Versehen

"Willste? Kriegste!": Irrtümliche Gewinnnachrichten von PayPal (Update)

E-Mail-Empfänger hätten laut einer Kanzlei den Gewinn einklagen können
Von Rita Deutschbein mit Material von dpa
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Der Online-Bezahl­dienst PayPal hat Kunden irrtümlich per Mail zu einem Gewinn bei einem Gewinnspiel gratuliert. Die Gewinn­benach­richtigungen unter der Überschrift "Willste? Kriegste! Sie haben 500 Euro gewonnen" wurden offenbar an viele Tausende Kunden verschickt. "Leider ist diese E-Mail aufgrund eines technischen Fehlers versendet worden", erklärte PayPal Deutschland heute auf seiner Facebook-Seite und entschuldigte sich.

Willste? Kriegste!: Irrtümliche Gewinnnachrichten von PayPal"Willste? Kriegste!": Irrtümliche Gewinnnachrichten von PayPal Dem Versand der E-Mails folgten laut der Medien­rechts­kanzlei Wilde Beuge Solmecke zahlreiche Anrufe verunsicherter Kunden. "Zunächst dachten wir an eine der zahlreichen Phishing-Attacken. Bei der Analyse der E-Mail und der weiteren Recherche stellte sich allerdings heraus, dass PayPal unter dieser Überschrift derzeit gerade tatsächlich ein Gewinnspiel durchführt", so die Kanzlei.

In der Benach­richtigung heißt es demnach konkret: Hallo [Name des Empfängers], herzlichen Glückwunsch, Sie gehören zu den glücklichen Gewinnern! Schauen Sie gleich mal in Ihrem PayPal-Konto nach, denn dort haben wir Ihnen die 500 Euro gutgeschrieben. Sie können Ihren Gewinn ab sofort einlösen. Übrigens haben wir noch viele weitere tolle Ideen, die Ihren Sommer noch schöner machen: Viel Spaß bei Ihrem nächsten Einkauf wünscht Ihr Team von PayPal

Die Verlosung habe laut PayPal jedoch noch gar nicht stattgefunden. Das Unternehmen will nun die teilnahmeberechtigten Kunden ermitteln und im Anschluss die Verlosung starten. Die Gewinner sollen in einer sparaten Mail benachrichtigt werden.

Fälschliche Gewinnzusage könnte Folgen haben

Geht es nach Ansicht der Rechts­experten, steht den ange­schriebenen Nutzern trotz des Versehens die versprochene Summe in Höhe von 500 Euro zu. So heißt es in Paragraph 661a BGB: "Ein Unternehmer, der Gewinn­zusagen oder vergleich­bare Mitteilungen an Verbraucher sendet und durch die Gestaltung dieser Zusendungen den Eindruck erweckt, dass der Verbraucher einen Preis gewonnen hat, hat dem Verbraucher diesen Preis zu leisten."

Da die E-Mail optisch ansprechend gestaltet ist, der Nutzer mit seinem vollen Namen angeschrieben wird und das Gewinnspiel auch tatsächlich stattfindet, sei die Rechtslage in diesem Fall eindeutig. Auch die über Facebook veröffentlichte allgemeine Information, bei den E-Mails handele es sich um ein Versehen, sei laut "Wilde Beuge Solmecke" keine Anfechtung im Rechtssinne. Eine solche Anfechtung wegen Irrtums wäre aber die einzige Möglichkeit für PayPal, wieder aus der Gewinn­zusage herau­szukommen, so die Kanzlei weiter. Diese Anfechtung muss unverzüglich erfolgen, nachdem PayPal von dem Irrtum erfahren hat. Erhalten die Nutzer heute oder über das Wochenende also keine Anfechtungs­mail, kann der Gewinn tatsächlich eingeklagt werden.

Update 8. Juni, 8 Uhr: PayPal informiert Nutzer

Noch am Abend des Freitags hat PayPal damit begonnen, seine Nutzer über den Fehler zu informieren. "Leider wurde diese Email aufgrund eines Fehlers und technischen Versehens versandt und ist daher ungültig. Auf ihrem PayPal-Konto wurde kein Geld gutgeschrieben. Wir bedauern diesen Fehler und entschuldigen uns für alle eventuell entstandenen Unannehmlichkeiten", heißt es in der E-Mail. Damit dürfte die Chance, den Betrag einklagen zu können, erheblich gesunken sein.

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