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Phishing: Sieben Millionen Datensätze im Netz erbeutet

Ein Verfahren in dieser Größenordnung hat es bislang beim LKA Thüringen noch nicht gegeben. Ein Mann und seine Freundin sind bei Betrügereien im Internet aufgeflogen.
Von dpa /
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Ermittlungserfolg zu PhishingErmittlungserfolg zu Phishing Im Süden Thüringens ist ein mutmaßlicher Drogenhändler und Datenhacker aufgeflogen. Der 30 Jahre alte Mann soll Millionen Phishing-Mails verschickt und Hunderte Datenbanken von Internetshops mittelständiger Unternehmen kopiert haben, wie der Präsident des Landes­kriminal­amts (LKA), Frank-Michael Schwarz, in Erfurt sagte. Er soll dadurch in den Besitz von Konto- und Kreditkartendaten von Kunden großer Internetmarktplätze gekommen sein. Das LKA sprach von mehr als sieben Millionen Datensätzen.

Sie soll der Mann etwa im anonymen Bereich des Internets, dem Darknet, verkauft haben. Außerdem wird ihm Warenbetrug vorgeworfen. Die Ermittler gehen nach eigenen Angaben derzeit davon aus, dass sich der Verdächtige auch Zugangsdaten von neun Millionen E-Mail-Konten im deutschsprachigen Raum, 10 500 Paypal-, 4500 Amazon- und 2300 eBay-Konten verschafft haben soll. Betroffen seien auch die Konten von 12 000 Nutzern bei eBay-Kleinanzeigen und von 580 DHL-Packstationen. Der Mann habe bereits im April 2014 mit dem Beschaffen dieser Daten begonnen, berichtete Schwarz.

"Das Internet ist kein rechtsfreier Raum", betonte er. Die Ermittlungen zeigten, dass Straftaten im Darknet durchaus aufgeklärt werden könnten. Der Tatverdächtige soll darüber hinaus Drogen im Internet verkauft haben. Er und seine 19 Jahre alte Freundin säßen deshalb nun in Untersuchungshaft, sagte Schwarz. Gegen sie habe die Staatsanwaltschaft Gera Anklage erhoben. Die Wohnungen seien schon im vergangenen November durchsucht worden, die Ermittlungen wurden erst jetzt bekannt.

In mehreren Tausend Fällen Drogen verkauft

Die Polizei geht davon aus, dass das Pärchen in 3700 Fällen Betäubungsmittel verkaufte und versandte. Es seien 17 verschiedene Arten von Drogen auf zwei Internetplattformen angeboten worden. Laut dem LKA handelt es sich um rund 2000 Käufer im In- und Ausland. Bei den Durchsuchungen wurden unter anderen Handys, Notebooks, Festplatten, zwei Kilogramm Haschisch, 600 Gramm Amphetamin, 200 Gramm Kokain und 100 Gramm Heroin festgestellt.

Der jungen Frau wird laut Schwarz vorgeworfen, die Drogen verpackt und zur Post gebracht zu haben. Aufgeflogen war der Handel, weil im vergangenen Jahr Pakete als unzustellbar bei Bürgern in Südthüringen abgegeben wurden. Beim Öffnen habe sich dann der brisante Inhalt herausgestellt. "Woher der Hauptverdächtige das Rauschgift bezog, konnte bisher noch nicht zweifelsfrei ermittelt werden", sagte Schwarz. Er geht davon aus, dass er es im Darknet erwarb und per Post zu ihm nach Hause geliefert wurde.

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