Todesfall

Abschied von Paul Allen: Microsoft-Mitgründer gestorben

Die Technikwelt trauert um einen eher leisen Pionier: Paul Allen gründete zusammen mit seinem Jugendfreund Bill Gates 1975 Microsoft. Am Montag ist er im Alter von 65 Jahren an Lymphdrüsenkrebs gestorben.
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Die Technikwelt nimmt Abschied von einem ihrer Pioniere, der nicht im vordersten Rampenlicht stand: Paul Allen, der zusammen mit seinem Jugendfreund Bill Gates 1975 Microsoft gegründet hatte, starb am Montag in seinem 65. Lebensjahr an Komplikationen des Non-Hodgkin-Lymphoms in Seattle.

Dies teilte das Investment- und Projektmanagement-Unternehmen Vulcan Inc. mit, das von Paul Allen und seiner Schwester Jody Allen 1986 in Seattle gegründet worden war.

Die Schulfreunde Paul Allen und Bill Gates
Die Schulfreunde Paul Allen und Bill Gates

Das Leben eines Wohltäters

Paul Allen wurde am 21. Januar 1953 in Seattle, Washington, geboren. Während seiner Zeit an der Lakeside School lernt Paul 1968 Bill Gates kennen. Beeindruckend muss für ihn 1969 der Besuch eines Rockkonzerts im Seattle Center Coliseum gewesen sein, wo er Jimi Hendrix sah. Paul Allen interessierte sich sein ganzes Leben nicht nur für Technologie, sondern auch für Musik, Kultur und Sport.

1975 gründete er zusammen mit Bill Gates Microsoft. Dazu musste Allen zuvor Bill Gates überreden, das Harvard College zu verlassen, um die Unternehmensgründung starten zu können. Ihre ersten gemeinsamen Produkte waren ein selbst programmierter Basic-Interpreter und das aufgekaufte QDOS, das sie zu MS-DOS weiterentwickelten und auf den ersten IBM-PC brachten. Im September 1982 wurde bei Paul erstmals das Hodgkin-Lymphom diagnostiziert. Rund acht Monate später prophezeiten die Ärzte allerdings, er habe die Krankheit besiegt. 1983 verabschiedete sich Paul Allen von Microsoft, blieb aber bis zum November 2000 noch im Aufsichtsrat.

Außer der Vulcan Inc. rief Allen 1988 die Paul G. Allen Family Foundation ins Leben. Allen wurde nun ein bekannter Förderer von Sportclubs und kulturellen Einrichtungen. In den darauffolgenden Jahren kaufte er beispielsweise das NBA-Basketball-Team Portland Trail Blazers. Das Seattle Cinerama rettete er vor dem Abriss durch Kauf und Restaurierung des Theaters.

Abschied von Microsoft-Mitgründer Paul Allen
Abschied von Microsoft-Mitgründer Paul Allen
1990 wurde Allen im Alter von 37 Jahren Milliardär. Eine seiner größten Investitionen tätigte er 1995 durch den Kauf einer Beteiligung von 18,5 Prozent am Filmstudio Dreamworks. Auch die folgenden Jahre waren von seiner Wohltätigkeit gekennzeichnet: Allen kaufte das NFL-Football-Team Seattle Seahawks und spendete 14 Millionen Dollar an die Universität von Washington, um das Paul G. Allen Zentrum für Informatik und Ingenieurwesen zu bauen. Später kam das Allen Institute for Brain Science hinzu. Allen finanzierte auch das SpaceShipOne, ein Experimentalflugzeug mit Raketentriebwerk für den privaten bzw. kommerziellen, bemannten, suborbitalen Raumflug bis etwa 100 Kilometer Höhe. Dafür gewann das Projekt den Ansari X-Prize.

2011 veröffentlichte Allen seine Memoiren unter dem Titel "Idea Man". Das 2012 von ihm mit eröffnete Living Computer Museum in Seattles SoDo-Viertel bildet eine interaktive Sammlung von Vintage Mainframes und Computern. Im August 2017 meldete Paul Allen, das Wrack des Kriegsschiffs USS Indianapolis (CA-35) gefunden zu haben, das 1945 von einem japanischen U-Boot versenkt worden war. Offenbar hat Allen in seinen letzten Lebensmonaten vermehrt darüber nachgedacht, wie die vielen Institutionen, die er gründete und unterstützte, auch ohne ihn weiterarbeiten können. Am Montag erlag er schließlich seinem Krebsleiden.

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