MWC

Phicomm: Smartphones alleine reichen nicht zum Überleben

Mit Smartphones alleine ist kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Das ist das Los kleinerer Hersteller - Phicomm hält nun mit einer Sortimentserweiterung dagegen. Router und Gesundheitsprodukte sollen es richten.
Vom Mobile World Congress in Barcelona berichtet
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Beim letztjährigen Mobile World Congress hatte Phicomm seine neuen Smartphones noch ganz verschämt in einem winzigen und schwer auffindbaren Konferenzraum präsentiert. In diesem Jahr hat sich der Hersteller aber getraut und einen richtigen Messestand aufgebaut. Auf diesem MWC-Messestand sind die Smartphones allerdings nicht mehr alleine.

Denn das ist ein allgemeiner Trend auch in diesem Jahr: Jeder Hersteller stellt zwar irgendwelche neuen Smartphones mit Android vor - aber großartig unterscheidbar sind die Modelle kaum noch. Mit diesem Schicksal kämpft auch Phicomm: Die Smartphones sind ordentlich verarbeitet, sehen schick aus, sind in den aktuellen Trendfarben Schwarz, Silber und Rotgold gehalten und funktionieren problemlos. Preislich positioniert Phicomm seine Smartphones momentan bewusst zwischen 100 und 200 Euro. Doch warum sollte man sich ein Phicomm-Smartphone kaufen und keine Huawei, Wiko, Honor, ZTE oder HTC?

Wie kann sich Phicomm von anderen Smartphone-Herstellern abheben
Wie kann sich Phicomm von anderen Smartphone-Herstellern abheben?
Auf dem deutschen Markt kommt erschwerend hinzu, dass die Verkaufszahlen im Jahr 2016 erstmals gesunken sind. Wie soll sich ein so kleiner Hersteller da noch am völlig übersättigten Markt erfolgreich etablieren? Wir haben uns mit den Phicomm-Vertretern am Stand daher gar nicht primär über die neuen Modelle unterhalten, sondern mehr über die allgemeine Situation und die Strategie des Unternehmens.

Was tun gegen die Smartphone-Flaute?

Phicomm hat auf jeden Fall Ambitionen, weiterhin auf dem deutschen Markt zu bleiben. Das unterstreicht der Aufbau einer deutschen beziehungsweise europäischen Niederlassung in Unterhaching bei München. Stolz verkündet Phicomm, dass man die Smartphone-Verkaufszahlen im vergangenen Jahr sogar gesteigert habe - ganz gegen den allgemeinen Trend. Phicomm weiß aber selbst, dass man mit dem 100. identischen Android-Smartphone auf dem Markt keinen Blumentopf mehr gewinnen kann.

Phicomm-Smartphone
Phicomm-Smartphones: günstig, funktionieren - und sonst?
Phicomm hat sich daher dazu entschlossen, das Sortiment in die Breite zu erweitern. Ein neues Standbein werden Netzwerk- und WLAN-Router sein. Diese Router sind allerdings nicht für den direkten Betrieb am DSL-Anschluss vorgesehen, da sie kein DSL-Modem beinhalten. Auf unsere Frage, wie das Unternehmen auf dem deutschen Markt damit gegen Branchengrößen wie die Telekom oder AVM bestehen will, erläuterte der Sprecher, einen Markt für die Router sehe Phicomm überwiegend in den Ländern des mittleren Ostens, aber nicht unbedingt in Deutschland.
Smartes Wearable von Phicomm für Senioren und Patienten
Smartes Wearable von Phicomm für Senioren und Patienten

Digitale Gesundheitsprodukte sollen es richten

In Deutschland und anderen Ländern möchte Phicomm darüber hinaus mit digitalen Gesundheitsprodukten den noch recht jungen Markt erobern. Auf dem MWC zu sehen ist zum Beispiel eine vernetzte Personenwaage. Auch ein erstes Wearable fürs Handgelenk hat Phicomm dabei.

Eine Waage von Phicomm
Eine Waage von Phicomm
Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine klassische Smartwatch, sondern um ein Wearable, das insbesondere für Senioren oder Patienten gedacht ist. Auf der Unterseite ist ein Blutdruck-Sensor in das Gehäuse eingelassen. In die Uhr ist ein GSM/GPRS-Modul integriert, die erhobenen Daten können also auch ohne WLAN-Verbindung an eine App oder direkt an den Arzt gesandt werden. Als System läuft auf dem Wearable allerdings nicht Android Wear, sondern eine Eigenentwicklung.

Die neuen WLAN-Router von Phicomm
Die neuen WLAN-Router von Phicomm
Lediglich als Mockup zeigt Phicomm auf dem MWC einen Entwurf für ein erstes Fitnessarmband sowie eine echte Smartwatch. Beide Geräte sollen noch im Laufe des Jahres 2017 erscheinen. Insbesondere in diesem Markt vernetzter Gesundheitsprodukte will Phicomm also Umsätze erwirtschaften, die mit langweiligen Smartphones nicht mehr zu machen sind.

Anschlüsse eines Phicomm-Routers
Anschlüsse eines Phicomm-Routers
Ein interessantes Detail erfuhren wir ganz nebenbei von Phicomm. Wir hatten uns schon gewundert, warum es momentan kaum noch hosentaschengeeignete Android-Smartphones mit 4 Zoll bis 4,3 Zoll bei den Herstellern gibt. Der Erfolg des iPhone SE beweist schließlich eindrücklich, dass es einen Markt für derartige Geräte gibt. Phicomm erklärte uns, dass die Display-Hersteller außer für Apple derartige Displays gar nicht mehr herstellen - und darum sind auch wohl in der kommenden Zeit keine Android-Smartphones im 4-Zoll-Bereich mehr zu erwarten. Würde ein Hersteller explizit 4-Zoll-Displays ordern, würden die deutlich mehr kosten als die momentan massenhaft produzierten 5-Zoll-Displays.

Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Neupositionierung von Phicomm in den kommenden Monaten entwickeln wird. Auch im Bereich der Smart-Home-Geräte will Phicomm noch vermehrt aktiv werden - das wäre dann ein weiteres Standbein.

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