich Glasfaserausbau bezahlen lassen

Der Verband der Anbieter von Tele­kom­muni­kations- und Mehr­wert­dienst­leis­tungen (VATM) kriti­siert geplante Preis­stei­gerungen der Telekom bei Breit­band­anschlüssen, die nicht zu mehr Glas­faser­anschlüssen führen würden.

Aktuell streiten sich Telekom und der VATM über neue Preise für Vorleistungen. Die Telekom will mehr, der VATM weniger. Aktuell streiten sich Telekom und der VATM über neue Preise für Vorleistungen. Die Telekom will mehr, der VATM weniger.
Foto: Image licensed by Ingram Image, Logos: Telekom/VATM/BNetzA, Montage: teltarif.de
Netz­betreiber betreiben Netze. Um damit zum Kunden zu kommen, brau­chen sie Leitungen, die sie entweder selbst legen oder bei anderen Netz­betrei­bern mieten.

Die meisten Leitungen hat - aus histo­rischen Gründen - die Deut­sche Telekom, Nach­fol­gerin der einst staat­lichen Deut­schen Bundes­post Telekom. Und weil die Telekom damit ein "Monopol", pardon eine "markt­beherr­schende" Stel­lung hat, wurde die Bundes­netz­agentur vom Gesetz­geber beauf­tragt, diese Preise fest­zulegen oder zu kontrol­lieren.

Reine Leitungen gibt es heute kaum noch, man mietet ein Bitstrom-Produkt: Das sind Leitungen gleich mit einem Signal drauf (z.B.(V)DSL), das die Telekom dann vom Endkunden dem nach­fra­genden Netz­betreiber durch­reicht. Der Netz­betreiber entscheidet dann, wo er weiter ins Internet geht, verbindet die ange­for­derten Tele­fon­gespräche, legt Geschwin­dig­keiten, Daten­mengen und Preise fest, die er an den End-Kunden berechnet.

Preis­ver­hand­lungen stecken fest

Aktuell streiten sich Telekom und der VATM über neue Preise für Vorleistungen. Die Telekom will mehr, der VATM weniger. Aktuell streiten sich Telekom und der VATM über neue Preise für Vorleistungen. Die Telekom will mehr, der VATM weniger.
Foto: Image licensed by Ingram Image, Logos: Telekom/VATM/BNetzA, Montage: teltarif.de
Aktuell finden mal wieder Verhand­lungen über diese Vorleis­tungen statt. Die Telekom möchte künftig mehr dafür haben, die Nach­frager, die sich beispiels­weise im Verband VATM zusam­men­geschlossen haben, finden die Preise heute schon als viel zu hoch und wären eher für spür­bare Preis­sen­kungen zu haben.

Mit einer nach­drück­lichen Auffor­derung sollte vonseiten der Bundes­netz­agentur (BNetzA) noch einmal Bewe­gung in die fest­gefah­renen Verhand­lungen über die Preise zentraler Vorleis­tungs­pro­dukte für die Branche gebracht werden, meldet sich der VATM zu Wort.

Auf dem Netz der Telekom machten diese Bitstrom­pro­dukte fast 98 Prozent der Kunden­ange­bote aus. Die stärksten Preis­stei­gerungen sollen gerade die am meisten von den Kunden genutzten Band­breiten mit 50 und 100 MBit/s betreffen, schimpft der VATM.

Derzeit sei "kein substan­zielles Entge­gen­kommen der Telekom" in Rich­tung der Wett­bewerber erkennbar. Sie gehe offenbar davon aus, dass ihre Preis­for­derungen von der BNetzA unver­ändert geneh­migt werden.

Hohe Vorpro­dukt­preise verhin­dern den schnellen Wechsel

„Die schon heute hohen Vorpro­dukt­preise haben in Wahr­heit den schnellen Wechsel auf FTTB/H (Glas­faser ins Haus) auf Seiten der Telekom nicht geför­dert, sondern sogar verhin­dert“, kriti­siert VATM-Geschäfts­führer Jürgen Grützner. „Die nun ange­kün­digten zwei Millionen FTTH-Anschlüsse jähr­lich sind allein die Reak­tion auf den zuneh­menden Wett­bewerb. Genau diesen würden nun aber stei­gende Preise für die Wett­bewerber und ihre Kunden massiv schwä­chen. Das wäre aus wirt­schaft­licher Sicht eine schwere Hypo­thek für die Bürger und die Zukunft Deutsch­lands“.

