vervielfacht

Phantom DSL: Fast ein Gigabit pro Sekunde

Nokia-Siemens-Networks zeigt, dass das Kupferkabel noch lange nicht ausgedient hat

Nokia Siemens Networks hat auf dem Broadband World Forum in Paris ihre bisher schnellste DSL-Technologie "Phantom DSL" vorgestellt. Durch die trickreiche Nutzung virtueller Schaltkreise wird über vier Kupfer-Doppeladern eine Geschwindigkeit von bis zu 825 MBit/s bei 400 Meter Leitungslänge erreicht, oder 750 MBit/s bei 500 Metern. Das liegt 50 bis 75 Prozent über dem, was mit einer einfachen Kanalbündelung erreicht werden kann.

Erreicht wird diese hohe Bitrate durch die Kombination zweier Technologien. Die erste ist die klassische Kanalbündelung, schon bekannt aus ISDN-Zeiten, als man mit zwei B-Kanälen doppelt so schnell surfen konnte (mit damals "gigantischen" 0,128 MBit/s) wie mit einem. Bei Phantom DSL werden freilich nicht nur virtuelle Kanäle, sondern echte Leitungspaare kombiniert. Nokia Siemens
Networks zeigt Phantom-DSL Broadband World Forum in Paris Zum Test verwendete Kabelrollen
Foto: teltarif.de

Der zweite Trick besteht nun darin, auch noch ein Signal zwischen den Leitungspaaren aufzuspielen. Im Falle von Phantom DSL auf zwei Leitungspaaren werden somit insgesamt drei DSL-Kanäle realisiert. Bei 500 Metern Leitungslänge werden so bis zu 330 MBit/s ermöglicht. Mit einem Leitungspaar wären hingegen nur knapp über 100 MBit/s möglich. Durch "Phantom DSL" bekommt der Kunde nun mit zwei Leitungen die dreifache Leistung. Entsprechend errreicht Phantom DSL eine Steigerung von 50 Prozent im Vergleich zu einer einfachen Kanalbündelung.

Bei Verwendung auf vier Leitungen steigt der Gewinn von Phantom DSL noch, denn es gibt nun vier echte und drei virtuelle Kanäle, die dennoch alle reale Daten tragen. Entsprechend werden 750 MBit/s bei 500 Metern Leitungslänge erreicht.

Paare effizient genutzt

Grob vereinfacht kann man das sich wie folgt vorstellen: In vier Telefonanschlüssen sind acht Kupferadern enthalten, denn pro Anschluss bekommt man ein eigenes Adernpaar. Pro Anschluss wird immer eine der beiden Adern als "Hinleitung" und eine als "Rückleitung" benutzt. Der Trick von Phantom DSL ist nun quasi, eine gemeinsame Rückleitung zu schaffen, so dass die anderen Adern für die Datenübertragung genutzt werden können. Entsprechend sind dann drei DSL-Kanäle über vier Adern oder sieben DSL-Kanäle über acht Adern möglich.

Real ist die Schaltung komplexer als im vergenannten vereinfachten Modell, da bei DSL immer differenzielle Signale auf ein Adernpaar aufgespielt werden. Zunächst also je ein Signal auf Anschluss (bzw. Adernpaar) A und B, und dann ein weiteres Signal zwischen die Paare A und B. Analog je ein Signal auf C und D, und eines zwischen C und D. Und schließlich eines zwischen den Stapel A/B und den Stapel C/D.

Geringere Investitionen als FTTH

Nokia Siemens
Networks zeigt Phantom-DSL Broadband World Forum in Paris Test: Phantom DSL liefert 863 MBit/s Downstream
und 314 MBit/s Upstream
Foto: teltarif.de
Im Gegensatz zum ähnlich schnellen FTTH ("Fibre to the Home") hat Phantom DSL den Vorteil, mit bestehenden installierten Kupfer-Doppeladern zu funktionieren. Der Nachteil ist aber, dass mehr Adern pro Anschluss benötigt werden als bisher. Jedoch ist die Geschwindigkeitssteigerung überproportional zu der Zahl der benutzten Adern.

Ex-Monopolisten wie die Telekom Deutschland haben aufgrund des allgemeinen Rückgangs der Zahl der Anschlüsse oft eine große Zahl an unbenutzten Kupfer-Doppeladern und können die verbleibenden mit Technologien wie Phantom DSL entsprechend besser nutzen. Für deren Konkurrenten, die die Anschlusskabel mieten und pro Doppelader bezahlen zu müssen, könnte es hingegen teuer werden, wenn nicht der Regulator eingreift.

Mehr Geschwindigkeit auch im Kernnetz

Aber auch an anderer Stelle ist Nokia Siemens Networks nicht untätig. So werden für die Verwendung im Kernnetz zunehmend Transceiver mit 40 GBit/s (entsprechend 40 000 MBit/s) ausgeliefert. 100 GBit/s befindet sich in der Erprobung. Mit DWDM ("Dense Wave Length Division Multiplex") lassen sich zudem mehrere Signale mit jeweils diesen Bitraten, aber unterschiedlichen Lichtträgerfrequenzen, in einer Glasfaser kombinieren.

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