Peer-To-Peer

Pipe: Filesharing per Facebook, ohne dass das Netzwerk mithört

Das Berliner Startup Pipe will einen sicheren Dateiaustausch über Facebook bieten. Das Netzwerk dient dabei nur dem Verbindungsaufbau. Die Übertragung erfolgt danach über eine Peer-To-Peer-Verbindung, wie sie auch andere Dienste nutzen.
Von Kaj-Sören Mossdorf mit Material von dpa
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Das Berliner Startup Pipe hat einen Datentransfer-Dienst auf Facebook auf einem neuen technischen Fundament gestartet. Über den Dienst können Mitglieder des Netzwerks Dateien bis zu einer Größe von einem Gigabyte direkt übertragen. "Wir gewähren dabei Privatsphäre der Anwender, weil weder wir noch Facebook sehen können, welche Inhalte via Pipe übermittelt werden", sagte Pipe-Mitbegründer Simon Hossell der Nachrichtenagentur dpa. Er startete den Service heute parallel in San Francisco, New York und Berlin.

Pipe setzt auf neueste Webstandards

Pipe bietet sicheren Datenaustausch per FacebookPipe: Sicherer Datenaustausch per Facebook Technisch setzt Pipe auf WebRTC, einen Standard für Echtzeitkommunikation im Web. "WebRTC ist eine bahnbrechende Technologie, die bildlich gesprochen das Internet neu verkabelt", sagte Hossell. Damit könnten Internet-Nutzer direkt miteinander über den Browser kommunizieren, ohne die Daten über den Server eines Drittanbieters umzuleiten.

Genutzt wird dafür laut der Internetseite des Dienstes eine herkömmliche Peer-To-Peer-Verbindung, wie sie auch bei klassischen Filesharing-Diensten genutzt wird. An dieser Stelle ist aber zu erwähnen, dass das Protokoll selbst zwar negativ belastet ist, es letztlich aber darauf ankommt, was der Nutzer damit anstellt.

Wohl auch deshalb ist in den Nutzungsbedingungen des Dienstes geregelt, dass dieser nicht für Urheberrechtsverletzungen genutzt werden darf. Die letztendliche Geschwindigkeit der Übertragung hängt dabei dann ausschließlich von den Internetzugängen der Nutzer ab.

Erst wenn der Empfänger nicht online ist, landet Datei auf Server

Wenn der Empfänger nicht online sei, könne eine Datei mit bis zu 250 Megabyte in einem sicheren Schließfach ("Locker") drei Tage lang aufbewahrt werden. Erst dann landet die Datei auf dem Server des Dienstes. Hier könnte sie theoretisch geöffnet oder analysiert werden. Als Server setzt der Dienst übrigens auf die Cloud-Variante von Amazon. Vor dem Absenden der Datei sieht der Nutzer allerdings anhand des Symbols, ob sein Gegenüber anwesend ist, beziehungsweise die App installiert hat. Der Umweg über den Server lässt sich also vermeiden.

Momentan setzt Pipe noch die Nutzung des Google-Browsers Chrome voraus. Eine Version, die mit Mozilla Firefox kompatibel ist, soll aber schon sehr bald folgen. Das Gleiche gilt übrigens für eine App des Dienstes. Sie soll demnächst für Geräte mit Apple iOS beziehungsweise Google Android auf den Markt kommen. Fraglich ist, ob der Dienst dann noch Facebook als Verbindungsglied braucht, oder aber einen eigenen Weg geht, um die beiden Endgeräte miteinander zu verbinden.

Noch kostenlos, spätere Bezahlmodelle denkbar

Das Berliner Unternehmen Pipe offeriert den Service bislang kostenlos. Zunächst gehe es darum, möglichst viele Anwender für den Dienst zu begeistern. Später seien kostenpflichtige Premiumdienste, etwa ein höheres Datenvolumen für das Daten-Schließfach denkbar. Pipe ist erstmals im Juni 2013 online gegangen. Schon damals hatte der Dienst laut Informationen der Berliner Morgenpost 60 000 Nutzer. Die ehemalige Lösung beruhte noch auf der Technologie Flash von Adobe, die nun abgelöst wurde.

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