Audiotheken

RTL gegen ARD: Audiotheken im Test

Das Angebot an Podcasts ist im Internet riesig. Aber wo findet man das attraktivste Angebot in einer App? Die ARD Audiothek hat kürzlich mit Audio Now der RTL-Gruppe Konkurrenz bekommen. Doch beide Angebote haben ihre Stärken und Schwächen.
Von Björn König
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Audio Now von RTLAudio Now von RTL Beim Thema Audio-Strea­ming denken die meisten Leser vermut­lich zuerst an Musik. Mit Ange­boten wie Spotify oder Deezer sind mitt­ler­weile einige bekannte, kosten­pflich­tige Dienste am Markt verfügbar, die darüber hinaus auch Wort­bei­träge bezie­hungs­weise Podcasts im Programm haben. Nun gibt es aber auch viele Hörer, die keinen Bedarf an Musik haben und sich eher für Themen wie Doku­men­ta­tionen, Infor­ma­tionen oder Hörbü­cher inter­es­sieren. Und eben für diese Ziel­gruppe ist es womög­lich sogar viel sinn­voller, auf ein kosten­pflich­tiges Abo zu verzichten. Wir haben uns mit der ARD Audio­thek sowie dem kürz­lich gestar­teten Angebot "Audio Now" der RTL Group zwei kosten­lose Ange­bote ange­schaut. Eines kann dabei schon vorab fest­ge­halten werden: Auch kosten­lose Ange­bote haben den Hörer durchaus viel zu bieten.

ARD-Audio­thek

Die ARD-Audio­thek war in Sachen Wort­bei­trägen bislang der unan­ge­foch­tene Markt­führer. Hier gibt es quasi das komplette Wort­pro­gramm aller ARD-Radio­sender zum Nach­hören. Die App ist dabei in verschie­dene Themen­be­reiche, wie beispiels­weise Dokus und Repor­tagen, Hörspiel, Lesungen, Forschung, Ratgeber sowie Inter­views unter­teilt. Sobald der Hörer einen Bereich auswählt, bekommt er alle verfüg­baren Beiträge aus den ARD-Radio­sta­tionen ange­zeigt. Dabei haben die Redak­teure scheinbar auch auf eine gute Durch­hör­bar­keit geachtet. Die meisten Beiträge haben einen Umfang von einigen Minuten bis hin zu einer Stunde. Damit eignen sich die Podcasts auch bequem für unter­wegs, zum Beispiel im Auto auf dem Weg zur Arbeit.

Wer bereits eine Lieb­lings­sen­dung auf einem bestimmten Programm hat und diese direkt nach­hören möchte, kann dies eben­falls im App-Menü unter dem Punkt "Sender" tun. Sehr prak­tisch ist zudem die Funk­tion "Abos". Hier können Lieb­lings­sen­dungen hinter­legt werden, die Audio­thek benach­rich­tigt dann auto­ma­tisch, sofern eine neue Folge zur Verfü­gung steht. Dazu gibt es noch eine Merk­liste und die Option, einzelne Beiträge herun­ter­zu­laden. Das ist vor allem sinn­voll, wenn mal keine mobile Daten­ver­bin­dung oder WLAN zur Verfü­gung steht. Ein wich­tiges tech­ni­sches Feature der Audio­thek ist die Chro­me­cast-Unter­stüt­zung. Das ist natür­lich insbe­son­dere für den leider mitt­ler­weile nicht mehr aktiv vermark­teten Chro­me­cast-Audio inter­es­sant, mit dem man die Podcasts quasi für bessere Tonqua­lität direkt auf die Hifi-Anlage schi­cken kann. Grund­sätz­lich läuft die App aller­dings auf allen Android-Geräten, so zum Beispiel auch auf Tablets. Sofern die Hard­ware kompa­tibel mit Blue­tooth ist, können die Podcasts dann auch auf Blue­tooth-Laut­spre­chern abge­spielt werden.

Audio Now

Die RTL-Group star­tete kürz­lich mit Audio Now eben­falls eine Audio­thek, die aller­dings noch nicht ganz so umfang­reich wie ihr öffent­lich-recht­li­ches Pendant ist. Dafür hat sich Audio Now explizit für Dritt­an­bieter geöffnet. Man findet dort viele renom­mierte Beiträge der New York Times, Zeit, Stern sowie aus zahl­rei­chen anderen Fach­pu­bli­ka­tionen. Im Angebot ist zum Beispiel auch "Ellen on the Go", die Podcast-Version der Show von Amerikas beliebter Mode­ra­torin Ellen DeGe­neres. Ähnlich wie in der ARD-Audio­thek besteht die Möglich­keit, sich einzelne Abon­ne­ments einzu­richten bezie­hungs­weise Podcasts herun­ter­zu­laden. Wer nicht genau weiß, nach welchem spezi­ellen Thema er suchen möchte, kann in Audio Now durch verschie­dene Genres scrollen. Diese sind beispiels­weise die Gebiete Wissen, Tech, Hobby, Sport, Reisen, oder Kinder.

Was im Gegen­satz zur ARD-Audio­thek sofort auffällt: Viele Podcasts gehören eher in die Kate­gorie "Popu­plär­themen". Auch gibt es sehr spezi­elle Beiträge zu Berei­chen wie der New Economy, insbe­son­dere Soft­ware, Digi­ta­li­sie­rung und Ratgeber. Obwohl die App eine offene Platt­form ist, findet man prak­tisch keine Podcasts der deut­schen öffent­lich-recht­li­chen Medien. Das ist zwar mit Blick auf die ARD-Audio­thek verständ­lich, dennoch wäre es natür­lich für die Hörer wünschens­wert, auf einer offenen Platt­form alle Inhalte an einem Ort zu finden. Wichtig hervor­zu­heben ist nicht zuletzt bei Audio Now wie bei seinem öffent­lich-recht­li­chen Pendant auch die Chro­me­cast-Unter­stüt­zung, welche aller­dings nicht allge­mein im Haupt­menü der App, sondern direkt in den einzelnen Podcast-Beiträgen akti­viert werden kann.

Fazit: Mehr Auswahl bei Audio Now

Die ARD hat zwar in ihrer Audio­thek ein breites Angebot an quali­tativ hoch­wer­tigen Podcasts, doch letzt­end­lich bietet Audio Now als offene Platt­form ein wesent­lich viel­sei­ti­geres Spek­trum gerade auch an inter­na­tio­nalen Beiträgen. Man könnte sagen, dass RTL sich mit seinem Angebot in eine Art "TuneIn" für Podcasts entwi­ckelt. Auf lange Sicht dürfte das Angebot zudem deut­lich aufge­stockt werden. Beim Thema TuneIn sollte man natür­lich ebenso nicht uner­wähnt lassen, dass es auch hier ein durchaus respek­ta­bles Podcast-Angebot gibt, obgleich diese eher inter­na­tio­nalen Charakter haben und sich die App primär auf das Thema Live-Radio fokus­siert (weshalb sich kein Vergleich zu den anderen beiden Test­kan­di­daten anbietet). Frag­lich ist aller­dings, ob die Hörer lang­fristig mehrere Podcast-Apps parallel auf ihren Smart­phones oder Tablets instal­lieren. Die ARD wäre vor diesem Hinter­grund gut beraten, ihre Inhalte bei Audio Now beizu­steuern.

Das Kinder­pro­gramm "Kakadu" des Deutsch­land­ra­dios wird zum Podcast. Mehr dazu lesen Sie in einer weiteren Meldung.

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