Bericht

Deutscher Paypal-Konkurrent soll Pay Direkt heißen

Die deutschen Banken wollen einen Paypal-Konkurrenten aufbauen - Pay Direkt soll der Dienst heißen. Aber Experten sehen das Projekt kritisch. Denn Pay Direkt löst vor allem Probleme der Banken, nicht die der Kunden. Die entscheiden aber, ob sie ein weiteres Bezahlverfahren annehmen.
Von Hans-Georg Kluge
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Die deutschen Banken planen einen gemeinsamen Paypal-Konkurrenten - teltarif.de berichtete. Wie das Handelsblatt unter Berufung auf informierte Kreise meldet, soll das Verfahren Pay Direkt heißen - eine etwas merkwürdige Mischung aus Deutsch und Englisch.

Kunden sollen mit Benutzername und Passwort Zahlungen im Internet auslösen können. Das Verfahren beinhaltet auch einen Käuferschutz, der greift, wenn die Ware Mängel aufweist.

Handelsblatt: Pay Direkt droht ein Flop zu werden

Pay Direkt soll die deutsche Paypal-Konkurrenz heißen.Pay Direkt soll die deutsche Paypal-Konkurrenz heißen. Wie die Zeitung schreibt, steht das Projekt der deutschen Privatbanken unter keinem guten Stern - das Handelsblatt spricht sogar von einem drohenden Flop. Dafür nennt das Handelsblatt einige Gründe. So sei Pay Direkt lediglich eine Alternative zu Paypal - die deutsche Lösung gehe auf den Trend des mobilen Bezahlens mit dem Handy gar nicht erst ein. Außerdem fehlen Features wie integrierte Ratenzahlung oder Geldtransfers zwischen Privatpersonen. Gegenüber dem Handelsblatt äußert Jochen Siegert, Chef des Finanztechnologie-Spezialiten Finleap: "Ein neues Verfahren sollte sich an den Bedürfnissen von morgen orientieren. Die Banken sollten nicht Paypal kopieren, sondern die Firmen, die Paypal herausfordern.".

Damit sind beispielsweise auch Firmen wie Apple, Google oder Samsung gemeint, die an Lösungen arbeiten, mit denen das Smart­phone zur Geldbörse wird. Hier hinkt Pay Direkt nach Ansicht des Handelsblatts hinterher.

Kunden entscheiden über Schicksal von Pay Direkt

Außerdem sei der Mehrwert für den Kunden nicht erkennbar. Pay Direkt löse für Banken ein Problem: Im Gegensatz zu Bezahlvorgängen über Paypal gehe dem Bankenkreislauf kein Geld verloren und die Geldinstitute behalten Einblick in die Gewohnheiten seiner Kunden. Für Händler oder Kunden hat dies aber keinen Vorteil. Überhaupt sehen Experten letztlich den Kunden am entscheidenden Hebel: Händler führen neue Bezahlsysteme ein, wenn die Kunden diese verlangen.

Ohne die Beteiligung der Sparkassen stehe das Verfahren ohnehin schon von Anfang an vor Problemen - immerhin seien die Sparkassen mit rund 47 Millionen Girokonten Marktführer beim Geschäft mit Privatkunden. Deswegen ist es für die Privatbanken so wichtig, dass die Sparkassen dem Projekt beitreten. Laut Handelsblatt sei dies auch nach wie vor das Ziel der Sparkassen, es müsse jedoch zuvor geklärt werden, wie die anfallenden Kosten unter den Regionalverbänden aufgeteilt werden.

Schon heute gibt es eine Reihe Bezahlverfahren, die online nutzbar sind. Eine Übersicht haben wir für Sie zusammengestellt.

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