Sicherheitsprogramme

Portable Apps: Das Lieblingsprogramm am Schlüsselbund immer mit dabei

Auf fremden PCs im Internet-Café oder in der Uni sind die Lieblingsprogramme oftmals nicht installiert. Um die Software dennoch und auch ohne Rechte nutzen zu können, kann man auf deren Version als Portable App zurückgreifen. Sie wird vom USB-Stick aus gestartet und ist mit beinahe jedem Betriebssystem kompatibel.
Von Jennifer Buchholz mit Material von dpa
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Als Portable Apps wird Software bezeichnet, die keine Installation voraus­setzt und nur wenig mit dem Betriebs­system interagieren muss. Solche Programme müssen nicht unbedingt immer auf einem Rechner installiert sein, statt­dessen kann der Nutzer sie auch von einem USB-Stick aus starten. Das hat gleich mehrere Vorteile: Portable Apps hinter­lassen keine Spuren auf dem Rechner und verursachen keinen Ballast. Sie registrieren sich nicht im Betriebs­system und sparen so Ressourcen. Und das Beste: Sie können überall hin mit­ge­nommen und mit jedem beliebigen Rechner ausgeführt werden.

Das Lieblingsprogramm mit ins Internet-Café nehmen

Beinahe jedes Programm wird auch als Portable App angebotenBeinahe jedes Programm wird auch als Portable App angeboten An­wendungs­bei­spiele gibt es einige. "Am häufigsten werden Portable Apps bei der Wartung durch Administratoren eingesetzt", erklärt Jörg Wirtgen von der Computer­zeit­schrift c't. Aber auch reguläre Computer­nutzer können so ihre Lieblings­programme auf fremde Rechner transportieren: Oft fehlt auf Computern in Internet-Cafés, Bibliotheken oder Hochschulen zum Beispiel Software für Komprimierung. Manche Datenpakete können so nicht geöffnet werden. Abhilfe schafft die portable Version von 7-Zip.

Selbst komplexe Bild­be­arbeitungs­software wie das kostenlose Gimp passt dank einer eigenen Portable-Version in jede Hosen­tasche, ebenso OpenOffice und LibreOffice. Und auch Programme, die eigentlich auf jedem Rechner vorhanden sind, können auf einem Portable-Apps-Stick sinnvoll sein. Dazu gehört etwa der Browser: Das Tor Browser Bundle mit integriertem Firefox, das direkt von einem USB-Stick aus läuft, ermöglicht anonymes Surfen an jedem PC.

Auch die eigenen E-Mails lassen sich per Stick bequem überall abrufen, ohne mühevoll einen neuen Client einzurichten. Mit Thunderbird Portable hat man sein Postfach zum Beispiel immer dabei, die mobile Version unterstützt sogar die Erweiterung Enigmail für verschlüsselte Nachrichten.

"Diese Lösung ist wesentlich sicherer, als auf einem fremden Rechner über einen Webclient E-Mails abzurufen", sagt Michael Lamberty vom Institut für Internet-Sicherheit. "Auf fremden Rechnern weiß man schließlich nie, ob Spyware darauf aktiv ist." Der Sicherheits­experte empfiehlt außerdem KeePass Portable. Das Programm verwaltet Zugangsdaten und verschlüsselt sie in einer Datei, die nur mit einem Master-Passwort geöffnet werden kann, und wird so zum digitalen Schlüsselbund.

Portable Apps als Werkstatt

Auch zur Reparatur an­ge­schlagener oder viren­verseuchter Rechner können die Portable Apps nützlich sein. Diagnose­programme, Tools zur Bereinigung der Registry oder Wieder­her­stellung von Daten: Wer alles schon auf einem Stick parat hat, spart sich im Notfall viel Arbeit.

Einige Anbieter bieten komplette Pakete mit portabler Software an, darunter nicht nur Sicher­heits­programme. "Portableapps.com hat das vielleicht größte und am besten gepflegte Angebot", sagt Jörg Wirtgen. Hier gibt es auch die portablen Versionen der meisten populären Programme als Einzel­download. Andere Paket­anbieter sind zum Beispiel Lupo PenSuite oder LiberKey, das Software-Angebot ist aber überall sehr ähnlich. Ansonsten rät der Redakteur Nutzern, die eigenen Lieblings­pro­gramme einfach mit Zusätzen wie "portable" oder "stick" im Netz zu suchen. "Erstaunlich viele An­wendungen haben so eine Option."

Erfahrene Nutzer können Portable Apps theoretisch auch selbst erstellen. Allerdings ist nicht jedes Programm dafür geeignet. Viren­schutz-Software muss zum Beispiel tief ins System eingreifen, um richtig zu funktionieren. Über einen Stick ist das nicht machbar. Bei anderen Programmen spielen die Lizenz­rechte nicht mit, die eine feste An­bindung an ein System fordern.

Wer trotzdem testen will, ob seine wichtigsten Tools auch auf einem Stick funktionieren, kann das kosten­lose Cameyo aus­probieren. Das Programm zeichnet die Installation eines Programmes auf und versucht dann, eine sogenannte virtuelle Umgebung zu schaffen, in der das Programm portabel ausführbar ist. Eine Erfolgs­garantie gibt es dabei aber nicht.

Aber auch für Rechner mit geringer Speicher­kapa­zität, wie es beispielsweise bei Netbooks der Fall ist, sind Portable Apps nützlich. Wenn Sie jedoch lieber Ihre Daten komplett löschen möchten, um mehr Speicherplatz zu erhalten, können Sie in unserem Ratgeber nachlesen, wie dies funktioniert.

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