Digitalradio

DAB+: Turbulenzen um Peli One & neuer Sender im "Ländle"

Wer als neuer Veranstalter ohne großen Verlag oder andere potente Geldgeber im Hintergrund ins Digitalradio DAB+ einsteigt, hat zunächst kaum Möglichkeiten seine Investitionen zu refinanzieren. Um das Privatradio Peli One kam es deswegen zu Turbulenzen.
AAA
Teilen (7)

Wer als neuer Veran­stalter ohne großen Verlag oder andere potente Geld­geber im Hinter­grund ins Digi­tal­radio DAB+ einsteigt, hat zunächst kaum Möglich­keiten seine Inves­ti­tionen zu refi­nan­zieren. Die Reich­weiten sind noch zu gering und die großen Werbe­un­ter­nehmen weigern sich nicht nur aus diesem Grund, die Werbe­plätze national und regional zu vermarkten. Resultat: Einigen Veran­stal­tern geht bereits nach mehreren Monaten die Puste oder besser: das Geld aus.

Die Hörer von Peli One, einem Privat­radio mit der Musik­farbe Urban Music, hörten seit Freitag, 25. Januar 2019 nur noch Stille aus ihren DAB+-Radios. Grund war die tempo­räre Abschal­tung des DAB+-Signals in Berlin, Hamburg und Bran­den­burg durch den Sender­netz­be­treiber Media Broad­cast. Inzwi­schen ist der Sender zurück auf DAB+.

Streit zwischen Peli One und Media Broad­cast

Peli One ist wieder auf DAB+ zu hörenPeli One ist wieder auf DAB+ zu hören Zuvor hatte der Veran­stalter per Mittei­lung über seine Sicht der Dinge infor­miert und verweist auf einen seit Monaten schwe­lenden Streit zwischen Sender und Media Broad­cast: Hier gehe es um finan­zi­elle Forde­rungen, die der Sender laut eigenen Angaben zum Teil für unbe­rech­tigt hält. Daher hatte der Sender die Rech­nungen um die strit­tigen Posten gekürzt.

Eine Leitung, die der Programm­her­an­füh­rung vom Studio in Berlin zum Hein­rich-Hertz-Turm in Hamburg dienen soll, sei zwar seit Mai 2018 von der Media Broad­cast berechnet, aber bis heute nicht aktiv. Nachdem diese Leis­tungen trotz Nicht­er­fül­lung durch Media Broad­cast über Monate bezahlt wurden, habe der Sender zwischen­zeit­lich das für die nicht erbrachte Leis­tung gezahlte Geld zurück­ge­for­dert und behalte derzeit Gelder in entspre­chender Höhe zurück. Weiterer Streit­punkt sei die schlechte Empfangs­ab­de­ckung in Berlin und Bran­den­burg. Dies betreffe sowohl den Indoor- als auch den mobilen Empfang in Fahr­zeugen.

Ein Spre­cher von Media Broad­cast bestä­tigte die zeit­weise Unter­bre­chung der Programm­ver­brei­tung des Senders in den DAB+-Multi­plexen. Grund waren ihm zufolge jedoch "Außen­stände sowie mehr­fach nicht einge­hal­tene Zusagen, diese zu beglei­chen". Seit dem 30. Januar seien, nach verspätet erfolgter Teil­zah­lung, die Peli One-Programme in Berlin-Bran­den­burg und in Hamburg wieder zu empfangen. Die Landes­me­di­en­an­stalten Berlin-Bran­den­burg und Hamburg/Schleswig-Holstein seien mit dem Vorgang und der vorüber­ge­henden Abschal­tung von Peli One vertraut.

"Darüber hinaus äußern wir uns grund­sätz­lich nicht öffent­lich zu einzelnen Punkten in Vertrags­strei­tig­keiten mit Kunden. Die von Herrn Wachs­muth in einer bezeich­nen­der­weise vom 29. Oktober 2019 datierten Pres­se­mel­dung vorge­brachten Vorwürfe sind haltlos und unse­riös. Wir behalten uns juris­ti­sche Schritte gegen Herrn Wachs­muth vor", heißt es weiter.

Radio Seefunk über DAB+ gestartet

Unter­dessen ist die Boden­see­re­gion ab sofort vom Rhein-Main-Gebiet bis Basel zu hören: Der Lokal­sender Radio Seefunk ist im regio­nalen DAB+-Multi­plex Baden-Würt­tem­berg (Kanal 11B) gestartet und ersetzt hier wie geplant den Bürger­me­dien-Kanal. Hörer im eigent­li­chen Sende­ge­biet können das Privat­radio über Antenne weiter nur klas­sisch auf UKW hören, da der Kanal 11B in der Boden­see­re­gion, im Allgäu und Hoch­rhein noch nicht ausge­baut ist. Die DAB+-Ausstrah­lung dient mehr Pend­lern im "Ländle" und Menschen, die sich über die Feri­en­re­gion Bodensee infor­mieren wollen.

Teilen (7)

Mehr zum Thema DAB+