Hintergrund

Porno-Produzent: Soviel Geld verdienen wir mit den Abmahnungen

Immer noch erhalten Nutzer des Streaming-Portals Redtube Abmahnungen, weil sie einen urheberrechtlich geschützten Film angeschaut haben sollen. Nun klagt ein Porno-Produzent sein Leid und erklärt, warum Abmahnungen für das Geschäft unerlässlich sind.
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Die Abmahnungen gegen Nutzer des Streaming-Portals Redtube, nach der sie einen urheberrechtlich geschützten Film angeschaut haben sollen, haben in den vergangenen Tagen viele rechtliche und technische Probleme aufgeworfen. Nach wie vor ist nicht zweifelsfrei geklärt, wie die Industrie an die IP-Adressen gelangt ist. Sollte dies auf illegalem Wege vonstatten gegangen sein, könnte das für die abmahnenden Anwälte unter Umständen erhebliche rechtliche Konsequenzen haben. Gegenüber der "Welt am Sonntag" klagte nun ein Porno-Produzent sein Leid und erklärt, warum Abmahnungen für das Geschäft unerlässlich sind und warum dies auch für Anwälte ein lohnendes Geschäftsmodell sein kann.

In einem auf welt.de veröffentlichten Artikel beklagt der Branchen-Insider, der im übrigen anonym bleiben will, den Niedergang der "klassischen" Porno-Branche, die im Internet über Jahre ihr Geld mit urheberrechtlich geschützten Bezahlinhalten verdient hat. Schon damals sei es gang und gäbe gewesen, Filesharing-Tauschbörsen auf die Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Filmen zu untersuchen. Wurde ein geschützter Porno-Film dort entdeckt, begann das übliche Ritual: IP-Adresse speichern, Auskunftsersuchen beim Internet-Provider, Abmahnung durch einen beauftragten Anwalt - und dann die Hoffnung, dass der Betroffene aus Scham oder Unwissenheit zahlt. Doch dieses "Geschäftsmodell" funktioniert nicht mehr.

Streaming-Portale haben das Porno-Geschäft verdorben

Pornos produzieren oder Abmahnungen verschicken - was bringt mehr GeldPornos produzieren oder Abmahnungen verschicken - was bringt mehr Geld? Nach Aussagen des Insiders haben die in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossenen Streaming-Portale den Produzenten das Geschäft nachhaltig vermasselt - und das in zweierlei Hinsicht: Auf der einen Seite bezahlt kaum noch ein Nutzer für "hochwertige" Bezahlinhalte, wenn er "qualitativ" vergleichbares Material auf Streaming-Seiten findet, die weder Geld kosten noch effektiv durch ein Altersverifikationssystem geschützt sind. Ob die Begriffe "hochwertig" und "qualitativ" in diesem Zusammenhang berechtigt sind, steht ohnehin auf einem ganz anderen Blatt.

Doch ein weiteres Problem für die Branche besteht darin, dass Internet-Nutzer - nicht nur beim Konsum von Pornos, sondern auch von Kinofilmen - mittlerweile kaum noch auf Filesharing-Börsen setzen. Eine breite Aufklärung in den Medien und eigene Erfahrungen mit Abmahnungen bewegen heutzutage kaum noch Internetnutzer dazu, Tauschbörsen zu nutzen. Dies manifestiert sich in Zahlen zum Auskunftsersuchen, die die Telekom gegenüber der "Welt am Sonntag" kommuniziert hat: Im Jahr 2010 musste die Telekom rund 2,45 Millionen mal Name und Postanschrift zu einer IP-Adresse herausrücken, 2013 wird dies voraussichtlich nur noch rund 800 000 mal der Fall sein. Und das trifft nicht nur die Produzenten, sondern auch die beteiligten Anwälte.

Auf der folgenden Seite erläutern wir, welche Risiken das "Abmahngeschäft" für Porno-Produzenten und Anwälte birgt und was die Beteiligten tatsächlich mit diesem Geschäftsmodell monatlich verdienen können.

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