Hintergrund

Abmahn-Falle Popcorn Time: Filesharing ist kein Streaming

Die in den vergangenen Tagen aufgetauchten Abmahnungen gegen Nutzer von Popcorn Time zeigen das Dilemma und die Uninformiertheit vieler Nutzer. Denn nicht überall wo Streaming draufsteht ist auch Streaming drin - wir klären auf.
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Popcorn Time: Torrents sind kein StreamingPopcorn Time: Torrents sind kein Streaming Nachdem der Redtube-Skandal um vermeintliche Streaming-Abmahnungen sich mehr oder weniger in Peinlichkeiten aufgelöst hat, droht Internet-Nutzern neues Ungemach: Seit einigen Tagen versendet die Münchner Kanzlei Waldorf Frommer Abmahnungen an Nutzer des Webdienstes "Popcorn Time". Das Problem dabei ist, dass bei der Berichterstattung durch die Medien hier in unsachlicher Weise wiederum das Wort "Streaming-Abmahnungen" verwendet wurde.

Gerade im Laufe der Diskussion um Streaming-Abmahnungen sind viele Internet-Nutzer zu der Auffassung gelangt, dass - wie bei Redtube - letztendlich kein Rechtsanwalt und kein Gericht wirklich nachweisen kann, wer wann wo welches Video abgerufen hat. Bezogen auf echtes Streaming ist das auch richtig, doch bei Popcorn Time und cuevana.tv liegt der Fall ganz anders.

Filesharing ist kein Streaming

Die Abmahnungen auf Urheberrechtsverletzungen, die Nutzer in den vergangenen Tagen erhalten haben, beziehen sich meist auf die Dienste Popcorn Time und cuevana.tv. Einige Nutzer haben sich nach Erhalt der Abmahnung an einen Anwalt gewandt mit der Frage "Ich haben doch nur Streaming genutzt. Warum werde ich jetzt abgemahnt?" Darüber berichten beispielsweise die GGR Rechtsanwälte. Die Nutzer bekräftigten, keine klassische Tauschbörsen-Software zu verwenden.

Popcorn Time und cuevana.tv sind optisch ansprechende Portale, die wie Streaming-Seiten aussehen, letztendlich aber die Filme über Torrents bereitstellen. Das war lange Zeit nicht klar, mittlerweile schreibt Popcorn Time auf seiner Homepage allerdings prominent "Watch torrent movies instantly". Zur Verwirrung hatte auch beigetragen, dass der Dienst mittlerweile eine recht unkompliziert nutzbare Android-Ap anbietet.

Trotzdem ist es ein Kennzeichen von Torrents, dass Nutzer, die einen Film über die beiden genannten Portale anschauen, den Film auch gleichzeitig wieder hochladen und damit zu einem illegalen Anbieter werden. Und wer einen Film illegal per Filesharing ins Internet hochlädt, muss mit einer Abmahnung rechnen. Die Anwält empfehlen daher, auf die Nutzung dieser Dienste zu verzichten. Auch Rechtsanwalt Solmecke weist darauf hin, dass die Feststellung der IP-Adresse über Bittorrent kein Problem darstellt und daher die Nutzer meist mühelos ermittelt werden können. "Nutzer können sich nicht gegen eine Abmahnung mit dem Argument wehren, sie hätten von dem Down- und Upload des abgemahnten Werkes nichts gewusst. Das deutsche Urheberrechtsgesetz sieht eine verschuldensunabhängige Haftung für Urheberrechtsverletzungen vor", äußert Solmecke.

Sogar Fußball-Streams im Internet können gefährlich sein

Gewarnt wird darüber hinaus sogar vor Fußball-Streams, die beispielsweise per Sopcast weiterverbreitet werden, denn auch Sopcast beruht auf Peer-to-Peer-Technik. Und das Urheberrecht gilt auch für ein live gestreamtes Fernsehprogramm, wer dieses also per Filesharing abruft und gleichzeitig wieder hochlädt, muss laut Solmecke mit Abmahnungen rechnen.

Es bleibt also das schon das von teltarif.de geschilderte Dilemma, dass Dienste wie Popcorn Time und Konsorten auf der einen Seite technisch innovativ, Webdesign-technisch schön gemacht und nun auch per App einfach nutzbar sind und dass es die Filmindustrie nicht gebacken bekommt, tatsächlich ein komplettes Filmangebot mit einem so hohen Grad an Service in legaler Form bereitzustellen. Der Erfolg für die Content-Industrie sollte also nicht im Geschäftsmodell Abmahnung bestehen, sondern im technischen Übertrumpfen von Popcorn Time und Konsorten zu einem fairen Preis.

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