Password Sharing

Immer mehr Nutzer teilen Zugangsdaten für Netflix & Co.

War früher für das Hacken von Pay-TV-Angeboten technisches Spezialwissen vonnöten, benötigt man heute nur noch den Benutzernamen und das Passwort eines Freundes. Dieses Password Sharing greift immer mehr um sich. Noch lässt es die Streaming-Anbieter kalt, doch sobald es für Netflix, Maxdome oder Amazon um jeden einzelnen Kunden geht, werden die Zügel angezogen - zum Leidwesen der Nutzer.
AAA
Teilen (25)

Password-Sharing als Problem für Netflix & Co.
Password-Sharing als Problem für Netflix & Co.
Streaming boomt und das nicht erst, seit Netflix oder Amazon Prime Video ihre Dienste gestartet haben. Klassische Pay-TV-Anbieter wie Sky bekamen von jeher die Schattenseiten des Internets zu spüren. Mit Hilfe einer ans Internet angeschlossenen Set-Top-Box empfangen Schwarzseher die verschlüsselten Pay-Inhalte. Dafür wird lediglich eine legale Smartcard missbraucht, deren Codes über einen Server an die Set-Top-Boxen übermittelt werden. Des Weiteren streamen illegale Anbieter zum Beispiel die Live-Übertragungen der Fußball-Bundesliga unverschlüsselt im Internet. Doch sowohl für das Smartcard Sharing als auch für den Empfang illegaler Streams war stets ein wenig technisches Know-how vonnöten beziehungsweise musste man wissen, wo man im World Wide Web zu suchen hatte.

Password Sharing bei Jüngeren beliebt

Das geht nun alles viel einfacher, denn um Netflix, Maxdome oder den Sport-Streaming-Anbieter DAZN illegal zu schauen, "leiht" man sich lediglich die Zugangsdaten eines Freundes oder Verwandten aus. Während Sky beim Streaming-Portal Sky Go seit 2014 einen Mehrfach-Login unterbindet, ist dies bei den anderen Streaming-Anbietern immer noch möglich. Und diese Möglichkeit wird gern genutzt. Einer Studie der britischen Medienaufsichtsbehörde Ofcom zufolge, wird Password Sharing in den kommenden drei Jahren zum vorwiegenden Problem bei Urheberrechtsverstößen. Während gegen illegale Anbieter wie Kinox rechtlich vorgegangen wird, unternehmen die Streaming-Anbieter nichts gegen die Schwarzseher.

Die Nachrichtenagentur Reuters hat zusammen mit dem Marktforschungsunter­nehmen Ipsos herausgefunden, dass zwölf Prozent der Streaming-Nutzer in den USA schon einmal fremde Zugangsdaten genutzt haben. Der Anteil steigt auf 21 Prozent in der Altersgruppe der 18- bis 24-jährigen. Andere Untersuchungen kommen zu höheren Schwarzseher-Anteilen. So spricht das Beratungsunternehmen Morning Consult von 37 Prozent der US-Haushalte und 56 Prozent unter den 18- bis 29-jährigen, die Password Sharing betreiben.

Schaden von 500 Millionen US-Dollar

Inzwischen tauchen im Internet auch erste Webseiten auf, die Zugangsdaten zu Streaming-Angeboten verbreiten. In Foren werden Passwörter und Nutzernamen feilgeboten. Mit steigender Beliebtheit der Streaming-Dienste wird sich das Problem des Password Sharings für die Anbieter verschärfen. Bereits jetzt entgeht ihnen ein riesiges Umsatzpotenzial. Das Marktforschungsunternehmen Parks Associates bezifferte es bereits 2015 auf 500 Millionen US-Dollar. Morning Consult zufolge würden sechs von zehn befragten US-Haushalten ein Abo abschließen, wenn die Möglichkeit zum Password Sharing nicht mehr gegeben sei.

Den Marktforschern von Goldmedia zufolge kommen in Deutschland auf jedes Netflix-Abo 2,5 legale Nutzer. Netflix erlaubt das Anlegen von bis zu fünf Profile pro Abonnement. Bei DAZN können maximal zwei Endgeräte pro Abo genutzt werden. "Wenn das Wachstum über Neukunden auch international anfängt abzuflachen, ist anzunehmen, dass Netflix das Account-Sharing-Modell langfristig weiter einschränken oder verteuern wird", schreibt Max Reichert, Research Associate bei Goldmedia.

Das zunehmende Password Sharing wird seinen Anteil zu dieser Entwicklung beitragen. Letztendlich wird es für den Kunden zu Einschränkungen führen, wenn pro Abo nur noch ein Profil oder ein Endgerät genutzt werden kann.

Teilen (25)

Mehr zum Thema Streaming