Will sich die Telekom den Glas­faser­ausbau bezahlen lassen?

Der VATM hat die Telekom im Verdacht, sich die Kosten des Glas­faser­aus­baus von den Mitbe­wer­bern bezahlen lassen zu wollen. Der VATM ist da natür­lich strikt dagegen, weil die Verbrau­cher/innen "sonst ohne jede Leis­tungs­ver­bes­serung allein für einen Wett­bewerbs­vor­teil der Telekom zur Kasse gebeten würden und das ohne über­haupt aktuell auf ein Glas­faser­netz der Telekom wech­seln zu können“.

Bei rund 40 Millionen Fest­netz­anschlüssen werde so schnell deut­lich, dass ein baldiger Wechsel auf ein Glas­faser­netz der Telekom für die meisten Kunden auf abseh­bare Zeit unmög­lich bleiben werde.

„Höhere Preise für gleiche Qualität auf alten Kupfer­lei­tungen wären aber unfair und vonseiten der Wett­bewerber wollen wir nicht dabei helfen, diese durch­zusetzen. Dabei stehen die Wett­bewerber der Telekom aller­dings vor einem Dilemma. Gäben sie die Preis­erhö­hungen nicht weiter, wären sie nicht mehr wett­bewerbs­fähig“, befürchtet Grützner.

VATM sieht Spiel­raum

Der VATM habe in wissen­schaft­lichen Gutachten deut­lich gezeigt, dass bei vielen Kosten­ele­menten erheb­licher Spiel­raum bestehe, tatsäch­lich stei­gende Kupfer- oder Tief­bau­preise auszu­glei­chen und lang­fristig stabile Preise zu halten.

„Dies würde für den gesamten Markt, die Glas­faser ausbau­enden Unter­nehmen und die Kunden Planungs­sicher­heit für alle Betei­ligten schaffen. Wir müssen sicher­stellen, dass alter­native Anbieter und ihre Kunden nicht unfrei­willig der Telekom ihre längst abge­schrie­benen Kupfer­netze und Vecto­ring ein zweites Mal vergolden."

Eine Einschät­zung (von Henning Gajek)

Die Telekom möchte (für Viele viel zu spät, für Andere gerade richtig) endlich Glas­faser in die Häuser oder Wohnungen bringen und dabei auch Orte errei­chen, wo bislang nur "schnarch­lang­sames" Kupfer liegt. Das kostet Geld, viel Geld. Das kann man sich leihen, man kann es aber auch aus dem laufenden Betrieb verdienen.

Die Wett­bewerber der Telekom leben davon, dass sie "güns­tiger" als die Telekom sind, damit deren preis­bewussten Kunden zu den Wett­bewer­bern wech­seln. Die Mehr­heit denkt, "never touch a running system" (Nichts anrühren!) und ändert nichts. Wenn nun die Telekom die Vorleis­tungs­preise erhöht, müssten die Wett­bewerber nach­ziehen und wären nicht mehr güns­tiger, verlören damit ein Haupt-Wech­sel­argu­ment.

Andere Argu­mente wie bessere Geschwin­dig­keit, bessere Technik oder gar besserer Service kosten richtig Geld und das muss auch irgendwo wieder verdient werden. Für viele Anbieter offenbar keine Option.

Als Außen­ste­hende erleben wir derzeit eine Poker-Runde, wo alle Betei­ligten das Beste für sich heraus­holen wollen. Die Bundes­netz­agentur wird am Ende einen Spruch fällen, der garan­tiert keinem der beiden Parteien gefällt.

Der End-Kunde wird sich genau anschauen, bei welchem Anbieter er was geboten bekommt und welche Fall­türen sich im Falle einer Störung oder beim Wechsel des Anbie­ters für den Kunden auftun. Tage­langes Ping-Pong zwischen Anbie­tern ("die anderen sind Schuld"), verzwei­feltes Warten auf den Tech­niker, das tut sich kaum ein Kunde frei­willig ein zweites oder drittes Mal an.

Welche Fest­netz-Ange­bote es gibt und was sie kosten und welche "Neben­wir­kungen" sie haben könnten, finden Sie in unserem Tarif­ver­gleich.

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